Sa., 11.01.2020

Vorwürfe der Staatsanwaltschaft: Beleidigung und Hausfriedensbruch Nach Tumult im Freibad: junge Männer angeklagt

An heißen Tagen kommen bis zu 3000 Besucher in die Elverdisser „Batze“. In der vergangenen Saison waren es nach Angaben der Stadtwerke insgesamt 49.947 und damit 9000 weniger als im Rekord-Sommer 2018.

An heißen Tagen kommen bis zu 3000 Besucher in die Elverdisser „Batze“. In der vergangenen Saison waren es nach Angaben der Stadtwerke insgesamt 49.947 und damit 9000 weniger als im Rekord-Sommer 2018. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Kein ein anderer Fall hat im Sommer solch hohe Wellen in Herford geschlagen: Ende Juni hatten zwei junge Männer durch ihr Verhalten im Familienfreibad Elverdissen einen Polizeieinsatz ausgelöst. Seitdem patrouilliert an heißen Tagen Security am Pool. Nun sind die mutmaßlichen Störenfriede angeklagt.

Schon in zweieinhalb Wochen wird einem 24-Jährigen vor dem Amtsgericht Herford der Prozess gemacht. „Der Mann muss sich wegen Beleidigung in zwei Fällen verantworten. Er soll sich gegenüber einem Bademeister und einer Frau ehrverletzend geäußert haben“, sagt Gerichtsdirektor Bernd Kahre.

Der 24-Jährige – er ist nach Angaben seines Pflichtverteidigers Sven Peters vorbestraft – soll den Schwimmmeister mit folgenden Worten angepöbelt haben: „Halt die Fresse, du Penner!“ Und einen weiblichen Badegast soll er als „dicke Kuh“ bezeichnet haben. Die Verhandlung ist für Mittwoch, 29. Januar, um 13.30 Uhr in Saal 5 anberaumt.

Es wurde auch wegen Bedrohung ermittelt

Zwar gibt es noch keinen Termin, doch auch der zweite vermeintliche Unruhestifter muss mit einem Verfahren rechnen. „Uns liegt eine Anklage wegen Hausfriedensbruch vor. Der 20-Jährige soll sich geweigert haben, das Freibad zu verlassen. Er wurde dann von der Polizei abgeführt“, sagt Petra Borgschulte, Direktorin des Amtsgerichts Lemgo. Weil der Angeklagte in Bad Salzuflen wohnt, sind die Lemgoer Richter zuständig. Wegen seines Alters verhandelt ein Jugendrichter.

Fraglich ist, weshalb mit Hausfriedensbruch beziehungsweise Beleidigung nur zwei recht geringe Vorwürfe angeklagt sind. Herfords Polizeisprecher Uwe Maser sagt, dass auch wegen Bedrohung ermittelt worden sei. Bad-Betriebsleiter Markus Diering hatte sich damals so geäußert: „Meine Mitarbeiter hatten große Angst.“

Und eine Besucherin sprach von einer aggressiven Stimmung, einer bedrohlichen Situation.« Doch offenbar konnte den jungen Männern diese Straftat nicht zugeordnet werden. In die Streitigkeiten waren etliche Leute verstrickt.

Security soll weiter eingesetzt werden

Bettina Bredenkötter, Vorsitzende des 730 Mitglieder zählenden Freibadvereins in Elverdissen, ist froh, dass die Angelegenheit nicht im Sande verläuft, sondern verfolgt wird. „Es ist ein gutes Zeichen. Freibäder sind kein rechtsfreier Raum.“

Bredenkötter sagt, sie sei nach dem Vorfall entsetzt gewesen. „Ich hätte nie gedacht, dass so etwas bei uns auf dem Dorf passiert. Hier ist doch eigentlich noch heile Welt.“ Es habe Eltern gegeben, die ihre Kinder nicht mehr alleine ins Freibad gelassen hätten – aus Sorge.

Die Tumulte in Elverdissen haben etwas verändert: Seitdem passt an heißen und damit vollen Tagen Security darauf auf, dass nichts eskaliert. An diesem Sicherheitskonzept wird festgehalten. Betriebsleiter Markus Diering: „Traurig, das diese Maßnahme nötig ist. Aber unseren Mitarbeitern und den friedlichen Gästen sind wir es schuldig.“

„Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passiert.“ Bettina Bredenkötter führt seit 14 Jahren den Freibadverein. Sie ist froh, dass die Tumulte juristisch aufgearbeitet werden. Foto: Moritz Winde

 

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