Nach Suizid einer 17-Jährigen von Herforder Familie angezeigt
Verfahren gegen Lehrerin eingestellt

Herford (WB). Der Tod einer 17-jährigen Berufsschülerin am 13. Januar 2019 erschüttert Herford. Die junge Muslima stellt sich auf die Gleise und wird von einen Regionalzug überrollt. Das Motiv ist unklar. Weil Gesamtschul-Lehrerin Birgit Ebel allerdings meint, es zu kennen, hat dies für sie ein juristisches Nachspiel . Das Amtsgericht hat ein Verfahren wegen übler Nachrede jetzt jedoch eingestellt – wegen Geringfügigkeit.

Mittwoch, 06.05.2020, 11:00 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 14:16 Uhr
Gesamtschul-Lehrerin Birgit Ebel muss nun doch nicht zahlen. Foto:
Gesamtschul-Lehrerin Birgit Ebel muss nun doch nicht zahlen.

Weil Ebel knapp zwei Wochen nach dem Suizid auf ihrer Facebookseite und im Unterricht den Vorfall thematisiert hatte – den Namen des Mädchens nannte sie nicht –, zeigte deren Mutter sie an. Denn die Lehrerin geht davon aus, dass die junge Muslima nach dem Auftauchen kompromittierender Fotos, die die Schülerin des Friedrich-List-Berufskollegs in intimen Situationen mit mehreren Männern zeigen sollen, von ihrem Umfeld so unter Druck gesetzt worden sei, dass sie keinen Ausweg mehr gewusst habe. In der Silvesternacht sollen die Aufnahmen mit der Jugendlichen entstanden und über Online-Chats verbreitet worden sein. Belege für ihre Mutmaßung hat Birgit Ebel allerdings nicht.

Amtsrichterin Tanja Schwöppe-Funk hatte im September gegen sie einen Strafbefehl in Höhe von 5000 Euro wegen übler Nachrede verhängt. Am 25. Januar 2019 soll die Lehrerin „Flugblätter an ihrer Schule verteilt haben, auf denen sie die Familie der 17-Jährigen indirekt für deren Selbstmord verantwortlich gemacht haben soll“, sagte die Richterin damals.

Familie zeigt Ebel an

In einem kurz nach der Veröffentlichung wieder gelöschten Facebookpost heißt es zudem: »Ich frage mich, wie diejenigen, die sich durch ihr Handeln mitschuldig an dem Suizid des Mädchens gemacht haben, mit dieser Katastrophe umgehen.“ In einer Gesellschaft und Kultur, die so derartig absurd mit Sexualität und vorehelicher Sexualität umgehe, die so frauenfeindlich sei und die viel beschworene Jungfräulichkeit bis zur Ehe einfordere, seien Mädchen und Frauen faktisch in einer permanent lebensbedrohenden Situation.

Die muslimische Familie sah Ebels Äußerungen als ehrenrührig an und zeigte die Bielefelderin an. Gegen den Strafbefehl legte Ebel Widerspruch ein. „Ich habe keine Flugblätter an der Schule verteilt. Das ist Blödsinn! Ich habe den Vorfall im Unterricht im Zusammenhang mit dem Thema Cybermobbing aufgegriffen, ohne einen Namen zu nennen, und entsprechende Arbeitsblätter am Ende wieder eingesammelt“, sagt die 59-Jährige. Eines dieser Blätter wurde abfotografiert und über soziale Netzwerke verbreitet.

Massive Anfeindungen

Für sie habe dann ein Spießrutenlaufen begonnen. Sie sei massiven Anfeindungen ausgesetzt worden, berichtet Ebel. Dabei habe sie nur die Würde des Mädchens verteidigen wollen. „Ich hätte es auch auf einen Prozess ankommen lassen.“ Zu dem kommt es trotz ihres Widerspruchs gegen den Strafbefehl nicht mehr. Das Amtsgericht hat das Verfahren wegen Geringfügigkeit eingestellt. Zunächst hatte das Gericht dies mit der Zahlung von 500 Euro an das Mädchenhaus Bielefeld verbinden wollen.

Als Ebel und ihr Anwalt auch dies ablehnten, erfolgte die Einstellung ohne Auflagen. Ebel, die sich seit Jahren in islamkritischen Gruppen, aber auch gegen Rechtsextremismus und für Frauenrechte engagiert, gibt sich weiterhin kämpferisch. „Ich lasse mir den Mund nicht verbieten.“

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Haben Sie suizidale Gedanken oder haben Sie diese bei einem Angehörigen/Bekannten festgestellt?

Hilfe bietet die Telefonseelsorge: Anonyme Beratung erhält man rund um die Uhr unter den kostenlosen Nummern 0800 / 111 0 111 und 0800 / 111 0 222.

Auch eine Beratung über das Internet ist möglich unter http://www.telefonseelsorge.de .

Eine Liste mit bundesweiten Hilfsstellen findet sich auf der Seite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention: https://www.suizidprophylaxe.de/hilfsangebote/adressen/

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