Fr., 14.02.2020

Lernförderung: Rita Müller (76) engagiert sich seit 13 Jahren beim Kinderschutzbund Herford Streng, aber herzlich

Spaß beim Rechnen: Rita Müller macht Hausaufgaben mit Alexander (6) und Iman (11). Die 76-Jährige gehört zu den Lernförderern des Kinderschutzbundes. Die Mitglieder der Gruppe wurden von der Stadt als Vorbilder im Ehrenamt ausgezeichnet.

Spaß beim Rechnen: Rita Müller macht Hausaufgaben mit Alexander (6) und Iman (11). Die 76-Jährige gehört zu den Lernförderern des Kinderschutzbundes. Die Mitglieder der Gruppe wurden von der Stadt als Vorbilder im Ehrenamt ausgezeichnet. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Haushalt und Ehemann, das sei ihr im Ruhestand dann doch etwas zu wenig gewesen: Rita Müller wollte etwas bewirken, Sinnvolles tun. Seit 13 Jahren gehört sie zum Team der Lernförderung beim Kinderschutzbund.

Kinder sind das schwächste Glied in der Gesellschaft und sie bekommen in besonderer Weise zu spüren, dass ohne Bildung viele Chancen verwehrt bleiben. Rita Müller und die zwölf Freizeitlehrer haben genau dieses Problem im Blick. Mit ihren 76 Jahren ist die Herforderin die (Dienst)-Älteste.

Doch noch immer brennt sie für das Ehrenamt, für das sie und ihre Mitstreiter von der Stadt ausgezeichnet wurden. „In den Ferien werde ich richtig nervös, wann es endlich wieder losgeht. Dann merke ich, wie sehr mir die Aufgabe fehlt.“ Nachdem sie als Anwaltsgehilfin in Rente ging, landete sie beim Kinderschutzbund. „Ich habe viele Jahre meine Mutter gepflegt und wollte nichts mehr mit dem Alter zu tun haben“, sagt sie.

„Wüsste nicht, was ich lieber täte“

Zweimal die Woche übt Rita Müller mit Mädchen und Jungen Lesen, Rechnen und Schreiben. Dabei ist sie streng, aber herzlich. „Bei mir wird in Mathe der Bruchstrich mit dem Lineal gemacht und nicht per Hand. Ich lege eben Wert darauf, dass ordentlich gearbeitet wird, was nicht sofort gut ankommt.“

Seit über 40 Jahren legen sich die Lernförderer für die Chancengerechtigkeit der Kleinen ins Zeug. Bis zu 30 Kinder werden intensiv betreut, die Warteliste ist lang. Ob fehlender häuslicher Beistand, Armut, Beziehungskonflikte – die Hobby-Pädagogen sind zur Stelle. Mit Einzelbetreuung werden die schulischen, kognitiven und sozialen Fähigkeiten gefördert.

Der Nachwuchs erfährt Wertschätzung und Hilfe. Die Kinder lernen, Verantwortung zu übernehmen. Mit Geduld und Zuwendung arbeiten Rita Müller und die anderen daran, das Vertrauen der Erst- bis Sechstklässler zu gewinnen und ihnen das zu geben, was ihr Menschenrecht ist: Anspruch auf Bildung und eine lebenswerte Zukunft. Auch für Rita Müller ist es eine Bereicherung: „Ich wüsste nicht, was ich lieber täte.“

Vorbilder im Ehrenamt

Den vor 35 Jahren von der UN ausgerufenen Tag des Ehrenamtes hat die Stadt im Dezember zum zwölften Mal zum Anlass genommen, einzelne Ehrenamtliche oder Gruppen zu Vorbildern zu erklären, die in ihren Bereichen Bemerkenswertes tun. Sechs „Vorbilder im Ehrenamt 2020“ wurden ausgewählt und bei einer Feierstunde geehrt. Das WESTFALEN-BLATT stellt sie vor.

Bisher erschienen: Hans Rodax, Leiter des Shantychores der Hansestadt Herford .

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