Corona: Landrat und Bürgermeister kritisieren NRW-Regierung
„Das ist unterirdisch“

Herford (WB). Landrat Jürgen Müller und die Bürgermeister der Kreiskommunen sind stinksauer. „Wie das Land die Lockerungen der Corona-Maßnahmen kommuniziert und mit uns umgeht, das ist wirklich unterirdisch“, bricht es am Freitagnachmittag aus dem Kreishauschef heraus.

Freitag, 08.05.2020, 19:43 Uhr aktualisiert: 08.05.2020, 19:48 Uhr
Marie-Luise Kluger, Norbert Burmann, Jürgen Müller und Markus Altenhöner sind mit der Corona-Entwicklung im Kreis zufrieden. Die Informationspolitik der Landesregierung lasse allerdings zu wünschen übrig, meint Kreishauschef Müller. Foto: Bernd Bexte
Marie-Luise Kluger, Norbert Burmann, Jürgen Müller und Markus Altenhöner sind mit der Corona-Entwicklung im Kreis zufrieden. Die Informationspolitik der Landesregierung lasse allerdings zu wünschen übrig, meint Kreishauschef Müller. Foto: Bernd Bexte

Eigentlich hatten er und führende Mitglieder des Krisenstabes geladen, um über die aktuelle, sehr erfreuliche Lage zu berichten. Doch zunächst rechnete Müller – auch im Namen der neun Rathauschefs – mit der NRW-Regierung ab.

„Nicht vom Land, nein vom Landkreistag haben wir am Mittwochabend erfahren, dass ab Donnerstag um 0 Uhr, also wenige Stunden später, gravierende Veränderungen bei den Sicherheitsmaßnahmen gelten. Wie sollen wir das rechtzeitig umsetzen und kontrollieren, etwa wenn es um gelockerte Abstandsregelungen geht?“

Kähler übt Kritik

Das sei keine angemessene Form des Umgangs. Auch Herfords Bürgermeister Tim Kähler hatte sich bereits zu den spontanen Lockerungen ähnlich geäußert. „Ich hoffe nicht, dass wir uns amerikanischen Verhältnissen nähern und immer auf den Twitter-Account von Ministerpräsident Laschet schauen müssen, um informiert zu sein“, sagt Müller in Anspielung auf die Informationspolitik des US-Präsidenten Donald Trump.

Dabei sei es richtig, „dass die sehr engen Maßnahmen gelockert werden“. Denn die Corona-Lage hat sich im Kreis Herford sichtbar entspannt: In den vergangenen Tagen sei lediglich eine bestätigte Infektion hinzugekommen. „Die Maßnahmen wirken. Wir dürfen jetzt aber nicht nachlassen. Denn das Virus bleibt uns erhalten.“

Derzeit seien nur noch 30 Infizierte im Kreis Herford registriert, zum Höhepunkt am 5. April waren es 164 gewesen. Deshalb wird der Krisenstab, dessen Arbeit bis zu 150 Mitarbeiter der Kreisverwaltung band, deutlich verkleinert.

Sechs Mitarbeiter eingestellt

„Wir können die Kapazitäten aber jederzeit wieder hochfahren“, sagt Krisenstabsleiter Norbert Burmann. Weil das Virus auch die kommenden Monate das Leben bestimmen wird, hat der Kreis befristet sechs Mitarbeiter eingestellt, die helfen, die Infektionswege von Corona-Fällen nachzuvollziehen. Im Juni sollen fünf weitere Stellen hinzukommen.

Kreisdirektor Markus Altenhöner kündigte für Montag die vorsichtige Öffnung der Kreishaus-Dienststellen für den Besucherverkehr an. „Das geht weiterhin nur nach Terminabsprache.“ Dazu werde im Kreishaus-Foyer ein Empfangs- und Wartebereich eingerichtet. „Es besteht keine Maskenpflicht.“ Informationen zu Ansprechpartnern unter www.kreis-herford.de. Terminabsprachen gelten auch für die Kfz-Zulassungsstelle (Telefon 05223/9883).

 

Massentest bei Gocksch

Nachdem in einem Schlachthof in Coesfeld hunderte Mitarbeiter positiv auf das Virus getestet worden waren , hat das Land weitere Tests in Schlachthöfen in NRW angeordnet. So werden auch die etwa 150 Mitarbeiter des Schlachthofes Gocksch in Herford getestet. „Mit den Abstrichen wurde bereits am Freitag begonnen“, erklärt Marie-Luise Kluger, Leiterin des Kreisgesundheitsamtes.

„Die meisten meiner Mitarbeiter haben aber keine Werksverträge, sondern arbeiten dauerhaft bei mir, sind also anders als in Coesfeld nicht gemeinsam untergebracht“, sagt Guido Gocksch. Lediglich 40 Beschäftigte kämen aus Rumänen

. Die Hälfte davon lebe mit ihren Familien in eigenen Wohnungen, die anderen seien in Unterkünften der Firma Gocksch untergebracht. „Ich hoffe natürlich, dass niemand infiziert ist. Das wäre für den Betrieb eine Katastrophe“, sagt Gocksch. Die Ergebnisse sollen Sonntag, spätestens Montag vorliegen.

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