So., 29.03.2020

Corona-Krise sorgt für neue Stallregeln – Reitturnier bei „von Lützow“ fällt aus Nur noch Kurzbesuch beim Pferd

Hygiene mit Händewaschen und Desinfizieren auch von Toilette und Türgriffen gehört im Reitstall wie überall anders dazu.

Hygiene mit Händewaschen und Desinfizieren auch von Toilette und Türgriffen gehört im Reitstall wie überall anders dazu. Foto: Kathrin Weege

Von Kathrin Weege

Herford (WB).Längst sind wegen der Corona-Krise Freizeiteinrichtungen geschlossen – kein Schwimmen mehr im H 2O, kein Kicken oder Handball. Im Reitstall aber läuft der Betrieb weiter. Er muss. Schließlich müssen die Pferde versorgt und auch bewegt werden. So sieht es das Tierschutzgesetz vor. Im Stall ist die Welt also noch in Ordnung, alles wie immer? Nein.

80 Boxen hat Christoph Meyer zu Hartum auf seinem Hof an der Bielefelder Straße in Herford. „Wir sind ein kunden- und gastfreudlicher Betrieb, nun aber müssen wir unseren Einstallern deutlich machen, dass sie ihre Zeit hier begrenzen und auf das Nötigste reduzieren sollen. Das ist nicht einfach – gerade in einer Zeit, in der alles andere wegfällt”, meint Meyer zu Hartum. Dennoch sei der Schritt sehr wichtig. Nicht auszudenken, wenn sich einer aus der Familie oder von den Mitarbeitern anstecken würde. „Das wäre eine Katastrophe”, sagt der 46-Jährige. Zudem lebten seine Eltern mit auf dem Hof – auch an die denke er dabei.

Keine externen Reiter

Für gewöhnlich kommen externe Reiter mit ihren Sportpferden auf die Anlage, auswärtige Trainer fahren zu den heimischen Einstellern. „Seit der Corona-Krise lassen wir aber keinen mehr auf den Hof“, so Meyer zu Hartum. Auch Physiotherapeuten für das Pferd oder der Sattler dürften im Moment nicht kommen. „Der Tierarzt im Notall natürlich schon“, sagt der Stallchef.

Wie überall ist Hygiene das oberste Gebot: Hände waschen, Hände desinfizieren. „Wir haben eine Toilette nur für unsere Mitarbeiter, eine für die Einstaller. Desinfektionsmittel steht immer bereit”, erklärt Christoph Meyer zu Hartum. Für die Nutzung gemeinsamer Geräte wie Forke, Besen oder Schubkarre empfehle sich das Tragen von Handschuhen.

Reitturnier fällt aus

„Ich achte darauf, dass nicht zu viele gleichzeitig auf der Anlage, in der Halle oder auf den Stallgassen sind. Zusammensitzen ist derzeit nicht gestattet“, betont er.. Im Moment verteilen sich die Stallbesuche gut über den Tag. Morgens nutzen vor allem die drei Profis zum Training ihrer Pferde die Reitanlage, die anderen Besitzer kommen nach und nach. Es werde zwar empfohlen, im Zwei-Schicht-Rhythmus zu arbeiten. „Das geht bei uns aber gar nicht“, so der Stallbesitzer.

Das Reitturnier – die Lützower Pferdesporttage – das vom 29. Mai bis 1. Juni stattfinden sollte, ist gestrichen. Es wäre eine ganz besondere Veranstaltung geworden, denn der Reit- und Fahrverein von Lützow Herford wird 100 Jahre alt. „Das ist schon schade und auch ein finanzieller Verlust. Viele Reiter hatten sich darauf zum Saisonstart gefreut. Wenn es aber damit getan wäre, dass wir einfach ein paar Turniere ausfallen lassen, könnten wir schon ziemlich froh sein”, meint Meyer zu Hartum angesichts der angespannten Lage.

Das ist im Stall zu beachten

Das Deutsche Tierschutzgesetz schreibt vor, dass jedes Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernährt, gepflegt und verhaltensgerecht untergebracht werden muss. Zudem darf die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so eingeschränkt werden, dass dem Tier dadurch Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden.

Die Deutsche Reiterliche Vereinigung (FN) hat einen Maßnahmenkatalog zur Corona-Krise für Vereine und Betriebe erstellt, um gleichzeitig die Gesundheit der Menschen und der Tiere sicherzustellen.

Unter anderem gilt Folgendes: Der Aufenthalt im Stall sollte sich auf das Minimum beschränken; Abstand zu anderen halten; Hygiene einhalten; durchgängig Handschuhe tragen; Urlaubsrückkehrer sollten für 14 Tage in Quarantäne bleiben; pro Tag sollte nur eine Person pro Pferd auf die Anlage; in einer 20 mal 40 Meter großen Reithalle sollten sich maximal vier Personen aufhalten; bei jeglichen Krankheitssymptomen darf der Betrieb nicht mehr betreten werden.

 

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