Do., 20.02.2020

Minus 196 Grad: Susanne Pickhardt betreibt Herfords einzige Eissauna Brrr, ist das kalt!

Der Kopf bleibt frei: Trotz oder gerade wegen der heftigen Kälte lächelt Susanne Pickhardt in die Kamera. In ihrer Eissauna fällt die Temperatur auf minus 196 Grad. Die Anwendung dauert nur wenige Minuten. Der Preis für die Premierensitzung liegt bei 20 Euro.

Der Kopf bleibt frei: Trotz oder gerade wegen der heftigen Kälte lächelt Susanne Pickhardt in die Kamera. In ihrer Eissauna fällt die Temperatur auf minus 196 Grad. Die Anwendung dauert nur wenige Minuten. Der Preis für die Premierensitzung liegt bei 20 Euro. Foto: Moritz Winde

Von Moritz Winde

Herford (WB). Schon beim Zusehen bekommt man Gänsehaut und die Zähne beginnen zu klappern: In Herfords einziger Eissauna herrschen Temperaturen von unglaublichen minus 196 Grad.

Glaubt man Betreiberin Susanne Pickhardt, ist die Kältekammer eine Art Jungbrunnen. „Nach der Therapie fühlt man sich wie neu geboren.“

Kälte gegen Wehwehchen ist nichts Neues – schon Sebastian Kneipp hat diese Methode angewendet. Seit einiger Zeit scheint es jedoch einen regelrechten Hype zu geben – vor allem unter Sportlern. Ob Fußballer, Gewichtheber oder Turner: Das eiskalte Bad ist für viele Spitzenathleten nach dem Wettkampf Pflicht.

Die Bezeichnung „Eistonne“ hatte Per Mertesacker während eines Interviews nach dem kräftezehrenden Achtelfinalspiel der deutschen Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 2014 geprägt. Die so genannte Kaltwasserimmersion soll die Regeneration der Muskeln nach körperlichen Höchstleistungen beschleunigen.

Um die Extremitäten vor dem Erfrieren zu schützen, werden Füße und Hände dick eingepackt. Foto: Winde

Doch nicht nur Profisportler, auch immer mehr Otto-Normal-Verbraucher schwören auf den extremen Kälte-Effekt, die Zahl der Kälteanhänger scheint zu steigen. Im Gegensatz zur Eistonne funktioniert die Eissauna allerdings nicht mit Wasser. „Die Kälte wird mit Stickstoff erzeugt, der in einem 300-Liter-Tank gelagert wird. Pro Sitzung werden zehn Liter benötigt“, erklärt Susanne Pickhardt. Das Plus aus ihrer Sicht: „Es ist eine trockene wohltuende Kälte.“

Eigenes Wellness-Studio unter den Linden

Die 51-Jährige leitet nicht nur eine Werbe-Agentur (LS Media), sondern ist zudem Inhaberin des Wellness-Studios „Growing Young“ (Unter den Linden 43). Sie hat sich auf die Kältetherapie spezialisiert, die in ihren Augen ein Quasi-Allheilmittel darstellt. Diätunterstützung, Fettreduktion, Verjüngung der Haut, Stärkung des Immunsystems, Leistungssteigerung, Lösen von Verspannungen, Förderung der Wundheilung, Verbesserung des Schlafs, Linderung rheumatischer Beschwerden – die Liste der auf dem Flyer angepriesenen Vorteile ist lang. Allerdings räumt Susanne Pickhardt auch ein: „Es gibt nur wenige Studien dazu.“

Und trotzdem ist sie von der Eissauna überzeugt und rät jedem, selbst einmal die Röhre zu steigen. Sie selbst habe das Gerät – das Modell in ihrer Praxis kostet 80.000 Euro – auf der Fibo (Weltleitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit) in Köln entdeckt. „Ich habe es dann bei einem Kollegen ausprobiert – und war begeistert.“

Die Tiefsttemperatur erscheint auf der digitalen Anzeige. Foto: Moritz Winde

Eine Anwendung in der Ganzkörpersauna, die in Unterwäsche betreten wird, dauert nur wenige Minuten – und natürlich taste man sich allmählich an die Tiefsttemperatur heran. „Los geht es in der Regel bei minus 156 Grad“, sagt Susanne Pickhardt. Aber auch das ist ja nichts für Warmduscher.

Das sagt der Mediziner

Professor Thorsten Pohle ist Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie sowie Intensivmedizin am Klinikum Herford. Der Chefarzt der Medizinischen Klinik I sagt, grundsätzlich könne der Einsatz der Eissauna bei Rheumapatienten sinnvoll sein. „Durch die Kälte können die durch die entzündeten Gelenke verursachten Beschwerden gelindert werden.“ Auch die Muskelregeneration nach dem Sport könne durch die klirrende Kälte beschleunigt werden.

Angesprochen auf die anderen Versprechen wie zum Beispiel Verbesserung des Schlafes, Förderung der Wundheilung, Fettreduktion oder Verjüngung der Haut zeigt sich der Mediziner eher skeptisch. „Ich kann dazu nichts konkret sagen, finde es aber schwer nachvollziehbar. Mir ist nicht bekannt, dass es hierzu wissenschaftliche Erkenntnisse gibt.“ Im Übrigen rät Professor Pohle Menschen mit Herzkrankheiten davon ab, die Eissauna zu benutzen.

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