Wahlkampf: CDU in Herford setzt Polizistin Anke Theisen auf Tim Kähler an
Kommissarin jagt den Bürgermeister

Herford (WB). Die Bürgermeisterkandidatin der Herforder CDU setzt in jeder Hinsicht einen Kontrapunkt zum Amtsinhaber Tim Kähler. Anke Theisen (50) ist eine Frau, sie ist in der Union, sie lehnt die eigene Karriere fördernde Prestigeprojekte ab und ist aus tiefster Überzeugung gegen das OWL-Forum.

Donnerstag, 05.03.2020, 10:38 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 11:00 Uhr
Bitte lächeln. Anke Theisen will in diesem Jahr Bürgermeisterin von Herford werden, ihr Schulfreund und CDU-Stadtverbandsvorsitzender Klaus Oehler (links) wird sie dabei unterstützen. Der Stadtverband stimmt darüber am 12. März ab. Foto: Moritz Winde
Bitte lächeln. Anke Theisen will in diesem Jahr Bürgermeisterin von Herford werden, ihr Schulfreund und CDU-Stadtverbandsvorsitzender Klaus Oehler (links) wird sie dabei unterstützen. Der Stadtverband stimmt darüber am 12. März ab. Foto: Moritz Winde

CDU-Stadtverbandsvorsitzender Klaus Oehler kennt Anke Theisen aus Elverdisser Grundschultagen. Über Politik im Großen wie im Kleinen sprachen die beiden schon allein weil Theisens ältester Sohn Jonas Spies der Jungen Union angehört. Der Junge trägt einen anderen Familiennamen weil Anke Theisen geschieden ist. Die Erfahrungen, die sie als allein erziehende Mutter zweier Söhne in Herford sammelte, gehören zu den Gründen, warum Oehler sie für eine ausgezeichnete Bürgermeisterkandidatin hält.

„In jenen Jahren war ich vielleicht zweimal im Marta, hatte aber täglich Kontakt zum Kindergarten, zur Grund- und zur weiterführenden Schule meiner Kinder“, sagt Theisen. Wie es in diesen Bildungseinrichtungen aussehe, präge den Alltag der Herforder weitaus stärker als der gelegentliche Besuch irgendwelcher Leuchttürme in der Stadt.

Opferschutz

Als Opferschutzbeauftragte der Kreispolizeibehörde war sie von 2014 bis 2017 erste Ansprechpartnerin der Familie des ermordeten Dano. Wer die Stadt aus dem Blickwinkel einer so stark leidenden Familie kennenlernt, setzt andere Schwerpunkte im Alltag: „Herford braucht wirklich kein weiteres Großprojekt. Wir sind mit unseren Kultur- und Sporteinrichtungen schon heute hervorragend aufgestellt. Herford muss seine vielen, vielen kleineren Baustellen in Ordnung bringen.“

Dazu zählt Theisen den Sanierungs- und Ausbaubedarf in Schulen und Kindergärten. Sie zählt aber auch die innere Sicherheit dazu, denn aus ihrem Berufsalltag habe sie erfahren, dass sich vor allem ältere Frauen hier noch lange nicht sicher fühlten, Statistiken hin oder her. Es sei auszuloten, an welchen Plätzen eine Videoüberwachung geboten und erlaubt sei.

Schützenhof erhalten

Schützenhalle und Theater seien beides erhaltenswerte Gebäude, die auf künftige Anforderungen hin umzubauen und in Schuss zu setzen seien : „Was auch immer das kosten wird – es werden keine 100 Millionen Euro sein. Und Zuschüsse wird es für die separaten Investitionsprojekte ebenfalls geben.“

Mit wenig Geld und ohne große öffentliche Unterstützung die eigenen Kinder und sich selbst über die Runden bringen – Theisen teilt diese Erfahrung mit vielen anderen Herforder Bürgerinnen und Familien. I n puncto Haushaltsführung stimmt sie darum bis auf den Cent mit CDU-Ratsfraktionsvorsitzendem Wolfgang Rußkamp überein : „Erst Schulden bezahlen und Defizit abbauen, dann neue Investitionsprojekte angehen.“ Und keinesfalls Bauvorhaben mit hohen Folgekosten riskieren.

Durchsetzungsvermögen

Doch ist die Kriminalkommissarin und Diplom-Verwaltungswirtin auch in der Lage, eine Stadtverwaltung samt Tochterunternehmen mit annähernd 1000 Mitarbeitern zu führen? Stadtverbandsvorsitzender Klaus Oehler verweist auf den Lebenslauf. In ihren Jahren beim Bundeskriminalamt war Theisen unter anderem im Personenschutz eingesetzt. Zum Ende hin wurde ihr die stellvertretende Führung der Eliteeinheit anvertraut. Oehler: „Das ist eine reine Männerwelt, in der eine Frau hohes Durchsetzungsvermögen braucht.“ Seit September 2018 leitet Theisen die Führungsstelle bei der Direktion Verkehr der Kreispolizei, sie ist dort Vorgesetzte von sieben Mitarbeitern.

In ihren ersten Wochen als neue Bürgermeisterin würde sie vor allem viele Gespräche innerhalb der Stadtverwaltung führen, um jene kleine Baustellen zu erkunden, die heute noch niemand kennt. Und falls während einer wichtigen Beratung ein Großbrand ausbrechen sollte, würde Theisen erst Feuerwehr und Rettungskräfte ihre Arbeit erledigen lassen, bevor sie irgendwelche Statements abgibt: „Die Leute können ihre Jobs und sind froh über jeden, der sie in Ruhe arbeiten lässt. Ich vertraue ihnen.“

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