Öffnungsregeln stoßen auf großes Unverständnis
Modebranche fühlt sich massiv benachteiligt

Herford (WB). Wann immer es Ausnahmen von der Regel gibt, wird es auch Stimmen geben, die die Ausnahmen hinterfragen, getreu dem Motto: Warum dürfen die das und wir nicht? So verhält es sich auch mit dem NRW-Sonderweg, dass Einrichtungshäuser in der kommenden Woche wieder öffnen dürfen. Vor diesem Hintergrund fragen zwei Herforder Modehersteller, weshalb ihre Outlet-Geschäfte geschlossen bleiben müssen? Auch das Modehaus Klingenthal ist betroffen.

Samstag, 18.04.2020, 08:00 Uhr
Thomas Becker leitet das Ahlers-Outlet in Elverdissen. Er möchte endlich wieder Kunden begrüßen dürfen. Foto: Moritz Winde
Thomas Becker leitet das Ahlers-Outlet in Elverdissen. Er möchte endlich wieder Kunden begrüßen dürfen. Foto: Moritz Winde

In Herford gibt es mit Ahlers, Brax und Bugatti gleich drei Fabrikverkäufe, wobei letzteres unter der Maximalgröße von 800 Quadratmetern liegt und demnach öffnen darf. Sie alle befinden sich außerhalb der Innenstadt. Das ist in Corona-Zeiten wichtig, denn auch bei den Einrichtungshäusern wurde argumentiert, dass sie sich meistens nicht in den Innenstädten befänden und somit diese Sonderregel auch nicht dazu führen würde, dass sich die Fußgängerzonen wieder zu schnell zu sehr füllen.

Sonderregelung für die Einrichtungshäuser

Aber noch ein weiterer Punkt ist Dr. Stella Ahlers, Vorstandsvorsitzende der Ahlers AG, wichtig. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet begründete die Sonderregelung für die Einrichtungshäuser mit wirtschaftlichen Interessen. Schließlich würden in NRW in der Möbelbranche 35.000 Männer und Frauen arbeiten. Ebenfalls viele Arbeitsplätze hingen jedoch auch an der Bekleidungsindustrie, betont Stella Ahlers. „Ich finde, wenn es Spielregeln gibt, dann sollten diese für alle gleich sein.“

Herfords Modehersteller Brax und Ahlers haben sich an Bürgermeister Tim Kähler gewandt. In einem Schreiben an den NRW Arbeitsminister Karl Josef Laumann Minister fordern nun alle neun Bürgermeister und der Landrat des Kreises mehr Gerechtigkeit für den Handel. Auch die heimischen Landtagsabgeordneten sollen das Thema bereits auf ihrer Agenda haben.

„Schlag ins Gesicht“

Brax-Marketingchef Marc Freyberg sagt, die Regelung sei nur schwer verständlich, spricht von Wettbewerbsverzerrung. „Für uns ist das ein Schlag ins Gesicht. Hier wird mit zweierlei Maß gemessen. Natürlich ist es für die Politik nicht einfach, Maß und Mitte zu finden. Das aber ist eine einseitige wirtschaftsfördernde Maßnahme. Es darf doch kein eigenes Lex Möbel geben.“ Das Geschäft des Bekleidungsspezialisten ist seit der Corona-Krise eingebrochen. Nur über die Brax-E-shops wird seitdem noch verkauft. „Der Online-Handel ist unser genereller Wachstumsmotor, macht bei uns allerdings lediglich zehn Prozent des Gesamtumsatzes aus.“

Über der 800-Quadratmeter-Grenze liegt auch Klingenthal. Das heißt: Das Modehaus muss geschlossen bleiben, während von Montag an rechts und links nebenan die Kassen klingeln. Geschäftsleiter Ekrem Keskin sagt, er sei tief enttäuscht, könne die Entscheidung nicht nachvollziehen. „Auf diese Weise wird einem Traditionsunternehmen der Dolchstoß versetzt. Es ist völlig unklar, ob wir überleben werden.“ Vor einem Monat habe er seine 100 Mitarbeiter unter Tränen in Kurzarbeit geschickt.

Fest mit Eröffnung gerechnet

Keskin hatte fest damit gerechnet, am Montag wieder öffnen zu dürfen – und Vorkehrungen getroffen: „Wir haben Spuckwände an den Kassen, Hygienestände mit Desinfektionsmittel, Masken und Handschuhen an den Eingängen und hätten auf die Einhaltung der Abstandsregeln geachtet.“ Auch eine Teilöffnung sei möglich. Es verstehe doch kein Mensch, dass Buchhandlungen, Autohäuser und Möbelhäuser – egal welcher Größe – öffnen dürften, Modehäuser aber nicht. „Es kann doch niemand Herford ohne Klingenthal wollen.“

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