Di., 03.12.2019

Mehr Bäume, mehr Radwege, mehr ÖPNV: Stadt soll bis 2050 ausgeglichene CO2-Bilanz haben Herford gibt Gas beim Klimaschutz

Die Vlothoer Straße könnte zur Fahrradstraße werden, signalisierte Bürgermeister Tim Kähler.

Die Vlothoer Straße könnte zur Fahrradstraße werden, signalisierte Bürgermeister Tim Kähler. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Herford soll grüner werden: „Aktuell stehen in der Stadt etwa 150.000 Bäume. Diese Zahl wollen wir perspektivisch erhöhen“, kündigt Bürgermeister Tim Kähler an. Die Aufforstung soll ein Mittel im Kampf gegen die globale Erderwärmung sein.

Am Montag hat der 51-Jährige die neuen Klimaschutzziele der Verwaltung vorgestellt. Das 2015 vom Rat beschlossene Konzept sah eigentlich vor, die örtlichen CO2-Emissionen bis 2050 um lediglich 60 Prozent zu senken. „In Anbetracht der weltweiten Entwicklungen haben wir aber festgestellt, dass dies nicht ausreicht. Wir alle müssen mehr tun, Klimaschutz ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe“, appellierte Kähler.

Aus diesem Grund müsse der Umwelt ein höherer Stellenwert eingeräumt werden als bisher. Neues Ziel sei nun, Herfords CO2-Bilanz in spätestens 30 Jahren auszugleichen. Damit folgt die Kreiskommune der gesamtdeutschen Langfriststrategie der Bundesregierung.

Die angestrebte Treibhausgasneutralität soll durch verschiedene, in Bürgerworkshops erarbeitete Maßnahmen erreicht werden. Ein wichtiger Punkt: raus aus dem Auto, rauf aufs Rad oder rein in den Bus. Wie berichtet, will Tim Kähler den ÖPNV attraktiver und ökologischer gestalten. Statt Diesel sollen die Busse – und zwar alle Citylinien – in wenigen Jahren mit klimaneutralen Techniken wie Wasserstoff angetrieben werden. Die Taktung soll erhöht, die Anbindung verbessert werden.

Vorschlag: bewachter Parkplatz für Pedelecs

Das Konzept sieht außerdem eine Komfortsteigerung für Radler vor. Sie sollen Vorrang vor motorisierten Fahrzeugen haben. Dafür braucht es jedoch mehr und vor allem ausgebaute Wege. In diesem Zusammenhang signalisierte Kähler, er könne sich die Vlothoer Straße – wie von Grünen, SPD und Linken vorgeschlagen – durchaus als Fahrradstraße vorstellen. Auch ein bewachter Parkplatz für Pedelecs in der City sei denkbar.

Wie sehr die Herforder derzeit allerdings ihr Auto lieben, zeigt ein Blick in die Statistik des NRW-Landesbetriebs für Informationstechnik. Der Pkw-Bestand ist in den vergangenen Jahren von 35.331 (2012) auf 39.300 (2018) gestiegen. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass die Bevölkerung ebenfalls gewachsen ist – von 63.786 auf 66.823.

Ein weiterer Baustein zum Schutz der Umwelt: mehr Natur im Zentrum. Im Stadtgebiet sollen Grünzonen ausgeweitet werden. Kähler: „Bäume sollen nur noch gefällt werden, wenn es stadtplanerisch sinnvoll ist.“ Zudem soll die Begrünung auf andere Bereiche ausgeweitet werden – zum Beispiel auf Parkhäuser, Bushäuschen und Neubauten.

Rat muss neues Konzept beschließen

Kähler stellte klar, niemanden bevormunden zu wollen. Er wolle vielmehr die Menschen mitnehmen. „Es muss im Kopf Klick machen.“ Ganz ohne Zwang will der Verwaltungschef es dann aber doch nicht belassen. So will er die Industrie zur klimafreundlichen Nutzung von Gewerbedächern zwingen. „Es sollen bauplanerische Vorgaben für erneuerbare Energien festgesetzt werden.“

Auch bei Neubauten oder Sanierungen will die Stadt zukünftig Richtlinien einführen – unter anderem sollen nur noch ökologische und regionale Baustoffe und nicht mehr so viel Beton und Glaswolle verwendet werden. Diese Materialien seien zu schadstoffhaltig und schwer recycelbar.

Über das neue Klimakonzept wird der Stadtrat in seiner Sitzung am 13. Dezember diskutieren. Ob es dann auch bereits beschlossen wird, ist fraglich.

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