Vor 75 Jahren wurden große Teil der Stadt zerstört – Nazis forderten weiterhin „Glaube an den Sieg“
Tausende Brandbomben fielen auf Herford

Herford (WB/bex). Es war der verheerendste Bombenangriff in der Geschichte Herfords: Heute vor 75 Jahren zerstörten tausende Brandbomben große Teile der Innenstadt. So makaber es klingt, für die Herforder waren die Angriffe britischer und amerikanischer Bomber nichts Außergewöhnliches.

Dienstag, 03.03.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2020, 14:12 Uhr
Blick auf Ruinen: Mehr als 300 Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg in Herford total zerstört Foto: Kommunalarchiv Herford
Blick auf Ruinen: Mehr als 300 Häuser wurden im Zweiten Weltkrieg in Herford total zerstört Foto: Kommunalarchiv Herford

Allein im März 1945 gab es 71 Mal Bombenalarm in der Stadt, allerdings fielen nicht jedes Mal Sprengkörper vom Himmel.

Chronist erinnert sich

Die Menschen bekamen nur wenig Schlaf, „die Nerven waren so aufgepeitscht, daß sie oft ihren Dienst versagten“, schreibt der damalige Museumsleiter Gustav Schierholz in seiner Stadtchronik. Besonders betroffen waren Elverdisser und Ahmser Straße, Rennstraße, Gehrenberg, Deichtorwall und Clarenstraße. Auch das Friedrichs-Gymnasium, damals noch an der Brüderstraße, und das städtische Museum wurden schwer beschädigt.

Schierholz schreibt: „Um 11.15 Uhr fielen die Bomben. Das ganze Haus erzitterte und erbebte. Zum ersten Mal wandten die feindlichen Flieger eine neue Methode an, sie warfen tausende von Brandbomben. Im Luftschutzkeller konnte man das Prasseln hören. Als die Flugzeuge die Stadt überflogen hatten, verließ ich den Luftschutzkeller, um Ausschau zu halten.

Die ganze Stadt lag unter einem dichten Qualm... Zufällig befanden sich viele Soldaten in der Kantstraße, die mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt waren. Sie verteilten sich schnell und halfen beim Löschen.“

914 Mal Fliegeralarm in Herford

Am Nachmittag nach der Entwarnung ging Schierholz in die Innenstadt. „Dort bot sich ein entsetzliches Bild. Zwischen Ahmser Straße und Elverdisser Straße am Eisenbahneinschnitt war ein Haus völlig ausgebrannt. Die Häuser an der Wegegabelung der Ahmser Straße und Elverdisser Straße und am Renntor standen in Flammen. Der Gehrenberg war unpassierbar, alle Häuser brannten.“

Am Ende des Monats heißt es in der Chronik: „Die Menschen sind fast teilnahmslos und stumpf gegenüber der Bombengefahr geworden, man sieht täglich, wie vergänglich das menschliche Leben und Hab und Gut sind.“

Trümmer versperrten Straßen, Gas, Wasser, elektrisches Licht versagten fast überall. Trotzdem werde die Bevölkerung noch zum Aushalten aufgerufen. Die Nazis verlangen weiter den „Glauben an den Sieg“. Eine neue Waffe solle kommen, „aber sie kam nicht“. Wie sich später herausgestellt habe, sei dies nur als Gerücht gestreut worden, um der Bevölkerung den Siegeswillen nicht zu nehmen. „Die Geschichte wird ihr Urteil über diese Maßnahme fällen“, bilanziert Schierholz.

In den Kriegsjahren wurde 914 Mal Fliegeralarm für Herford ausgelöst. Bei mehreren Bombenangriffen kamen insgesamt 137 Menschen zu Tode, 320 Gebäude wurden total zerstört, 160 schwer.

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