Gleichaltrigen mit Messer bedroht – „blödeste Idee meines Lebens“
Abiturient wegen Fünf-Euro-Raubes verurteilt

Herford (WB). Eigentlich möchte er demnächst Jura studieren. Das dürfte allerdings schwierig werden: Das Jugendschöffengericht hat am Donnerstag einen 18 Jahre alten Herforder wegen schweren Raubes verurteilt. Der Abiturient muss eine Woche Dauerarrest absitzen und 60 gemeinnützige Arbeitsstunden ableisten.

Donnerstag, 30.04.2020, 20:00 Uhr
Der 18-Jährige musste sich vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: Moritz Winde
Der 18-Jährige musste sich vor dem Amtsgericht verantworten. Foto: Moritz Winde

„Das war die blödeste Idee meines Lebens“, gestand er Tanja Schwöppe-Funk reumütig. „Da können Sie sicher sein“, teilte die Vorsitzende Richterin seine Einschätzung. Am 3. Oktober (Tag der deutschen Einheit) vergangenen Jahres hatte der Heranwachsende am frühen Morgen gegen 3.40 Uhr auf der Bielefelder Straße einen Gleichaltrigen getroffen und ihn unter Vorhalt eines Messers zur Herausgabe dessen Bargeldes gezwungen. Fünf Euro betrug die Beute.

Juristisch ist das ein schwerer Raub. Wäre er bereits 21 gewesen, hätte ihm dafür eine Freiheitsstrafe von mindestens fünf Jahren gedroht. Er sei nach einem Treffen mit Freunden auf dem Heimweg gewesen, gab er in seinem voll umfänglichen Geständnis an. Whisky und Bier hatten seinen Alkoholpegel auf 1,5 Promille steigen lassen, wie ein Test später ergab. „Ich wollte mich damals aus Frust besaufen, ich war nicht ganz bei mir“, erklärte er vor Gericht. Probleme in der Schule, Stress mit der Mutter und die Spätfolgen eines schweren Radunfalls hätten ihn belastet.

Mit zehn Euro entschädigt

Auf dem Heimweg habe er weiteren Durst verspürt und an einer Tankstelle eine Dose Bier kaufen wollen. Dazu fehlte ihm jedoch das Geld. Als er sein späteres Opfer traf, das er vom Sehen kannte, habe er den Herforder gefragt, ob er bei ihm Drogen kaufe wolle. Denn er habe schon einmal gehört, dass dieser an illegalen Substanzen interessiert sei. „Mit dem Geld wäre ich dann einfach abgehauen, um mir Bier zu kaufen“, erklärte er dem Gericht seine Tatvorhaben. Als sein Gegenüber das Angebot jedoch ablehnte, zückte der 18-Jährige ein Multi-Tool-Messer und bedrohte den jungen Mann. Der händigte ihm sein Portemonnaie samt fünf Euro aus, mit dem der Täter verschwand. Kurze Zeit später griff ihn die Polizei nahe des Marktkaufs am Deichkamp auf.

Mittlerweile hat er sich bei seinem Opfer entschuldigt – und es mit zehn Euro entschädigt. Der Ausgeraubte war zur Verhandlung als Zeuge geladen, erschien jedoch nicht.

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