Prozess um Schüsse auf Herforder Bordell: Angeklagter aus Detmold spricht von Rache wegen Krätze-Vorwürfen
Freier (63) sieht sich als Opfer

Herford (WB). Waren die Schüsse auf die „Moonlight“-Bar die Tat eines eifersüchtigen Freiers? Oder wurden die Angriffe dem 63 Jahre alten Stammgast nur untergeschoben, nachdem er Strafanzeige stellte, weil er sich im Bordell angeblich mit Krätze angesteckt hatte? „Ich bin ein Opfer“, behauptete der Detmolder zu Prozessbeginn am Freitag. In einer Jutetasche hatte er Unterlagen mitgebracht, unter anderem seine Krankenberichte.

Samstag, 22.02.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 22.02.2020, 17:12 Uhr
Am 30. und 31. Dezember 2018 waren jeweils mehrere Schüsse auf das Bordell in Laar abgegeben worden. Foto: Moritz Winde
Am 30. und 31. Dezember 2018 waren jeweils mehrere Schüsse auf das Bordell in Laar abgegeben worden.

Die Staatsanwaltschaft sieht es anders : Weil eine Prostituierte seine Zuneigung nicht erwidert habe, soll der verheiratete Landwirt mit einem Schrotgewehr aufs „Moonlight“ geschossen haben. Am 30. und 31. Dezember 2018 gingen Fensterscheiben und Jalousien zu Bruch, Menschen kamen nicht zu Schaden. Am 10. März 2019 soll er in der Garage eines Hauses an der Holzhauser Straße in Bünde Feuer gelegt haben, offenbar um die rumänische Prostituierte und eine ihrer Kolleginnen, die dort gemeinsam wohnten, zu vertreiben. Das Haus hatte der Detmolder für seine beiden Söhne gekauft. Die heute 48 Jahre alte Rumänin war dort untergekommen, nachdem sie den Mann im Herbst 2018 im „Moonlight“ kennengelernt hatte.

Nachermittlungen

200 Euro und regelmäßiger Sex: So habe sie die Miete bezahlt, ließ sie eine Dolmetscherin übersetzen. Zuneigung sei nicht im Spiel gewesen. „Er hat uns eingesperrt und mehrfach mit einem langen Messer bedroht“, erklärte die Frau, die sich selbst als „Hostess“ bezeichnete. Sie habe immer wieder die Polizei gerufen, die gegen den Detmolder tatsächlich ein Rückkehrverbot aussprach – an das er sich offenbar aber nicht hielt. Bei einer dieser Drohsituationen habe er ihr gestanden, die Schüsse auf das Bordell in Laar abgegeben zu haben. „Er hat gesagt, wenn ich nicht gehorche, werde es mir ergehen wie dem Gewehr, mit dem er auf die Bar geschossen habe: Das habe er mit der Flex zersägt und ins Wasser geworfen.“ Von den Schüssen auf das „Moonlight“ habe sie erst am 2. Januar erfahren.

Ein Urteil sprach Amtsrichterin Alea Blöbaum noch nicht. Zunächst soll nachermittelt werden, ob der mutmaßliche Schütze doch wusste, dass sich hinter den Fenstern Menschen befanden. Dazu sollen weitere Prostituierte befragt werden. Letztlich könnte es wieder auf ein versuchtes Tötungsdelikt hinauslaufen – und das Bielefelder Landgericht wäre zuständig. Dieses hatte die Anklage wegen eines Kapitalverbrechens allerdings anfangs nicht zugelassen und den Fall an das Herforder Amtsgericht verwiesen. Der Vorwurf lautete nur noch versuchte gefährliche Körperverletzung.

„Dünne Beweislage“

„Die Nachermittlungen halte ich für befremdlich. Das Landgericht hat sich doch schon einmal damit befasst“, sagte Verteidiger Martin Rother. Zudem sei die Beweislage äußerst dünn. Die Anzeige seines Mandanten wegen der Krätzeansteckung habe übrigens keine juristischen Konsequenzen gehabt.

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