Ob in Elverdissen oder in Stedefreund – es gibt Streit um Versiegelung
Flächenfraß oder notwendige Entwicklung

Herford (WB). Wo heute noch Äcker und Wiesen stehen, sich Grünbereiche befinden, sollen Wohnhäuser gebaut werden und Gewerbeflächen entstehen. Eine der Zukunftsfragen der Stadt Herford, die derzeit durch die Corona-Krise in den Hintergrund gedrängt worden ist, lautet: Wie soll sich die Stadt Herford entwickeln?

Mittwoch, 15.04.2020, 12:00 Uhr aktualisiert: 15.04.2020, 14:34 Uhr
Die Stadt möchte jenseits der Elverdisser Straße Gewerbeflächen ausweisen. Die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern seien zum Teil schwierig, sagt Wirtschaftsförderer Wulfmeyer. Foto:
Die Stadt möchte jenseits der Elverdisser Straße Gewerbeflächen ausweisen. Die Verhandlungen mit den Grundstückseigentümern seien zum Teil schwierig, sagt Wirtschaftsförderer Wulfmeyer.

Längst gibt es Anwohnerproteste gegen ein geplantes Baugebiet in Stedefreund, gibt es Beschwerden über ein geplantes interkommunales Gewerbegebiet in Elverdissen. Die Extrempositionen auf beiden Seiten lauten: „Ihr verschandelt uns die Landschaft, verursacht Verkehrsprobleme, zerstört schützenswerte Natur, obwohl ihr den Klimanotstand ausgerufen habt.“

Es gibt Extrempositionen

Die Gegenposition: „Wir dürfen Herford nicht unter eine Käseglocken stellen, dürfen nicht zur Schlafstadt von Bielefeld werden und dürfen dem Sankt-Florians-Prinzip nicht nachgeben, das da lautet, Stadtentwicklung gerne, nur nicht in Stedefreund, Elverdissen, Herringhausen, Eickum oder einem der anderen Herforder Ortsteile.“

In dieser Gemengelage suchen Stadtverwaltung und Ratspolitiker das Gespräch mit Bürgerinitiativen und Gegnern von Flächenversiegelung. Diese wiederum fühlen sich teilweise nicht ernst genommen oder missverstanden. Der Verbrauch von Grünflächen ist nicht nur in Herford ein Thema. Andere Städte, wie die Universitätsstädte Bielefeld und Paderborn, oder die wirtschaftliche Boomregion rund um Gütersloh wachsen rasanter als Herford.

Nachfrage an Bauplätzen übersteigt Angebot

Dennoch übersteigt auch hier die Nachfrage nach Bauplätzen das Angebot. Das HERFORDER KREISBLATT nimmt die Debatte, die trotz Corona-Krise geführt werden muss, zum Anlass, um in den kommenden Wochen in einer Serie mit Experten, Anwohnern, Politikern, Mitarbeitern der Bauverwaltung und Bauträgern zu sprechen.

Ein Thema, das aufgrund der Corona-Krise ein bisschen untergegangen ist, sind die geplanten Gewerbeflächen im Ortsteil Elverdissen. Wirtschaftsförderer Dieter Wulfmeyer hat im Februar die Mitglieder des Haupt- und Finanzausschusses über das interkommunale Gewerbegebiet Herford, Bad Salzuflen und Bielefeld informiert.

Probleme bei Ausweisung von Gewerbeflächen

Seit 2001 gibt es die „Interkommunales Gewerbegebiet Ostwestfalen-Lippe GmbH“ – kurz: Interkomm. Gesellschafter sind zu 10 Prozent die Stadt Bad Salzuflen und zu je 45 Prozent die Städte Herford und Bielefeld. Ziel ist seit der ersten Stunde die Entwicklung eines interkommunalen Gewerbe- und Industriegebietes zur Stärkung der Wirtschaft und zur Schaffung zusätzlicher Arbeitsplätze.

Direkt an der Autobahn 2 und der Ostwestfalenstraße gelegen, konnte der erste Bauabschnitt im Bereich der Röntgenstraße schnell entwickelt werden. 16 Hektar sind dort bebaut worden. Das lief in den Jahren 2006 bis 2010 noch relativ geräuschlos. Doch schon bei der Entwicklung des zweiten Bauabschnitts auf Salzufler Gebiet ist das Bebauungsplanverfahren beklagt worden. Der B-Plan hat keine Rechtskraft erlangt. Bereits vor der Corona-Krise gingen die Planer davon aus, dass nicht vor 2021 mit einem Satzungsbeschluss zu rechnen sei.

Derzeit sind laut Wirtschaftsförderer Dieter Wulfmeyer nur Flächen auf Herforder Gebiet im Bereich „Auf der Helle Süd“ sowie eine Bielefelder Fläche im Bereich „Hellfeld“ vermarktbar. „Deshalb ist es zwingend erforderlich, weiter Flächen für eine gewerbliche Entwicklung zu erhalten und zu erschließen“, so Wulfmeyer.

„Preisvorstellungen nicht marktgerecht“

Auf Herforder Stadtgebiet gibt es laut geltender Regionalplanung noch Flächen im Bereich „Auf der Helle Süd“, nördlich der Straße Auf der Helle sowie westlich der Elverdisser Straße. Doch die Flächen befinden sich weitgehend nicht im Eigentum der Interkomm. Und die Verhandlungen gestalten sich zum Teil schwierig, wie Wulfmeyer betont. Einige Eigentümer lehnen einen Verkauf rundweg ab, andere hätten Preisvorstellungen, „die nicht marktgerecht sind“.

Doch noch bevor die Interkomm überhaupt Eigentümerin der Flächen ist, gab es bereits die ersten Leserbriefe aus Elverdissen, die vor einer weiteren Versiegelung der Landschaft warnen. Je konkreter die Planungen für den Ausbau des Gewerbegebiets werden, um so größer wird wohl auch der Widerstand. Noch haben die Naturschutzverbände jedenfalls nicht auf die Planung reagiert.

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