Jahresrückblick: Kabarettist Gieseking spricht über Wiglaf Droste und bunte Socken
„2019 war das Jahr der Frauen“

Herford (WB). Kabarett, Bücher, Rundfunk: Der Mindener Unterhaltungskünstler Bernd Gieseking sieht sich selbst als Zehnkämpfer. Dies verrät er im Gespräch mit Hartmut Horstmann. Mit einer der Zehnkampf-Disziplinen, dem Jahresrückblick, kommt er am 31. Januar ins Stadttheater.

Montag, 27.01.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 27.01.2020, 12:26 Uhr
Ein Mann mit Elan: Gut gelaunt erinnert sich Bernd Gieseking an das „Jahr der Frauen“. Näheres erläutert er im Interview und im Jahresrückblick. Foto: Thomas Rosenthal
Ein Mann mit Elan: Gut gelaunt erinnert sich Bernd Gieseking an das „Jahr der Frauen“. Näheres erläutert er im Interview und im Jahresrückblick. Foto: Thomas Rosenthal

 

Sie sind seit 26 Jahren mit dem Jahresrückblick unterwegs. Bietet die Welt so viel Neues, dass Sie es immer wieder versuchen?

Bernd Gieseking : Ich hoffe, wir versuchen es nicht nur. Die Frage kann – von einem Journalisten gestellt – nur rhetorisch gemeint sein. Wie der Journalist täglich berichtet, kann der Kabarettist täglich satirisch reagieren. Und der Zuschauerzuspruch bei den vielfältigen Rückblicken auf der Bühne zeigt, wie viel Interesse besteht. Bundesweit sind mittlerweile sicherlich 10 bis 20 Kollegen mit einem solchen Format unterwegs.

 

Wenn Sie all die Jahre Revue passieren lassen: Welches war das langweiligste Jahr?

Gieseking: Es gibt keine langweiligen Jahre. Wenn wirklich mal wenig Spektakuläres passiert, bleibt Zeit, Themen zu vertiefen.

 

Nun zu 2019: Welchen Titel und welche Note geben Sie dem Jahr?

Gieseking: 2019 war für mich das Jahr der Frauen: Ursula, Greta, Luisa, AKK, selbst das neue Asterix-Heft heißt: Die Tochter des Vercingetorix. Aber Note? Ich gebe grundsätzlich keine Noten, mich nerven all diese Bewertungen. Neulich habe ich ein Taxi bestellt und wurde per SMS gefragt, wie ich die Fahrt bewerten würde – ich saß aber noch nicht mal im Wagen!

 

In jedem Rückblick erinnern Sie auch an die Verstorbenen. Welcher Tod ging Ihnen besonders nah?

Gieseking: Zwei Weggefährten sind gestorben, ein Kinomacher in Kassel, mit dem ich seit Jahrzehnten in Projekten zusammengearbeitet habe, und Wiglaf, Wiglaf Droste hier aus Herford. Ein großartiger Autor, eine der wichtigsten Stimmen meiner Generation. Durch ihn kam ich auch zur TAZ.

 

Sie kommen mit Ihrem Finnland-Programm nach Vlotho, in Herford stellen Sie den Jahresrückblick vor. Sie schreiben Kolumnen und Bücher, machen Radio. Besteht da nicht die Gefahr, sich zu verzetteln?

Gieseking: Das Eine ist – ich kann mich ja nicht wehren gegen die eigenen Ideen. Gegen den Impuls, etwas zu schreiben. Das Andere: Ich sehe mich da als Zehnkämpfer, ich arbeite in verschiedenen Disziplinen, die arbeite ich nacheinander ab. Durch den Wechsel zwischen einem Kabarett-Text und einem Kinderhörspiel bleiben Tun und Leben extrem interessant. Und um im Bild zu bleiben – ich versuche ja nicht, mitten im Weitsprung auch noch den Speer abzuwerfen.

 

Es heißt, dass Sie ein OWL-Buch planen. Was macht Ostwestfalen auch für Menschen in Bayern und Sachsen interessant?

Gieseking: Grundsätzlich ist jede Region interessant, aber ich halte natürlich meine Heimat trotzdem für etwas Besonderes – mit kuriosen, witzigen Details. Jetzt, wo ich nach Jahrzehnten wieder hier wohne, versuche ich an das ehemals Vertraute mit dem Staunen heranzugehen, mit dem ich unter anderem Finnland bereist habe. An diesen Texten erfreut sich mein Publikum auch in Baden-Württemberg und anderswo. Das will ich zusammenfassen und erweitern.

 

Es gab in all den Jahren eine Konstante: Ihr Bühnenoutfit. Schwarze Hose, schwarzes T-Shirt, nur die Schuhmode variierte zwischen Stiefeln und Turnschuhen. Warum nicht mal ein bunter Bernd?

Gieseking : Immerhin sind es jetzt rote Chucks. Bunte Hemden sind schon von Urban Priol und Jürgen von der Lippe „belegt“.

 

Aber zu farbenfrohen Hipstersocken hat es noch nicht gereicht?

Gieseking : Hipstersocken – so ein Wort kennt aber nur, wer Kinder hat! Nein, nicht mal die. Auf der Bühne schwarze Sneakersocken, weil die Selbstgestrickten von “unser Mudder” da zu warm sind.

Auftritt am 31. Januar im Stadttheater

Nach Stationen in Kassel, Köln und Dortmund lebt der Kabarettist Bernd Gieseking seit Jahren wieder in seiner Heimatstadt Minden. Die Nähe zu seinen zuwendungsbedürftigen Eltern war der entscheidende Grund für diesen Schritt, den er in einem Buch beschreibt: „Früher hab’ ich nur mein Motorrad gepflegt: Wie ein Sohn tapfer versucht, sich um seine alten Eltern zu kümmern.“

Die Herforder kennen den 61-Jährigen vor allem als den Mann mit dem Jahresrückblick. Zum mittlerweile 26. Mal blickt er auf das jeweils vergangene Jahr zurück. Sein Auftritt im Stadttheater am 31. Januar beginnt um 20 Uhr.

 

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