Fr., 03.04.2020

Wie Klinikum Herford und Mathilden-Hospital auf Coronavirus-Fälle in der Belegschaft reagieren 25 Krankenhaus-Mitarbeiter infiziert

Schutzkleidung und wo immer möglich Abstand halten – auch zu den Kollegen – sind die besten Wege, um eine Ansteckung mit Covid 19 zu vermeiden.

Schutzkleidung und wo immer möglich Abstand halten – auch zu den Kollegen – sind die besten Wege, um eine Ansteckung mit Covid 19 zu vermeiden. Foto: dpa

Von Peter Monke

Herford (WB). Von Corona-Infektionen in der Belegschaft sind mittlerweile beide Krankenhäuser in Herford betroffen. Auf Nachfrage bestätigt das Klinikum Herford 17 Fälle, beim Mathilden-Hospital sind es acht. Sorgen müssen sich Patienten aber nicht machen: Die Akutversorgung ist nicht gefährdet und in keinem der beiden Häuser hat sich bislang ein Patient mit Covid 19 angesteckt.

Relativ frisch sind die acht Fälle am Mathilden-Hospital: „Wir wissen seit Mittwoch davon“, sagt Geschäftsführer Georg Rüter. Der Patient Null sei ermittelt. Da alle acht Fälle zur gleichen Station gehören würden, gehe man derzeit davon aus, dass dieser die anderen Mitarbeiter angesteckt habe.

„Natürlich sind alle Mitarbeiter und Patienten der Station getestet worden. Kein Patient hat sich angesteckt“, sagt Rüter. Die infizierten Mitarbeiter seien bereits in Quarantäne. Für die betroffene Station gelten verschärfte Regeln: So dürften unter anderem Mitarbeiter die Station während der Schicht nicht verlassen und auch nicht in die Kantine gehen. Das Essen der Patienten werde in einem Wagen in die Station geschoben und müsse dann von den Mitarbeitern verteilt werden.

Strikt in der Nachverfolgung

Im Umgang mit Patienten hätten die Mitarbeiter der Mathilde bereits vor dem aktuellen Fall eine Schutzmaske tragen müssen. „Trotzdem wäre es vermessen, zu sagen, dass wir bis jetzt alles richtig gemacht haben“, stellt Rüter klar.

Vor allem wenn es darum ginge, dass die Mitarbeiter untereinander genügend Abstand halten, gebe es sicher Verbesserungspotenzial. Auch wenn es im Alltag immer wieder von Situationen geprägt sei, in denen sich Nähe nicht vermeiden lasse, „wenn zum Beispiel ein Patient zu zweit aus dem Bett gehoben werden muss“.

Die ersten Fälle im Klinikum Herford liegen bereits länger zurück. „Die erste Häufung gab es unter den Krankenpflegeschülern vor etwa zweieinhalb Wochen“, sagt Vorstandssprecher Peter Hutmacher. Da sich die meisten seinerzeit in einer Prüfungssituation befunden hätten, habe es glücklicherweise keinen Patientenkontakt gegeben. Die ersten dieser Infizierten würden in Kürze aus der Quarantäne zurück erwartet.

Auch bei allen weiteren Fällen sei man „sehr strikt in der Nachverfolgung“ gewesen. Betroffene Mitarbeiter hätten das Virus zumeist aus dem Urlaub mitgebracht. Dass sich Mitarbeiter bei einem Corona-Patienten angesteckt hätten – das Klinikum nimmt bislang alle stationären Fälle aus dem Kreis Herford in seiner Isolierstation auf – könne ausgeschlossen werden, sagt Hutmacher.

Buffet für die Isolierstation

Da die Krankheit nach bisherigen Erkenntnissen vor allem durch Tröpfcheninfektion übertragen werde, lege man im Klinikum hohen Wert darauf, möglichst viel Abstand zueinander zu wahren. „Das spielt sich immer besser ein“, sagt Hutmacher.

Generell sei die Corona-Situation im Kreis Herford noch als moderat einzuschätzen. Am Donnerstag befanden sich neun Covid 19-Patienten in stationärer Behandlung, einer von ihnen musste intensivmedizinisch versorgt werden. „Bislang hatten wir 17 stationäre Fälle, von denen bedauerlicherweise ein Patient gestorben sei, sieben aber mittlerweile auch wieder nach Hause geschickt werden konnten“, berichtet Hutmacher.

Da der sonstige stationäre Betrieb im Klinikum derzeit auf etwa 40 Prozent heruntergefahren sei, nutze man die freien Kapazitäten, um mehr Mitarbeiter für die intensivmedizinische Versorgung zu schulen. Der Zusammenhalt im Haus sei derzeit besonders groß. „Unsere Mitarbeiter ziehen super mit, um die Situation gemeinsam zu meistern“, lobt Hutmacher.

Hilfreich dabei sei auch die enorme Unterstützung, die das Klinikum derzeit von außen erfahre: „Ein Restaurant hat zum Beispiel ein Buffet für die Isolierstation gespendet. Bürger rufen an und fragen, ob wir noch Desinfektionsmittel benötigen. Uns erreichen zahlreiche Mails mit Danksagungen. Das kommt alles bei den Mitarbeitern an und gibt ganz viel Kraft“, bedankt sich Hutmacher.

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