FGHler fordern Wahlfreiheit: Prüfungen oder Durchschnittsabi
Schüler protestieren am Rathaus

Herford (HK). „Infektion auf die Prüfung verschoben“ – „Unsere Wahl: das Leben meiner Mutter oder das Abi“: Mit drastischen Sprüchen auf Plakaten haben Thekla Koranashvili und Colin Wilke aus der Q2 des Friedrichs-Gymnasiums Herford vor dem Rathaus „demonstriert“. Sie fordern, dass Schüler im Mai nicht verbindlich an den Abiprüfungen teilnehmen müssen, sondern sich entscheiden können, ob sie dies tun oder ein Durchschnittsabitur ohne erneute Prüfungen bekommen.

Freitag, 17.04.2020, 21:00 Uhr aktualisiert: 18.04.2020, 09:00 Uhr
Thekla Koranashvili (18) und Colin Wilke (19) protestieren gegen verpflichtende Abi-Prüfungen im Mai. Die Schüler des FGH haben sich zu siebt (die Kissen mit Abi-Shirts symbolisieren die Mitschüler) so hingesetzt, wie es für die Prüfungen vorgesehen ist. Foto:
Thekla Koranashvili (18) und Colin Wilke (19) protestieren gegen verpflichtende Abi-Prüfungen im Mai. Die Schüler des FGH haben sich zu siebt (die Kissen mit Abi-Shirts symbolisieren die Mitschüler) so hingesetzt, wie es für die Prüfungen vorgesehen ist.

Demonstrieren in Zeiten von Corona? Das geht natürlich nicht. Aber die beiden Gymnasiasten haben einen Weg gefunden, um ihr Anliegen dennoch Publik zu machen und für ihre Online-Petition zu werben. „Wir haben einen Antrag auf eine Eilversammlung gestellt und bei der Polizei angemeldet. Eigentlich wollten wir zeigen, wie die Schüler zu siebt in den Abiprüfungen sitzen. So viele durften aber nicht auf dem Rathausplatz zusammenkommen“, erzählt Initiatorin Thekla Koranashvili.

Sie wundert sich, dass bei der Abiturprüfung im geschlossenen Raum erlaubt sein soll, was bei der Protestaktion nicht gestattet ist: Schüler, die in einem gewissen Abstand zueinander vor ihren Aufgaben sitzen. Da der Protest aber zu zweit gestattet war, haben sich die beiden FGHler kurzerhand mit Tisch und Stuhl am Rathaus niedergelassen. Die fünf weiteren Schüler werden von Kissen mit Abi-Shirts symbolisiert. Einige von Ihnen sind mit einem Tablet als Kopf ausgestattet. „Da haben wir unsere Mitschüler online zugeschaltet“, berichtet die 18-Jährige.

Sieben Polizisten

Damit während der etwa zweistündigen Aktion am Donnerstag alles mit rechten Dingen zuging und keine weiteren Schüler hinzustoßen konnten, hatten sieben Polizisten die Aktion begleitet. „Wir wurden von Passanten wahrgenommen. Viele sagten, dass sie unser Vorhaben richtig finden“, so die Schülerin.

Kooperation mit Enger und Spenge

Anstoß für die „Mini-Demo“ hatte die politische Entscheidung von Mittwoch, die Schulen für Abschlussklassen wieder zu öffnen und die Abi-Prüfungen wie geplant ab 12. Mai stattfinden zu lassen, gegeben. „Unsere Demo war erst der Anfang. Denn nun wird es immer leichter, Widerstand zu leisten. Bundesweit engagieren sich immer mehr Schüler für ihre Rechte“, sagt Thekla Koranashvili. Inzwischen hat sie auch Kontakt mit Abiturienten der Regenbogen-Gesamtschule in Spenge und dem Widukind-Gymnasium in Enger aufgenommen. Koranashvili: „Alle möchten demonstrieren. Auch wenn wir nur Schlupflöcher nutzen und in kleinen Gruppen unser Anliegen in die Öffentlichkeit tragen können – Infektionsschutz ist auch uns ganz wichtig: Je mehr wir sind und an je mehr Stellen, desto größer ist der Effekt, den wir erzielen.“

Inzwischen haben 5482 Unterstützer die Petition unterschrieben. Wer noch unterzeichnen möchte, findet die Internetseite hier.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7374295?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Studie: Veganismus könnte Knochengesundheit beeinflussen
Vegane Ernährung - also der komplette Verzicht auf Nahrungsmittel tierischen Ursprungs - könnte einer kleinen Studie zufolge negative Folgen für die Knochengesundheit haben.
Nachrichten-Ticker