Die meisten Innenstadt-Händler in Herford haben sich gut auf die Corona-Regeln eingestellt
Der Ansturm bleibt aus

Herford (WB). Herfords Händler atmen auf: Nach der Corona-bedingten Zwangsschließung darf der Großteil der Läden unter strengen Auflagen wieder öffnen. Seit Montag ist die gespenstische Ruhe vorbei, geschäftiges Treiben kehrt zurück in die Innenstadt. Der von einigen befürchtete Ansturm bleibt aus.

Montag, 20.04.2020, 18:08 Uhr aktualisiert: 22.04.2020, 12:14 Uhr
Hier gibt es nichts zu beanstanden: Nadine König und Frank Götting von der City-Wache im Gespräch mit Tamaris-Filialleiterin Birgit Köhler-Lorke. Foto: Moritz Winde
Hier gibt es nichts zu beanstanden: Nadine König und Frank Götting von der City-Wache im Gespräch mit Tamaris-Filialleiterin Birgit Köhler-Lorke. Foto: Moritz Winde
Beratung auf Abstand: Silke Geldmacher (Mayersche Buchhandlung) empfiehlt Christa Oberschachtsiek einen Roman.

Beratung auf Abstand: Silke Geldmacher (Mayersche Buchhandlung) empfiehlt Christa Oberschachtsiek einen Roman. Foto: Moritz Winde

Mindestabstand, Hygiene, Zutrittssteuerung: Der Einzelhandel hat sich auf den Tag X gut vorbereitet. „Natürlich achten wir penibel auf die Vorschriften – zum Schutz unserer Kunden und unserer Mitarbeiter. Ich öffne mit gemischten Gefühlen. Einerseits freue ich mich, andererseits habe ich Angst vor einer Ansteckung. Schließlich gehöre ich mit 58 Jahren fast schon zur Risikogruppe“, sagt Depot-Angestellte Petra Wolff und zuppelt ihre Gesichtsmaske zurecht. Ihr wäre wohler, wenn es in NRW einen verpflichtenden Mundschutz im öffentlichen Raum geben würde.

Das Einrichtungshaus am Gehrenberg hat größenmäßig Glück: Mit 760 Quadratmetern Verkaufsfläche schrammt es gerade so an der Regel vorbei, wonach Geschäfte mit mehr als 800 Quadratmetern dicht bleiben müssen.

Vier Läden sind zu groß

Das sind in der Innenstadt H&M, C&A, Saturn und Klingenthal. Ekrem Keskin, Geschäftsleiter des Modehauses in Herford, machte noch einmal auf die „dramatische“ Situation aufmerksam. „Wir haben seit einem Monat nicht einen einzigen Cent verdient. Unsere Lager sind voll, wir dürfen aber nichts verkaufen. Das ist absolut unfair. Hier hängen Familien dran,“

Allein im Laden: Ekrem Keskin würde gerne öffnen, darf aber nicht. Im Klingenthal Herford arbeiten 100 Menschen.

Allein im Laden: Ekrem Keskin würde gerne öffnen, darf aber nicht. Im Klingenthal Herford arbeiten 100 Menschen. Foto: Moritz Winde

Klingenthal hatte bereits am Samstag „Wir-nehmen-Abschied”-Plakate in den ausgeräumten Schaufenstern platziert. Die Botschaften werden seit dem Wochenende kontrovers im Internet diskutiert.

Ekrem Keskin sagt, er wolle lediglich eine Gleichbehandlung. „Wir sind doch auch ein Teil der Innenstadt – aber wie lange noch? Weshalb dürfen wir nicht 800 Quadratmeter öffnen? Das wäre für uns vollkommen unproblematisch umzusetzen. Wir sind vorbereitet.“

Das Traditionsgeschäft in Herford hat auf mehreren Ebenen mehr als 5000 Quadratmeter Verkaufsfläche. Die Stärke des Hauses sei die persönliche Modeberatung, ein Online-Geschäft gebe es so gut wie nicht.

Während des Pressegesprächs vor dem Eingang ruft eine Passantin: „Bitte nicht aufgeben!“ Ekrem Keskin freut sich über diese Worte, sagt aber auch: „Ich weiß nicht, wie lange wir das durchhalten können.“

„Nicht gleich die Bußgeld-Keule“

Nadine König und Frank Götting vom Ordnungsamt lassen sich unterdessen die entsprechenden Unterlagen vom Depot vorlegen. Die beiden bilden eins von zwei City-Wachen-Teams, die die Einhaltung der Corona-Schutzverordnung überprüfen. „Wir kommen aber nicht gleich mit der Bußgeld-Keule, sondern wollen informieren. Für alle ist die Situation ja neu, da muss sich noch einiges einspielen“, sagt Frank Götting. Die Behörde gewährt den Kaufleuten also eine gewisse Schonfrist.

Deichmann-Filialleiterin Helene Friesen empfängt die Kunden mit Mundschutz und Desinfektionsspray.

Deichmann-Filialleiterin Helene Friesen empfängt die Kunden mit Mundschutz und Desinfektionsspray. Foto: Moritz Winde

Tamaris-Filialleiterin Birgit Köhler-Lorke ist erleichtert, dass das Shoppen wieder erlaubt ist. „Es wurde auch höchste Zeit. Viele bangen um ihre Existenzen.“ Und auch schräg gegenüber ist das Deichmann-Team voller Vorfreude auf die Kunden: „Die Langeweile war ja nicht mehr zum Aushalten“, findet Chefin Helene Friesen, die für die Eingangskontrollen zuständig ist.

In den meisten Läden klappt die Einhaltung der Vorschriften. Es gibt ein paar Ausnahmen. In einem Bekleidungsgeschäft sieht es so aus, als gäbe es keine Krise: kein Desinfektionsspray, keine Trennwände, keine Abstandsmarkierungen. Die Filiale wartet noch auf das Hygiene-Paket, das der Konzern längst geliefert haben sollte. „So werden die Mitarbeiterinnen vor Ort im Stich gelassen“, sagt Frank Götting.

Da aber ohnehin nicht allzu viel los ist, sieht er von einer Schließung ab, kündigt jedoch an: „Wir kommen wieder.“

Die Polizei fährt in der Innenstadt Patrouille.

Die Polizei fährt in der Innenstadt Patrouille. Foto: Moritz Winde

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7377330?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Laschet für Entscheidung über K-Frage noch am Abend
Armin Laschet (l) und Markus Söder wollen beide Kanzlerkandidat der Union werden.
Nachrichten-Ticker