Bluttat in Herford: Imbissbetreiber muss wegen gefährlicher Körperverletzung fünf Jahre in Haft
Mordversuch nicht nachzuweisen

Herford (WB). Ein Imbissbetreiber aus Herford muss fünf Jahre ins Gefängnis. Das Landgericht Bielefeld hat den Mann am Dienstag wegen gefährlicher Körperverletzung in zwei Fällen für schuldig befunden. Versuchter Mord wie ursprünglich angeklagt war ihm nicht nachzuweisen.

Dienstag, 28.04.2020, 14:23 Uhr aktualisiert: 29.04.2020, 07:20 Uhr
Zum Prozessbeginn wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Neben ihm sein Verteidiger Dr. Holger Rostek. Foto: Moritz Winde
Zum Prozessbeginn wird der Angeklagte in den Gerichtssaal geführt. Neben ihm sein Verteidiger Dr. Holger Rostek. Foto: Moritz Winde

Der 54-Jährige hatte im Oktober vergangenen Jahres in dem Familienhaus im Herringhauser Orthweg ein Blutbad angerichtet. Er hatte unter anderem mit einem Messer und einem Grillspieß mehrfach auf seine Ehefrau und seine Tochter eingestochen und diese lebensgefährlich verletzt. Tatmotiv war offenbar gekränkte Ehre. Der Türke mit deutschen Pass sah es als Affront an, dass die Familie das Haus ohne sein Wissen gekauft hatte. Das Gericht bezeichnete ihn als „Familientyrann“.

Am ersten Prozesstag hatte die 21-Jährige ihren Vater schwer belastet. „Er wollte uns umbringen – und hatte dabei einen dreckigen Blick.“ Die junge Frau schilderte detailliert die dramatischen Erlebnisse jenes Abends. Der Vorsitzende Richter des Schwurgerichts, Christoph Meiring, sagte, das schreckliche Erleben sei für die Kammer durch die Aussage der Tochter mitzuerleben gewesen.

Opfer durchlitten Todesangst

Während die 21-Jährige ihren Vater beschuldigte, verweigerte die Ehefrau ihre Aussage mit den Worten: „Ich werde ihn immer in meinem Herzen behalten.“ Dabei hatte ihr Mann sie beinahe umgebracht. Die 49-Jährige schwebte damals in akuter Lebensgefahr, musste notoperiert werden. Ein Stich traf ihre Lunge. Sie wird zeitlebens entstellt sein, eine zehn Zentimeter lange Narbe verläuft auf ihrer rechten Gesichtshälfte.

„Die Kammer hatte zwei wiederstreitende Interessen bei der Strafzumessung zu berücksichtigen“, sagte Gerichtssprecher Guiskard Eisenberg. „Zum einen das familiäre Interesse, bei der die Ehefrau gerade keine Strafverfolgung bekundet, zum anderen das öffentlichen Interesse hinsichtlich der Verfolgung schwerer Straftaten, das hier zweifellos vorliegt. Die Kammer meint, mit der gefunden Strafe einen angemessenen Ausgleich gefunden zu haben.“

Als strafmildernd wurde dem Angeklagten zugute gehalten, dass er nicht vorbestraft und sozial integriert war, er eine vom Psychiater bescheinigte Anpassungsstörung hat, zum Tatzeitpunkt leicht alkoholisiert war und er sich – wenn auch knapp – entschuldigt hat. Als strafschärfend wertete das Gericht diese Punkte: Es hab mehrere Opfer, Der 54-Jährige benutzte mehrere gefährliche Werkzeuge und ging gezielt gegen die Köpfe vor. Er brachte zumindest seine Ehefrau an den Rand des Todes. Beide Opfer mussten elementare Todesangst durchleben.

Die Staatsanwaltschaft forderte sieben Jahre Haft. Weil er Ehefrau und Tochter laufen gelassen hatte – sie retteten sich blutüberströmt zu Nachbarn – war der Vorwurf des versuchten Mordes nicht zu halten. Der Imbissbetreiber schwieg während des gesamten Prozesses. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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