Fr., 15.05.2020

21-jähriger Herforder soll elf Monate hinter Gitter – Verteidiger kündigt Revision an Gefängnisstrafe nach T-Shirt-Klau

Weil er bei H&M ein T-Shirt gestohlen hat, muss ein 21-Jähriger elf Monate ins Gefängnis.

Weil er bei H&M ein T-Shirt gestohlen hat, muss ein 21-Jähriger elf Monate ins Gefängnis. Foto: Moritz Winde

Herford (WB/bex). Eigentlich ging es nur um den Diebstahl eines Langarm-T-Shirts bei H&M für 9,99 Euro. Für den heute 21 Jahre alten Angeklagten ging es aber um viel mehr: Weil er etwa 15 Voreintragungen im Strafregister hatte, drohte ihm bei der Verhandlung vor dem Jugendschöffengericht erstmals eine Haftstrafe ohne Bewährung. Die verhängte Richterin Tanja Schwöppe-Funk dann auch. Der Herforder soll für elf Monate hinter Gitter, neun Monate davon resultieren aus dem Widerruf einer vorigen Bewährungsstrafe.

Da half ihm auch alles Lamentieren nicht, dass er angeblich zu Unrecht beschuldigt werde. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der damals 20-Jährige im vergangenen September bei H&M in Herford ein schwarzes Langarm-T-Shirt hat mitgehen lassen. In der Umkleidekabine habe er das Preisschild abgerissen und das Kleidungsstück unter seinen Pullover gezogen. „Das stimmt nicht. Ich war dort, um mir ein schwarzes Hemd für die Beerdigung meines Onkels zu kaufen“, gab der sichtlich erregte Angeklagte an.

Preisschild abgerissen

Das Gericht schenkte allerdings einer H&M-Mitarbeitern Glauben. Sie hatte den jungen Mann angesprochen, als er aus der Umkleide kam, und ihn mit einem Kollegen zur Überprüfung in ein Büro gebeten. Dort habe sich herausgestellt, dass das in der Umkleidkabine gefundene Preisschild die gleiche Seriennummer aufwies, wie das Shirt, das der junge Mann unter seinem Pullover trug.

Die Zeugin hatte zunächst nicht aussagen wollen, wie sie dem Gericht vor der Verhandlung schriftlich mitgeteilt hatte. Sie habe Angst, schließlich seien nach dem Vorfall Bekannte des Täters in das Geschäft gekommen und hätten sie gebeten, die Anzeige zurückzunehmen, da ihm sonst die Abschiebung aus Deutschland drohe. Alles erfunden – der Herforder ist in Deutschland geboren, allerdings wegen Fahrens ohne Führerschein, Diebstahl und anderen Delikten mehrfach aufgefallen. Sein Verteidiger Christian Thüner kündigte Berufung an.

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