4. Reinigungsstufe im Klärwerk soll Mikroschadstoffe aus dem Abwasser filtern
Mit Kohle gegen Medikamentenreste

Herford (WB). Die Betonfundamente sind gegossen, Ende 2020 soll die Anlage betriebsbereit sein: Das Klärwerk-Gelände auf der Ostseite der Goebenstraße ist seit Wochen Großbaustelle – auf der verbliebenen Freifläche wird die 4. Reinigungsstufe installiert.

Dienstag, 26.11.2019, 10:00 Uhr aktualisiert: 26.11.2019, 13:54 Uhr
HAG-Geschäftsführer Gerhard Altemeier zeigt die Großbaustelle: Vier Millionen Kubikmeter Abwasser durchlaufen pro Jahr das Klärwerk. Eine 4. Reinigungsstufe wird künftig Spurenstoffe wie Arz­neimittelrückstände und Mikroplastik binden.Foto: Peter Schelberg
HAG-Geschäftsführer Gerhard Altemeier zeigt die Großbaustelle: Vier Millionen Kubikmeter Abwasser durchlaufen pro Jahr das Klärwerk. Eine 4. Reinigungsstufe wird künftig Spurenstoffe wie Arz­neimittelrückstände und Mikroplastik binden. Foto: Peter Schelberg

Sie soll Medikamentenreste, aber auch Mikroplastik aus dem Abwasser entfernen – beides Schadstoffgruppen, die die Umwelt zunehmend belasten. Etwa 14 Millionen Euro wird die Anlage kosten, eine Leichtbauhalle, 15 Meter hoch, 45 Meter lang und 25 Meter breit. Im Innern durchströmen stündlich 900 Kubikmeter Abwasser drei Hightech-Module, die Mikrospurenstoffe herausfiltern.

»Mit einer zusätzlichen Tuchfiltration hoffen wir, auch bis zu 70 Prozent der Mikroplastikpartikel binden zu können«, sagt Gerhard Altemeier, Geschäftsführer der Herforder Abwasser GmbH (HAG). Die winzigen Plastikteile gelangen beispielsweise durch Kosmetika oder Reifenabrieb ins Abwasser.

2015 waren für das Projekt noch Investitionskosten von 10,5 Millionen Euro veranschlagt worden. Vom ursprünglichen Konzept musste sich die HAG aber aus technischen Gründen verabschieden. Erhebliche Mehrkosten waren die Folge. Immerhin: 7,2 Millionen der Investitionssumme wird das Land NRW übernehmen.

Gebühren erhöhen sich

Für die Herforder werden sich nach Inbetriebnahme die Abwassergebühren erhöhen. Zurzeit sind 3,69 Cent pro Kubikmeter fällig. Altemeier rechnet durch die neue Anlage mit Mehrkosten von 20 bis 25 Cent pro Kubikmeter. Zum einen müssen die Investitionskosten eingepreist werden, zum anderen die Betriebskosten. Allerdings dürfte sich die Abwasserabgabe, die die Stadt ans Land zahlen muss, durch die höhere Reinigungsleistung des Klärwerks reduzieren – und damit könnte auch die Gebührenerhöhung für die Bürger geringer ausfallen.

In der neuen Anlage wird das Abwasser durch Aktivkohle in Pulverform gereinigt: »Diese Kohle kostet leider auch richtig Kohle«, veranschaulicht der HAG-Geschäftsführer. Für eine Tonne sind das etwa 1500 Euro. Altemeier: »Wir gehen davon aus, dass wir allein für die Aktivkohle jährlich 300.000 Euro ausgeben müssen.« Für einen Vier-Personen-Haushalt und bei einer Abwassermenge von 45 Kubikmeter pro Einwohner kalkuliert die Verwaltung mit einer Mehrbelastung von 37,80 Euro pro Jahr – also knapp 10 Euro pro Einwohner. »Wenn wir dadurch mehr Schadstoffe aus dem Wasser herausholen, sollte uns dieser praktizierte Umweltschutz den Mehrpreis wert sein«, meint Altemeier.

Mit Aktivkohle verrührt

In der 4. Reinigungsstufe wird das Abwasser in einem »Mixer« 30 Minuten mit Aktivkohle verrührt. »An diese Pulverkohle-Partikel lagern sich die Schadstoffe an – quasi wie bei einem Magneten«, erläutert Altemeier. In einem speziellen Verfahren wird die beladene Aktivkohle an Mikrosand gebunden, der sich am Boden absetzt. Ein Hydro-Zyklon trennt die Bestandteile, Mikrosand und Kohle werden wiederverwendet. Die Aktivkohle muss allerdings nach und nach durch »frisches« Pulver ersetzt werden. Am Ende des Prozesses wird der Klärschlamm mitsamt belasteter Aktivkohle »thermisch verwertet«, also verbrannt.

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