Herforderin Sophia Heinig (25) studiert in Schweden – Corona-Alltag in Malmö
„Hier sind Cafés und Kitas geöffnet“

Herford/Malmö (WB). Manch einer blickt in diesen Wochen etwas neidisch nach Schweden. „Hier sind Cafés und Restaurants, Kitas und teilweise auch Schulen geöffnet, selbst Fußball durfte zumindest bis Freitag gespielt werden“, sagt Sophia Heinig. Die 25-jährige Herforderin studiert im südschwedischen Malmö und schildert ihren Alltag mit Corona, 600 Kilometer von ihrer Heimat entfernt.

Sonntag, 19.04.2020, 11:51 Uhr aktualisiert: 20.04.2020, 12:32 Uhr
Sophia Heinig sitzt in einer Skulptur im Malmöer Innenhafen. Im Hintergrund ist der alte Leuchtturm zu sehen. Die 25-jährige Herforderin lebt seit einigen Monaten in der südschwedischen Stadt und erlebt einen etwas anderen Umgang mit der Corona-Krise als hierzulande. Foto:
Sophia Heinig sitzt in einer Skulptur im Malmöer Innenhafen. Im Hintergrund ist der alte Leuchtturm zu sehen. Die 25-jährige Herforderin lebt seit einigen Monaten in der südschwedischen Stadt und erlebt einen etwas anderen Umgang mit der Corona-Krise als hierzulande.

Das Wichtigste vorweg: „Mir geht’s gut, das Wetter ist toll und es gibt einen wunderschönen Strand am Meer“, berichtet sie aus der 300.000-Einwohner-Stadt. Dem schwedischen Sonderweg ohne strikte Maßnahmen wie in Deutschland stand Sophia Heinig von Beginn an sehr skeptisch gegenüber.

Prinzessin hilft im Krankenhaus

Sie ging nach Ausbruch der Krise eben nicht mehr in Cafés, nicht ins Fitnessstudio und traf sich nicht mehr mit Freunden. Es blieben Spaziergänge am Meer, Radtouren und die Masterarbeit in einer kleinen Wohnung, die sie sich mit ihrer Vermieterin teilt. „Ich kam mir vor wie ein Hypochonder“, blickt sie zurück.

In Schweden herrscht großes Vertrauen in die Regierung. Experten zweifeln jedoch immer mehr, ob es der richtige Weg ist, den das größte skandinavische Land beschreitet. Denn die Zahlen der Fälle und Toten steigen rasant, die Gegend um Stockholm ist am schwersten betroffen.

„Inzwischen werden hier sogar Mitarbeiter der Fluggesellschaft SAS zu Pflegern umgeschult. Man merkt jetzt, dass hier immer weniger los ist“, berichtet Sophia Heinig. Selbst Prinzessin Sofia von Schweden setzt ein Signal, indem sie in einem Krankenhaus hilft.

Konzentration aufs Studium

Sophia Heinig konzentriert sich derweil umso mehr auf ihre Masterarbeit, sie hat Management-Führung und nachhaltige Unternehmensführung studiert. „Das ist hier alles auf Englisch, nicht auf Schwedisch“, sagt Heinig, die ihren Bachelor in der niederländischen Stadt Emmen kurz hinter der Grenze zu Niedersaschen gemacht hat.

Kontakt zur Familie nach Herford hält die ehemalige Schülerin des Ravensberger Gymnasium per Internet und Skype. Mehrere Monate hat Heinig ihre Eltern und den Bruder nicht mehr gesehen, der geplante Besuch zu Ostern fiel natürlich aus.

Auch aus einer Fahrt nach Hamburg Mitte März wurde nichts. „Das war genau das Wochenende, an dem Dänemark die Grenzen geschlossen hat. Da konnte ich nicht mehr anreisen.“

Sophia Heinig geht ernst mit der Situation um, verfällt aber nicht in Panik und trifft sich mit gebotenem Abstand auch wieder mit Freunden. „Ich fühle mich in Malmö sehr wohl, es ist mein Lebensmittelpunkt geworden. Und wenn alle Stricke reißen, kann ich eine Fähre nehmen und nach Hause fahren.“

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