Do., 20.02.2020

Verlust des Herforder Krankenhauses im Jahr 2018 beläuft sich auf 7,67 Millionen Euro Klinikum-Defizit: Kreis soll vier Millionen Euro beisteuern

Das Eigenkapital des Klinikums Herford sinkt, die Verluste dagegen steigen: Jetzt will der Kreis für den finanziellen Ausgleich des Defizits sorgen. In nicht-öffentlicher Sitzung wird der Kreisausschuss am 26. Februar darüber beraten.

Das Eigenkapital des Klinikums Herford sinkt, die Verluste dagegen steigen: Jetzt will der Kreis für den finanziellen Ausgleich des Defizits sorgen. In nicht-öffentlicher Sitzung wird der Kreisausschuss am 26. Februar darüber beraten. Foto: Moritz Winde

Von Ralf Meistes

Herford (WB). Das Klinikum Herford ist in mächtiger finanzieller Schieflage. Die Verluste für 2018 belaufen sich auf 7,67 Millionen Euro. Der Kreis Herford soll vier Millionen Euro als Verlustausgleich zur Verfügung stellen. Hierüber sollen die Mitglieder des Kreisausschusses in nicht-öffentlicher Sitzung am 26. Februar beraten.

Gleichzeitig sei beabsichtigt, dem Klinikum einen Liquiditätskredit von maximal 15 Millionen Euro einzuräumen. Für das Jahr 2019 geht das Klinikum von einem Defizit von etwa 6 Millionen Euro aus. Im Jahr 2017 lag das Minus bei 4,4 Millionen Euro. Das Eigenkapital hat sich von 28,5 Millionen (2017) auf 20,8 Millionen Euro (2018) reduziert. Die Quote sei laut Bundesanzeiger um 4,3 Prozentpunkte auf 12,1 Prozent gesunken.

Förderpauschalen reichen nicht

„Als einer der Hauptgründe kann das nicht auskömmliche Finanzierungssystem ausgemacht werden. So reichen die aktuell gewährten, pauschal dem Klinikum zur Verfügung gestellten Fördermittelsummen nicht aus, um laufende Investitionen, resultierend auch aus einem Investitionsstau aus den Vorjahren, sicherzustellen“, heißt es im Bundesanzeiger.

Zur Generierung weiterer Mittel per Einzelförderung würden Förderkriterien für spezifische Entwicklungen der Einrichtung vom Land NRW vorgegeben, die im Ergebnis nicht konform mit den speziellen Anforderungen der Kliniken seien.

Zu wenig Ärzte und Pfleger

Und noch auf einen weiteren kritischen Punkt wird im Prognosebericht hingewiesen. So sei die Gewinnung von speziell geschultem Personal auch in Herford eine große Herausforderung. Der Markt an Fachkräften, ob Ärzte oder Pfleger, sei nicht auskömmlich, um den Bedarf zu decken. Aufgrund dessen sei aktuell und auch zukünftig mit einer wirtschaftlichen und finanziellen Mehrbelastung zu rechnen und in Aus-, Fort- und Weiterbildung zu investieren.

Neben dem negativen „Cashflow“ aus dem Jahresergebnis 2018 und der prognostizierten ungünstigen Entwicklung der kommenden Geschäftsjahre, führt ein deutlicher Forderungsaufbau aus Lieferungen und Leistungen zu einer zusätzlichen Liquiditätsbelastung.

Größter Arbeitgeber

Probleme bereiten auch die wachsenden Prüfverfahren des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherungen. Dies führe laut Prognosebericht dazu, dass Zahlungen nicht innerhalb der vorgesehenen Fristen und im ungünstigsten Fall erst bis zum Ablauf der Verjährungsfristen ausgeglichen werden. „Um zukünftige Verbindlichkeiten aus dem laufenden Geschäft uneingeschränkt ausgleichen zu können, wurde aus Gründen der Vorsicht der Kontokorrentrahmen auf 20 Millionen Euro erhöht“, heißt es in dem Bericht weiter.

Das Klinikum Herford ist mit 798 Betten das größte Krankenhaus im Kreisgebiet. Gewährsträger des Klinikums ist der Kreis Herford. Mit etwa 2000 Mitarbeitern ist die Anstalt öffentlichen Rechts (AöR) der größte Arbeitgeber der Stadt Herford.

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