So verlief der Schulstart nach der Zwangspause
Ein Anfang auf Abstand

Herford (WB). Solch einen ungewöhnlichen Schulstart hat es in Herford noch nie gegeben. Nach fast sechs Wochen Corona-bedingter Zwangspause durften am Donnerstag die ersten Schüler wieder vor Ort lernen. Zunächst öffneten die Schulen nur für die Entlassjahrgänge, damit diese bald ihren Abschluss machen können. Für 274 Zehntklässler der drei Realschulen und 117 der Gesamtschule ist der Unterricht verpflichtend, für die 320 Abiturienten der drei Gymnasien und der Gesamtschule freiwillig.

Donnerstag, 23.04.2020, 18:09 Uhr
In Fünfergruppen wurden die KMG-Abiturienten in das Forum bestellt. Schulleiterin Nadine Höner informierte über den Ablauf der anstehenden Reifeprüfung. Foto: Bexte
In Fünfergruppen wurden die KMG-Abiturienten in das Forum bestellt. Schulleiterin Nadine Höner informierte über den Ablauf der anstehenden Reifeprüfung. Foto: Bexte

Die Schulen organisieren den Alltag in dieser Ausnahmesituation unterschiedlich. Eines ist ihnen doch gemein: Auf Abstands- und Hygieneregeln wird peinlichst geachtet. Viele Schüler und die meisten Lehrer tragen Mund- und Nasenschutz.

„Wir sind zufrieden, die Schüler verhalten sich sehr diszipliniert“, sagt Gudrun Horst de Cuestas, Leiterin des Friedrichs-Gymnasiums . Abstand halten sei das Gebot der Stunde. In den kleinen Klassenräumen stünden sieben, in den größeren lediglich zehn Tische. Von den 80 Abiturienten seien am ersten Tag allerdings nur knapp 30 erschienen. „Viele bereiten sich lieber zu Hause auf die Abiturprüfung vor.“ Ein Englisch-Leistungskurs halte zudem an Praxis der vergangenen Wochen fest und tausche sich per Videokonferenz aus.

„Alle sehr diszipliniert“

Im Königin-Mathilde-Gymnasium wurde noch nicht unterrichtet. Die Abiturienten waren in Fünfergruppen zu festen Terminen bestellt worden. Durch den hinteren Eingang, zum Händewaschen an den Toiletten vorbei, wurden sie in das Forum geführt. Dort erläuterte die kommissarische Schulleiterin Nadine Höner jeder Gruppe das Prozedere der anstehenden Abi-Prüfungen. Zudem konnten die Schüler nicht mehr benötigte Bücher abgeben und erhielten die korrigierten Vorabi-Klausuren zurück. Das Ravensberger Gymnasium hatte diese den Schülern bereits per Post zugestellt. Gut die Hälfte der 100 Abiturienten war am Donnerstag anwesend. „Alle hatten vorher Pläne bekommen, in welche Räume sie zu gehen haben“, erläutert Rektorin Rita Klötzer. „Es lief alles sehr diszipliniert ab.“

An den Realschulen ist der Unterricht für die Zehntklässler verpflichtend. „Zu Beginn haben sich alle Schüler auf dem Schulhof mit dem gebotenen Abstand aufgestellt“, berichtet Jurina Kroker, Leiterin der Ernst-Barlach-Realschule . Mit einer Ansage über Lautsprecher habe sie die Jugendlichen über die Hygiene- und Abstandsregeln informiert. „Anfangs war das schon eine komische Stimmung.“

Die Zehntklässler werden in jeweils vierstündigen Blöcken abwechselnd in Deutsch, Mathematik und Englisch unterrichtet. Jede etwa zwölfköpfige Gruppe bleibe die ganze Zeit zusammen und in einem Raum, gehe auch getrennt von den anderen in die Pause. „Viele tragen eine Schutzmaske.“ Kroker und ihr Kolleginnen und Kollegen hatten sich selbst einen Schutz besorgt, erprobten auch ein Plexiglasschild, das mit einem Gummizug an der Stirn befestigt wurde. „So sind Mimik und Sprache besser zu erkennen.“

Viele Lehrer nicht verfügbar

An der Geschwister-Scholl-Realschule waren alle 88 Zehntklässler am Donnerstag anwesend. „Die Klassen wurden einzeln und mit dem gebotenen Abstand in die Aula gerufen“, erläutert Schulleiterin Marie-Theres Brinkmann. Der eigentliche Unterricht beginnt erst an diesem Freitag. Dazu würden die Klassen in jeweils drei Gruppen aufgeteilt.

Die Otto-Hahn-Realschule unterrichtet die drei Entlassklassen abwechselnd tageweise. „Wir hatten die Eltern gebeten, die Kinder mit Masken auszustatten. Bis auf zwei hatten alle eine dabei“, sagt Schulleiter Karsten Heumann.

Die Gesamtschule Friedenstal unterrichtet sowohl Zehntklässler als Entlassschüler sowie Abiturienten. „Wir haben alle vor dem Gebäude in Empfang genommen“, erläutert Schulleiter Frank Braksiek. Die Schüler seien über die Zugänge und zu nutzenden Räume zuvor informiert worden. „Sie gehen mit der Situation wirklich verantwortungsvoll um.“ 23 der 39 Abiturienten waren anwesend. Die Zehntklässler werden abwechselnd unterrichtet. „Heute waren drei Klassen hier, am Freitag die anderen beiden.“

Mehr als zwei Jahrgänge könnten unter den jetzt vorgeschriebenen Bedingungen jedoch nicht unterrichtet werden. „Das ist aufgrund der Raumsituation nicht machbar.“ Zudem fehlten Lehrer. Nur 54 Mitglieder des knapp 90-köpfigen Kollegiums (inklusive Schulsozialarbeiter) seien verfügbar. Denn zahlreiche Pädagogen zählten aufgrund des Alters, einer Erkrankung oder einer Schwangerschaft zur Risikogruppe.

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