Kulturentwicklungsplanung in Herford: Kritik im Beirat, aber Projekt geht weiter
Keine Vorgaben, sondern Themenfelder

Herford (WB). Andreas Gorsler (CDU) räumte ein, enttäuscht zu sein. Denn der erhoffte Ruck durch die Kulturszene sei ausgeblieben. Und Jürgen Bollmann (SPD) vermisste jegliche strategische Vorgabe. Mit kritischen Stimmen musste sich die Kulturmanagerin Professor Gesa Birnkraut im Kulturbeirat auseinandersetzen. Es ging um die Kulturentwicklungsplanung für Herford – und am Ende stimmte der Beirat doch einstimmig für den Vorschlag, die bisherige Planung fortzusetzen.

Mittwoch, 29.01.2020, 16:00 Uhr
„Mein Sommer, meine Stadt“: Diese Reihe gehört zu den kulturellen Angeboten der Stadt, die sich auf öffentlichen Plätzen an ein breites Publikum wenden. Foto: Thomas Klüter
„Mein Sommer, meine Stadt“: Diese Reihe gehört zu den kulturellen Angeboten der Stadt, die sich auf öffentlichen Plätzen an ein breites Publikum wenden. Foto: Thomas Klüter

„Vom OWL-Forum überrollt“

Dass die Sache letztendlich vom Ergebnis her glatt über die Bühne ging, ist nicht zuletzt dem Mediatorengeschick des Kultur gGmbH-Geschäftsführers Andreas Kornacki zu verdanken.

Mit Kulturentwicklungsplanungen hat Gesa Birnkraut reichlich Erfahrung. In verschiedenen Schritten werden in Herford erst Kulturschaffende und später Bürger dieser Stadt einbezogen. Hinsichtlich der Bollmannschen Erwartungen sagte sie im Kulturbeirat: „Kulturentwicklungsplanung soll keine Richtung vorgeben. Sie soll Handlungsfelder aufmachen, die bearbeitet werden müssen.“

Was den von Gorsler vermissten Ruck angeht, so betonte sie, zwei Drittel der Angesprochenen hätten an der Szenarienwerkstatt teilgenommen. Das sei eine gute Zahl. Bedauerlich hingegen fand Gorsler auch eine weitere Entwicklung: „Wir sind vom OWL-Forum überrollt worden. Es hätte natürlich Teil der Entwicklungsplanung sein müssen.“

Denkwerkstatt angeregt

Als Themenfelder, die sich in den Gesprächen mit vielen Beteiligten entwickelt haben, nannte Birnkraut unter anderen: mehr Vernetzung, mehr Beteiligung am Kulturleben, bessere Sichtbarmachung des Angebots. So stellte die Professorin fest, dass die Kommunikation untereinander „nicht in der von den Kunstschaffenden selbst gewünschten Intensität“ erfolgt.

Daher empfahl sie die Fortsetzung eines bereits bestehenden Runden Tisches. Mögliches Ziel könne eine Denkwerkstatt mit Kulturschaffenden sein – mit externen Gästen als Impulsgeber. Ein erstes Treffen solle im zweiten Halbjahr 2020 stattfinden.

Ein anderer Punkt betrifft den Bereich Haushalt und Politik. Zu recht würde die unklare Entscheidungsstruktur für Kultur angesprochen, meint Bollmann. In der Tat sei das Konstrukt der Kulturpolitik bei Kulturanbietern und Experten nicht gänzlich bekannt, so Birnkraut. Die Frage sei zum Beispiel, wer Ansprechpartner für die weitere Planung sei – ob Rat, HVV oder Kulturbeirat. Von den Akteuren werde aber eine klare Verantwortlichkeit gefordert.

Welche Räume stehen zur Verfügung?

Dies leitet über zum Thema Förderung. In der Planung werden „kleine, niederschwellige Fördertöpfe für innovative Kulturprojekte“ genannt. Ein Gremium sei zu gestalten, das die Politiker berät. Die Zuständigkeiten hinsichtlich der Förderung liegen jedoch beim Rat oder bei der HVV.

Weitere Themenfelder befassen sich mit den Bereichen „Räume“ und „Publikum“. Wie interessiert man möglichst viele Bürger für Kultur, welche Räume stehen zur Verfügung? Am Ende steht die Vision, dass „Kultur als wichtiger Teil der Stadtgesellschaft angesehen“ wird. Hierfür empfiehlt Birnkraut die Schaffung einer Arbeitsgruppe aus Kulturakteuren. Der Rat befasst sich in seiner nächsten Sitzung mit dem Thema.

Kommentar

Dass einige Politiker hinsichtlich der Kulturentwicklungsplanung enttäuscht sind, ist nachvollziehbar. Klare Vorgaben sind immer gut, wenn man nach Lösungen sucht. Aber eine Stadt, die Lösungen wirklich will, muss diese selbst finden. Daher gibt es zum Weg der Kulturmanagerin Gesa Birnkraut wohl keine Alternative.

Bemerkenswert war die Aussage Andreas Gorslers (CDU), auch das OWL-Forum gehöre in die Kulturentwicklungsplanung. Bisher hatte seine Partei einstimmig – also auch mit der Stimme Gorslers – die Ablehnung des Forums zum Ausdruck gebracht. Dass Andreas Gorsler das 100-Millionen-Projekt dennoch als Teil der Kulturplanung betrachtet, zeigt erneut, dass es in der Fraktion unterschiedliche Ansichten gibt.

Dies führt zu der viel zu selten gestellten Frage: Wie sieht das Abstimmungsergebnis im Rat aus, wenn die Politiker nicht irgendwelchen Fraktionszwängen unterliegen? Eine Frage, die auch für andere Bereiche gilt: Wer eine Stadt und ihre Kultur entwickeln will, braucht Ehrlichkeit und keine parteikonformen Ja- oder Neinsager. Hartmut Horstmann

 

 

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7224168?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Elvan Korkmaz-Emre: „Das hat Herr Adenauer versäumt“
Elvan Korkmaz-Emre (35) aus Gütersloh ist seit 2017 für die SPD im Bundestag. Foto:
Nachrichten-Ticker