Appell der „Parents for Future“ in Herford: Verzicht bei Ernährung, Mobilität, Müll und Energie
Fasten für ein besseres Klima

Herford (WB). Einmal in der Woche kommt Fleisch in die Pfanne. Geradelt wird dagegen täglich. Die Heizung bullert nicht volle Pulle, wird runtergedreht, wenn gelüftet wird. In den Familien von Marina Görs und Svenja Winkler wird viel getan für den Klimaschutz. Die beiden 40-jährigen Herforderinnen haben die Gruppe „Parents for Future“ gegründet und rufen jetzt erstmals in Herford zum Klimafasten auf.

Samstag, 22.02.2020, 12:07 Uhr aktualisiert: 22.02.2020, 17:06 Uhr
Eine fröhliche Truppe, unterwegs mit dem Fahrrad in die Stadt: Die beiden Gründerinnen von „Parents for Future“, Svenja Winkler (links) und Marina Görs – mit ihren Kindern (von links) Julius, Janna, Luisa und Ella – rufen zum Klimafasten auf. Foto: Bärbel Hillebrenner
Eine fröhliche Truppe, unterwegs mit dem Fahrrad in die Stadt: Die beiden Gründerinnen von „Parents for Future“, Svenja Winkler (links) und Marina Görs – mit ihren Kindern (von links) Julius, Janna, Luisa und Ella – rufen zum Klimafasten auf. Foto: Bärbel Hillebrenner

Aschermittwoch ist alles vorbei – nicht nur im Karneval. Dann beginnt auch die Fastenzeit, sieben Wochen bis Ostern. „Die meisten Menschen trinken dann keinen Alkohol oder essen nichts Süßes. Wir aber wollen Tipps geben, wie man das Fasten auch auf andere Bereiche des Alltags ausdehnen kann“, sagt Svenja Winkler. Dabei wollen die beiden Frauen nicht dogmatisch sein – im Gegenteil: „Wir würden uns freuen, wenn viele Herforder mitmachen und für sich Möglichkeiten des freiwilligen Verzichts finden würden“, sagt Marina Görs.

Beeindruckt vom Engagement der Jugendlichen

Die beiden Herforderinnen haben sich erst vor knapp einem Jahr kennengelernt, bei den Demonstrationen „Fridays for Future“. „Was die Jugendlichen da auf die Beine gestellt haben, hat uns beeindruckt. Außerdem geht es um die Zukunft unserer Kinder“, sagt Svenja Winkler. Beide Frauen sind verheiratet und haben jeweils zwei kleine Kinder – und sind mittlerweile Freundinnen geworden. Spontan gründeten sie die Herforder Ortsgruppe „Parents for Future“, 300 gibt es bis heute bundesweit. In Herford sind in der WhatsApp-Gruppe 40 Mitglieder, auf Instagram und Facebook sind es fast 300 Follower.

Und über diese Kanäle läuft auch das Klimafasten, das am kommenden Aschermittwoch zu fünf großen Themen in Herford starten wird. Marina Görs: „In der ersten Woche steht das Thema CO 2 im Mittelpunkt. Wir haben viele Fakten zusammengetragen, selbst die Fotos dazu gemacht, Links gesetzt. Wir haben viel Arbeit und Herzblut investiert.“ In den sechs Wochen danach geht es um die Themen Ernährung, Konsum, Mobilität, Energie und Müll.

Auf Plastik verzichten

„Wir geben ganz konkrete Tipps, sowohl aus eigener Erfahrung, wie man sie im Alltag umsetzen kann, aber auch aus wissenschaftlichen Studien“, sagt Svenja Winkler. So würde es vielleicht ausreichen, nur einmal in der Woche Fleisch zu essen. Vegetarier könnten auch mal vegane Ernährung ausprobieren. Statt fette Vollmilch könne man Soja- oder Mandelmilch testen. „Vielleicht kommt mancher auf den Geschmack und bleibt sogar länger dabei“, so Marina Görs.

Veränderungen im persönlichen Umfeld seien ein guter Start, Treibhausgase zu reduzieren. Auf Plastik verzichten, weniger heizen, mit Licht sparen. Svenja Winkler: „Weniger Flugreisen, ja, das wäre gut. Aber öfter in der Woche mal aufs Rad steigen, wäre doch auch schon ein Anfang.“ Die beiden Frauen scheuen keine Mühe, auch ihren Kindern die Vorteile des Radelns zu vermitteln: Marina Görs hat für ihre jüngste Tochter Ella einen Kinder-Cruiser an ihr eigenes Rad geschraubt, Tochter Luisa geht in die zweite Klasse und strampelt selbst.

Svenja Winkler nimmt ihre zweijährige Janna hinterm Sattel in den Kindersitz und ihr Julius, auch Zweitklässler, fährt ebenfalls sein eigenes Kinderrad. „Alle müssen Helm tragen, wetterfest gekleidet sein. Aber sie haben Spaß, frische Luft und Bewegung“, sagen die beiden Mütter.

Treffen im Haus unter den Linden

Mit den Tipps und Infos auf den Kanälen ihrer „Parents-for-Future“-Gruppe hoffen die Frauen, viele Menschen zum Umdenken zu bewegen. Das Rad hätten sie nicht neu erfunden, aber mit dem Format und der Nutzung aller sozialen Medien wollen sie viele Herforder ansprechen. Und wer Interesse hat, der Gruppe beizutreten, ist jeden ersten Montag im Monat im Haus unter den Linden willkommen.

Dort treffen sich die Klimaschützer und bieten auch weitere Aktionen an. Svenja Winkler: „Vielleicht trägt das erste Klimafasten in Herford ja auch dazu bei, sich mit uns gemeinsam für die klimafreundliche Zukunft zu engagieren. Denn eins ist doch klar: Was für das Klima gesund ist, ist meist auch für den Menschen gesund.“

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