Kinderchor-Leiterin Dariia Lytvishko spielt am Sonntag in der Marienkirche
Das besondere Konzert

Herford (WB). Deutschland ist für Dariia Lytvishko das Land von Bach und Beethoven. Zwar führt nicht jeder Weg aus der Westukraine zwangsläufig nach Herford – aber mancher schon. Am Sonntag, 19. Januar, gibt die Studentin der Hochschule für Kirchenmusik in der Marienkirche ein Konzert.

Donnerstag, 16.01.2020, 13:00 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 13:10 Uhr
Dariia Lytvishko wird am 17. Februar in der Marienkirche geprüft. Die Stücke, die die Frau aus der Westukraine dann spielt, stellt sie am Sonntag in einem Konzert vor. Kantor Harald Sieger und Organist Joachim Vetter freuen sich darauf. Foto: Hartmut Horstmann
Dariia Lytvishko wird am 17. Februar in der Marienkirche geprüft. Die Stücke, die die Frau aus der Westukraine dann spielt, stellt sie am Sonntag in einem Konzert vor. Kantor Harald Sieger und Organist Joachim Vetter freuen sich darauf. Foto: Hartmut Horstmann

„Eine schöne Kirche“

In der Mariengemeinde ist die 24-Jährige keine Unbekannte. So kümmert sich Dariia Lytvishko um die Nachwuchschöre. Ihre Arbeit begann vor anderthalb Jahren mit dem Kindergartenchor, in dem etwa 20 Kinder mitsingen. Seit einem Jahr besteht der Kinderchor der Gemeinde mit mittlerweile 30 Mitgliedern. Und auch ein Jugendchor ist entstanden, der allerdings mit zehn Teilnehmern noch ausbaufähig ist: „Bei den Jugendlichen geht es auch um so Themen wie Stimmbildung.“ Der Kinderchor hatte schon Musical-Auftritte im Gottesdienst.

Dariia Lytvishko hat Gefallen an ihrer Arbeit gefunden – an der Chance, etwas Neues aufzubauen. Entsprechend sieht auch ihr Wunsch aus, wenn sie an eine Zukunft als Kantorin denkt. „Ich würde gerne etwas Ähnliches wie hier haben“, sagt sie und blickt durch die Kirche: „Hier herrscht eine gute Arbeitsatmosphäre und es ist eine schöne Kirche.“

Viele Kantorenstellen ausgeschrieben

Für die Frau aus der Westukraine steht fest, dass sie nicht in ihre Heimat zurückkehrt. Als Kirchenmusikerin sei es dort beruflich kaum möglich. Und sie mag Deutschland, das Land der Komponisten, die Freiheit und die Offenheit. Als sie 2014 nach Herford kam, war sie ein junges Mädchen – tausende von Kilometern von der Heimat entfernt. Ein einziges Mal war sie seitdem zu Hause.

Ihre musikalische Laufbahn hat Dariia Lytvishko mit Klavierunterricht begonnen. Das Studium der Kirchenmusik war dann der zweite Schritt – wobei sie aus einem orthodoxen Elternhaus stammt.

Angst davor, in Deutschland keine Stelle als evangelische Kantorin zu bekommen, muss die 24-Jährige nicht haben. Denn viele Kantoren gehen in den nächsten Jahren in den Ruhestand. Bereits jetzt seien viele 100-Prozent-Stellen ausgeschrieben, so Dariia Lytvishko. Sie weiß von drei Mitstudierenden, die bereits eine Stelle besetzen. Zu den frei werdenden Stellen kommt, dass Kirchenmusik nicht zu den Studiengängen gehört, die besonders boomen.

Konzert beginnt um 19 Uhr

Am 17. Februar wird die Studentin in den Fächern Orgel und Klavier geprüft. Ort der Prüfung ist die Marienkirche – das Gotteshaus, in dem sie regelmäßig mit Chören neue Lieder einstudiert. Die Stücke, die sie für die Prüfung ausgewählt hat, wird sie am Sonntag ab 19 Uhr in einem Konzert spielen. Dieses werde etwa eine Stunde dauern, Marienorganist Joachim Vetter spricht von einer Art öffentlicher Generalprobe.

Buxtehude, Bach, Beethoven, Liszt, Rachmaninoff, Debussy und Gárdonyi: Werke von diesen Komponisten wird die 24-Jährige vortragen, wobei Klavier und beide Orgeln zum Einsatz kommen. „Das ist ja ein hochkarätiges Programm“, sagt Joachim Vetter zu seiner Kollegin. Sie habe sich Komponisten ausgesucht, die sie auch sehr schätze, erläutert diese. Für die Zukunft hält es Vetter für wünschenswert, dass ihr Beispiel Schule macht und dass häufiger Studierende in der Marienkirche ein Konzert geben.

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