Do., 13.02.2020

Schülerinnen entwickeln Klebeband, Haarfärbemittel ohne Chemie und einen K.o.-Tropfentest Jugend forscht: Es klebt vegan

K.o.-Tropfen in Getränken schmeckt man nicht, man kann sie aber mit einem Indikator nachweisen. Daran haben Nina Heidemann und Michelle Bestvater (beide 17) geforscht.

K.o.-Tropfen in Getränken schmeckt man nicht, man kann sie aber mit einem Indikator nachweisen. Daran haben Nina Heidemann und Michelle Bestvater (beide 17) geforscht.

Von Kathrin Weege

Herford (WB). Jugend forscht ist am Ravensberger Gymnasium (RGH) in diesem Jahr weiblich. Drei Teams – bestehend nur aus Mädchen – gehen mit Chemieprojekten an den Start.

Haarefärben ohne Chemie

Färbt man sich die Haare, kommt meist eine Chemiekeule zum Einsatz. „Unser Projekt heißt ‚Natürlich bunt – Haare färben auf umweltfreundliche Weise‘“, verraten Sabrina Holzmeier und Tabea Manzke. Sie haben unterschiedliche Lebensmittelfarben und Henna-Pulver an gewaschener Wolle und Wollfäden getestet. „Die etwas fetthaltigere Wolle hat die Farben schlechter angenommen als die weißen Fäden“, erzählen die beiden 17-Jährigen. Die Schülerinnen haben für ihre Experimente Schafswolle gewählt, weil sie dem menschlichen Haar relativ ähnlich ist. „Die Farben halten natürlich nicht so lange. Wenn man aber nur ein paar Tage etwa bunt sein will, ist das eine gute Idee“, sagt Sabrina Holzmeier. Das Problem aber: Das Färben funktioniert nur bei hellem Haar – andernfalls wäre vorher eine Blondierung nötig. Für den Wettbewerb in der Sparkasse haben sich die beiden überlegt, nicht nur Fäden und Wolle mitzubringen, sondern die eigenen Haare zu färben.

Das Projekt könnte noch weiter gehen, meinen die Schüler. man könnte noch erforschen, wie schnell und wie unterschiedlich die Farben sich in der Wolle und dem Faden auswaschen.

Chiara Cecile Freitag (links) und Maxima Leoni Kriger (rechts, beide 17) haben ein veganes Klebeband entwickelt. Foto: Weege

Die Schüler haben insgesamt ein Jahr lang an ihren Projekten gearbeitet. „Sie haben sich einmal in der Woche für zwei bis drei Stunden getroffen und geforscht“, sagt Dr. Volker Weinrich, Lehrer für Chemie und Biologie und Betreuer für Jugend forscht. Die Schüler konnten sich ihre Fragestellungen selber überlegen. Dabei ging es dann zu wie in der echten Wissenschaft. „Manchmal führen Projekte eben auch in eine Sackgasse. Dann muss man die Richtung und manchmal sogar das ganze Thema ändern“, weiß Weinrich.

K.o.-Tropfen auf der Spur

Es ist der Horror aller Partyfreunde und auch Eltern: K.o.-Tropfen. Sie schmecken und riechen nach nichts, lassen sich problemlos untermischen, ohne dass der Betroffene es bemerkt. Kann man sie dennoch irgendwie erkennbar machen? An dieser Fragestellung haben die beiden RGH-Schülerinnen Nina Heidemann und Michelle Bestvater gearbeitet und versucht, einen Schnelltest zu entwickeln.

„Das Problem ist, dass K.o-Tropfen aus ganz unterschiedlichen Wirkstoffen bestehen können. Wir haben mit GBL und 1,4-Butandiol gearbeitet“, erklärt Michelle Bestvater. Mit einer Indikatorlösung konnten die Schülerinnen GBL nachweisen, nachdem sie ihn mit Alkohol in Säure aufgespalten hatten. War nach dem Aufspalten also Säure in der Lösung aus GBL und Wasser entstanden, verfärbte sich alles gelb. Waren keine K.o-Wirkstoffe in der Lösung enthalten – sie war also neutral bis basisch – wurde die vorher klare

Jugend forscht

Jugend forscht (auch kurz „Jufo“) ist ein Schüler- und Jugendwettbewerb im Bereich Naturwissenschaften und Technik. Der Regionalwettbewerb findet am Samstag, 15. Februar, in der Sparkasse in Herford (Auf der Freiheit 20) statt. Am Morgen bewerten die Juroren die Projekte der Schüler, die sie vorstellen müssen. Besucher sind in der Zeit von 14 bis 16.45 Uhr in der Kundenhalle der Sparkasse willkommen.

Flüssigkeit blau.

Schwieriger war der Farbnachweis in Cola. „Das Getränk ist zu dunkel, um die Farben des Indikators darin erkennen zu können“, erklärt Nina Heidemann. Aber man könne Cola durchsichtig machen, um dann den Indikator zum Einsatz zu bringen. „Wenn man Cola mit Milch vermischt und sie einige Tage stehen lässt, wird die Cola durchsichtig. Schneller geht dieser Prozess, wenn man eine Zentrifuge zum Einsatz bringt“, haben die Gymnasiastinnen festgestellt. Allerdings sei der Test in Cola aufgrund der Wartezeiten nicht anwendbar. „Und eine Zentrifuge hat man in der Disco auch nicht dabei“, meint Bestvater schmunzelnd.

Auch im Weißwein haben die Mädchen den K.o.-Tropfentest mit GBL probiert. „Verfärbungen sind hier ebenfalls erkennbar“, sagt Nina Heidemann. Die Schülerinnen hatten auch einen K.o-Tropfen-Test aus dem Internet bestellt. „Wir hatten uns mehr Infos über die Funktion solcher Tests erhofft. Allerdings schlugen beide Tests trotz untergemischter K.o.-Tropfen nicht an“, erklären die Schülerinnen.

Es soll kleben, aber vegan und biologisch abbaubar sein. An einem solchen Klebeband, beispielsweise um Pakete zu verschließen, haben Chiara Cecile Freitag und Maxima Leoni Kriger geforscht.

Veganes Klebeband

„Die Folie besteht sonst üblicherweise aus Kunststoffen“, sagen die beiden 17-Jährigen. Mit Chitosan-Pulver, das aus Chitin gewonnen wird, haben sie das Band hergestellt. „Das Pulver wurde in Essigsäure gelöst und auf eine Kunststoffplatte gegossen. Nach drei Tagen war die Essigsäure verdampft, die Folie blieb übrig“, sagt Maxima Leoni Kriger, deren Lieblingsfach am Gymnasium Chemie ist und die ein Chemie oder Biochemiestudium anstreben möchte.

Die zweite Komponente, die es herzustellen galt , war der Kleber. „Der ist an das Gummibärchen Rezept angelehnt – eine Mischung aus Zucker, Wasser, zusätzlich Pektin und ein paar Tropfen Glycerin, das aus Äpfeln gewonnen wird“, erklärt Chiara Cecile Freitag. Das Klebeergebnis kann sich sehen lassen. „Allerdings kann man das Klebeband immer nur einmal nutzen, da das Klebemittel verdunstet“, so die Forscherinnen.

Dass ihr Klebeband wirklich einmal Anwendung finden könnte, glauben die Zwei nicht. „Aber der Klebstoff sehr wohl“, sind sie überzeugt.

Kann man Haare auch ohne Chemie-Keule färben? Sabrina Holzmeier und Tabea Manzke (beide 17) haben unter anderem Lebensmittelfarbe an Wolle und Fäden getestet. Foto: Kathrin Weege

 

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