Jürgen Müller sorgt unfreiwillig für einen „wunderschönen Satz“
Kippings besonderer Dank an Herfords Landrat

Herford (WB). Für Katja Kipping ist Jürgen Müller wohl der Mann des Abends. Immerhin hat der Landrat der Parteichefin beim Linken-Neujahrsempfang eine 1A-Vorlage geliefert – wenn auch unfreiwillig. „Danke für diesen wunderschönen Satz. Musste ich gleich twittern“, revanchiert sich die prominente Politikerin aus Dresden.

Donnerstag, 16.01.2020, 18:08 Uhr aktualisiert: 16.01.2020, 18:10 Uhr
Vom Herforder Kreishaus in die weite Welt: Linken-Parteichefin Katja Kipping macht ein Selfie. Neben ihr sitzen Inge Höger und Fabian Stoffel. Dann wird getwittert. Foto: Moritz Winde
Vom Herforder Kreishaus in die weite Welt: Linken-Parteichefin Katja Kipping macht ein Selfie. Neben ihr sitzen Inge Höger und Fabian Stoffel. Dann wird getwittert. Foto: Moritz Winde

„Die Linke ist immer gut für einen Perspektivwechsel“, bemerkt Müller zur Begrüßung der etwas mehr als 100 Zuhörer. Allerdings meint der Gastgeber nicht die politische Ausrichtung, sondern vielmehr die Anordnung der Stuhlreihen. Die sind im Sitzungssaal des Kreishauses offenbar neu angeordnet worden.

Wie auch immer: Kipping – standesgemäß in roter Bluse – weiß diesen Ball aufzunehmen. Sie zwitschert von Herford in die weite Welt nicht nur das Landrat-Zitat, sondern ergänzt: „Wir verändern nicht nur die Perspektive, sondern auch das Land.“ Und natürlich darf das passende Selfie dazu mit den Herforder Genossen Inge Höger und Fabian Stoffel nicht fehlen. Die Ex-Bundestagsabgeordnete und der Kreis-Fraktionschef haben ihre Vorsitzende in die Hansestadt gelotst.

Das ehemalige PDS-Mitglied im sächsischen Landtag ist jedoch mit dem Ergebnis der Aufnahme offensichtlich nicht zufrieden. Deshalb verpflichtet sie ihren Sitznachbarn – Jan Lieberum wird kurzerhand zum Fotografen. Der Fridays-for-Future-Sprecher kündigt derweil an, dass die Proteste auf Herfords Straßen weitergehen werden.

Singend zum Widerstand aufgerufen

Liedermacher Peter Konopka aus Bielefeld.

Liedermacher Peter Konopka aus Bielefeld. Foto: Winde

Katja Kipping – sie hat zuvor Station in Bielefeld gemacht und zum sozial-ökologischen Dialog geladen – beweist in Herford nicht nur Schlagfertigkeit. Auch als Sängerin macht die 41-Jährige eine gute Figur. Den Refrain von Liedermacher Peter Konopka singt sie lautstark mit – und wippt dabei mit dem Fuß: „Die Zeit ist reif, das haben wir erkannt, organisiert weltweit Widerstand!“, hallt es aus Dutzenden Kehlen durchs Kreishaus. Nicht nur (partei)linke Herzen lassen diese Zeilen höher schlagen. Unter den Gästen befinden sich auch Grüne und Sozialdemokraten.

Während ihrer knapp halbstündigen Rede zeigt sich Katja Kipping ebenfalls kämpferisch, schwört ihre Parteifreunde auf den anstehenden Kommunalwahlkampf ein. Viel Neues ist von ihr allerdings nicht zu hören. Sie fordert die Abschaffung der Hartz-IV-Sanktionen, gebührenfreien ÖPNV, Zugang zur Kultur für alle, Arbeitszeitverkürzung und erklärt, was Marktradikale und Rechtsradikale angeblich gemeinsam haben. „Sie treten nach unten.“

Außerdem erteilt Kipping den „Kriegsabenteurern“ eine klare Absage. Das habe sie von der Bundesregierung beim jüngsten Iran/USA-Konflikt vermisst. Stattdessen habe es ein lauwarmes Statement von Außenminister Heiko Maas gegeben. „Wir dürfen Amerika nicht unsere Infrastruktur überlassen. Ramstein muss geschlossen werden.“

Klimaschutz als soziale Frage

Vom Militärstützpunkt nahe Kaiserslautern sollen die Vereinigten Staaten Kampfdrohnen-Einsätze gegen mutmaßliche Terroristen im Irak, Afghanistan, Somalia, Jemen sowie die Drohnenangriffe in Pakistan planen und steuern.

Natürlich darf das Thema Klimagerechtigkeit nicht fehlen. Die könne nicht von einer Partei alleine kommen, „wir brauchen den Druck aus der Gesellschaft“. Klimaschutz sei eine soziale Frage. „Die Folgen des Klimawandels treffen vor allem die Ärmsten. Superreiche werden sich immer einen Platz vor der Überschwemmung auf dem Trockenen sichern.“ Die 41-Jährige fordert, die Konzerne endlich staatlich zu regulieren. „So viele Plastikbecher kann jeder gar nicht einsparen.“

Zum Schluss signiert die Mutter einer Tochter noch ein, zwei Bücher und verschwindet durch die Tür – nicht aber ohne sich zuvor persönlich bei Jürgen Müller zu verabschieden. „Seinen“ Satz wird Katja Kipping demnächst wohl öfter gebrauchen.

 

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