Zwei Bewerber für den WLV-Vorsitz stellen sich in Herford der Diskussion
Ein abwesender Dritter belebt den Wahlkampf bei den Bauern

Herford (WB). „So lange ich mich erinnern kann, ist immer ein Münsterländer an der Spitze des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes gestanden. Es wird Zeit, dass sich das ändert“, flüstert vor Beginn der Versammlung am Freitag im Verbandshaus in Herford einer der Zuhörer. „Andererseits wurde der WLV auch noch nie von einer Frau geführt“, entgegnet ein anderer. Damit stand es im Wettstreit um das Amt des Bauernpräsidenten 1:1 zwischen Susanne Schulze Bockeloh aus Münster und dem Ostwestfalen Hubertus Beringmeier.

Samstag, 11.01.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 11.01.2020, 16:36 Uhr
Auftritt der Kandidaten: Sabine Schulze Bockeloh und Hubertus Beringmeier bewerben sich um das Präsidentenamt im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband und damit um die Nachfolge von Johannes Röring, der vorzeitig zurücktrat. Foto: Moritz Winde
Auftritt der Kandidaten: Sabine Schulze Bockeloh und Hubertus Beringmeier bewerben sich um das Präsidentenamt im Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband und damit um die Nachfolge von Johannes Röring, der vorzeitig zurücktrat. Foto: Moritz Winde

Die Veranstaltung des Kreisverbandes Lippe ist das achte Aufein­andertreffen der beiden Wahlkampf-Kontrahenten. Doch Wahlkampfstimmung kommt in Herford kaum auf. Zu nahe sind sich die beiden Bewerber in ihren Ansichten. Unterschiede sind eher in Nuancen erkennbar. Das wäre vermutlich anders, wenn auch der dritte Bewerber Joachim Pehle den Weg den Weg nach Herford gefunden hätte. Doch dessen Kandidatur war erst kurz vor der Veranstaltung publik geworden, eine rechtzeitige Einladung darum nicht mehr möglich.

Initiative Tierwohl als Beispiel für Reformen

Dennoch spielt er bei der Diskussion eine nicht geringe Rolle. Schließlich kandidiert Pehle als Vertreter der neuen Organisation „Land schafft Verbindung“ (LsV), die im vergangenen Jahr die großen Bauerndemonstrationen organisiert hat. Beringmeier, der selbst an den Protesten teilnahm, betonte die inhaltliche Verbundenheit mit den Anliegen des LsV. Allerdings, und da war er sich mit Schulze Bockeloh einig, erfordere das Spitzenamt auch eine gewisse Kompromissfähigkeit: „Wer sich nur in den eigenen Whats-App-Gruppen bewegt, wird in der Gesellschaft nicht gehört.“

Sabine Schulze Bockeloh (54, verheiratet, zwei erwachsene Kinder, Ackerbaubetrieb bei Münster mit 100 Hektar, Schweinemast 2013 aufgegeben) bemüht sich zu Beginn, Selbstvertrauen zu verbreiten: „Die Gesellschaft braucht uns.“ Doch die Landwirte müssten sich den Diskussionen stellen – auch dann, wenn fachliche Argumente auf den ersten Blick oft nicht gefragt seien. Aber es sei eben ein langer Weg, auf dem oft Flexibilität gefordert sei. Beispiel Glyphosat: „Das Thema ist gegessen. Wir müssen uns jetzt darum kümmern, dass den Bauern für den Pflanzenschutz andere Mittel zur Hand gegeben werden.“

Hubertus Beringmeier (58, verheiratet, drei erwachsene Kinder, Betrieb mit 3500 Mastschweinen in Hövelhof im Kreis Paderborn, Ackerbau auf insgesamt 200 Hektar) führt die Initiative „Tierwohl“ als positives Beispiel dafür an, dass Reformen möglich sind, wenn die teilnehmenden Bauern dafür finanziell entschädigt werden. Hier habe der Handel Wort gehalten, auch wenn neue Siegel der einzelnen Ketten und des Staates die Gefahr mit sich brächten, dass das Ganze für den Verbraucher unübersichtlich werde.

Kritik an den Schlachtbetrieben

Aus der Zuhörerschaft gab es Kritik an den Schlachtbetrieben. Die Billigstpreise würden schließlich von führenden Konzernen in Münster und Rheda-Wiedenbrück an den Handel herangetragen. „Eigentlich müssten Schnäppchenangebote und vor allem der Verkauf unter Einstandspreis bei Lebensmitteln verboten werden“, meinte ein Zuhörer.

Einig waren sich Schulze Bockeloh und Beringmeier, dass die Westfalen mehr Einfluss auf den Deutschen Bauernverband nehmen müssen. Er habe nicht nur vielfach den Kontakt zur Basis verloren, sondern auch zur Politik.

Die Entscheidung über den künftigen Bauernpräsidenten in Westfalen-Lippe wird bei der WLV-Delegiertenversammlung am 17. Februar in Münster fallen.

Der dritte Kandidat

Mit seiner überraschenden Kandidatur für das Präsidentenamt will Joachim Pehle (46) den „Drive der Straße“ in den Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband tragen. Die beiden bisherigen Bewerber seien verdiente Bauern. Aber es sei an der Zeit, dass die Anliegen der Jugend im WLV mehr Gehör finden, sagte Pehle am Freitag am Telefon, während er beim Kurzurlaub in Mecklenburg-Vorpommern auf Jagdwild wartete.

Pehle und seine Frau Nicole betreiben einen Bauernhof mittlerer Größe mit Schweinemast und Ackerbau in Erwitte im Kreis Soest. Dort führt er den örtlichen Bauernverein und ist im Kreisvorstand. Pehle lernte nicht nur den Beruf des Bauern, sondern ist auch Ingenieur und arbeitete schon bei Claas. Das Paar hat vier Kinder.

 

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