Bürgermeister Kähler: „Die Regeln des Landes sind eindeutig“
Kein Ständchen am Altenheim: Viele Bürger sind empört

Herford (WB). „Stadt Herford untersagt Ständchen“: Für reichlich Resonanz hat ein HK-Artikel gesorgt, in dem es ums Musizieren vor einem Altenheim geht. Fünf Musiker hatten vor dem Heinrich-Windhorst-Haus ein Mini-Konzert (weniger als vier Minuten) gegeben. Obwohl die Akteure getrennt angereist waren und den Sicherheitsabstand eingehalten haben, sollen derartige Auftritte vorerst nicht mehr stattfinden dürfen.

Montag, 13.04.2020, 20:00 Uhr aktualisiert: 13.04.2020, 22:32 Uhr
Mini-Konzert vor dem Heinrich-Windhorst-Haus: Die Reaktion der Stadt, wonach es derartige Auftritte wegen des Versammlungsverbots vorerst nicht mehr geben soll, sorgt im Netz für Aufregung. Viele Kommentatoren sind regelrecht empört. Foto: Daniela Dembert
Mini-Konzert vor dem Heinrich-Windhorst-Haus: Die Reaktion der Stadt, wonach es derartige Auftritte wegen des Versammlungsverbots vorerst nicht mehr geben soll, sorgt im Netz für Aufregung. Viele Kommentatoren sind regelrecht empört. Foto: Daniela Dembert

Bürgermeister versteht Empörung

Initiator des Ständchens war der frühere NWD-Posaunist Manfred Dunst, der von vier NWD-Musikern begleitet wurde. Viele Leser haben den Beitrag im Netz kommentiert, die große Mehrheit ist mehr oder weniger empört über das Verbot.

Bürgermeister Tim Kähler (SPD), auch Vorsitzender des NWD-Trägervereins, zeigt durchaus Verständnis für die Empörung, stellt aber klar: „Ich kann verstehen, dass die Entscheidung hartherzig wirkt. Leider sind die Regeln des Landes sehr eindeutig. Wenn mehr als zwei Personen dabei sind, ist es als Veranstaltung zu werten. Veranstaltungen sind untersagt. Egal, ob für einen sicherlich guten Zweck oder aus kommerziellen Gründen.“

Verbot gilt auch für Kirchen

Für Irritationen hatte das Fünf-Personen-Ständchen bei Vertretern der Kirche gesorgt. Denn auch für den kirchlichen Bereich gilt das Versammlungsverbot. Mit dem Kirchenkreis sei abgesprochen, dass zum Beispiel die Posaunenchöre zu Hause bleiben und keine Musikveranstaltungen vor Einrichtungen zu Ostern durchführen, schreibt Kähler – und fügt hinzu: „Manchmal muss ein Bürgermeister leider auch unpopuläre Entscheidungen treffen.“

Musikproduzent Schmilgun ist „fassungslos“

Auch die „Freunde der NWD” äußern sich zu dem Kurzauftritt vor dem Altenheim – wobei zu betonen ist, dass die Musiker nicht im Auftrag des Orchesters gespielt haben: „Wenn die Aktion durch die momentan geltenden Verordnungen nicht zulässig war, dann hat die Stadt Herford richtig gehandelt – egal, wie gut die Absicht dahinter war.“

Und doch hagelt es viel Kritik. So schreibt der Herforder Musikproduzent Burkhard Schmilgun: „Fassungslos las ich diesen Artikel. Gesetztestreue und -durchsetzung ohne Augenmaß und Verhältnismäßigkeit. Vor solchen Politikern kann man nur Angst bekommen!“

„Herzlos reagiert“

Immer wieder wird auf das Vorbildliche der Aktion hingewiesen – zumal der Sicherheitsabstand eingehalten worden sei. Stellvertretend für viele Kommentare seien hier zwei Stimmen zitiert: „Wenn die Musiker ihren Abstand wahren, dann frage ich mich, warum man den ‚internierten‘ Senioren nicht ein wenig Freude bereiten kann.“

En anderer Kritiker schreibt: „Dieses Mini-Konzert war für Menschen gedacht, die unser Land wieder aufgebaut haben und nun weggesperrt werden und jetzt depressiv vor sich hinleben. Nur wer keine Angehörigen hat, kann so herzlos reagieren.“

Kommentare

Axel Hüllhorst  schrieb: 14.04.2020 12:29
Bürgermeister untersagt Ständchen
Lieber Herr Kähler,

die nächste Kommunalwahl findet am 13. September 2020 statt.
Ulrike Wittland  schrieb: 13.04.2020 21:10
Soziales Entscheiden!?
Die Verordnung zum Schutz vor Neuinfizierungen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 (CoronaSchVO) verbietet zwar bei flüchtigem Lesen alle Veranstaltungen und Versammlungen, enthält aber im § 11 die Aussage "Ausgenommen sind Veranstaltungen, die der Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung oder der Daseinsfür- und -vorsorge (insbesondere Blutspendetermine) zu dienen bestimmt sind.“ Zur Ausgestaltung der Daseinsfürsorge würde ich einen Blick auf Maslows Bedürfnispyramide empfehlen. Die untersagte Veranstaltung ordne ich der Kategorie „soziale Bedürfnisse“ zu. Fürsorge für die Gruppe Bewohner von Alteneinrichtungen kann bei wohlwollender Betrachtung so auch das Ständchen zulässig machen, insbesondere dann, wenn fast alle anderen Möglichkeiten der Befriedigung sozialer Bedürfnisse durch die momentane Situation ausgeschlossen bzw. eingeschränkt sind.
2 Kommentare
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