Erfolgsoperette von Gustave Kerker wird in Hildesheim gespielt
Aus Herford an den Broadway

Herford (WB). Jahrzehnte war es ruhig geworden um den aus Herford stammenden Komponisten Gustave Kerker (1857 – 1923). Dass er in einem überschaubaren Rahmen wiederentdeckt wurde, ist dem Musikproduzenten Burkhard Schmilgun zu verdanken. Dieser knüpfte auch die Kontakte zum Hildesheimer Theater, wo in der nächsten Saison eine Operette Kerkers aufgeführt wird.

Sonntag, 24.05.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 24.05.2020, 17:02 Uhr
Gustave Kerkers erfolgreichste Arbeit ist „The Belle of New York”. Sie kam in London auf etwa 700 Aufführungen. Das Theater in Hildesheim will die in Herford komponierte Operette in der nächsten Saison spielen. Foto:
Gustave Kerkers erfolgreichste Arbeit ist „The Belle of New York”. Sie kam in London auf etwa 700 Aufführungen. Das Theater in Hildesheim will die in Herford komponierte Operette in der nächsten Saison spielen.

Gustave Kerker war zehn Jahre alt, als seine Eltern die Herforder Neustadt verließen und nach Amerika auswanderten. Mit seinem musikalischen Talent machte der spätere Komponist früh auf sich aufmerksam. Als Jugendlicher dirigierte er bereits Webers „Freischütz“. Später begann Kerker zu komponieren – erste Erfolge stellten sich ein und der junge Mann zog aus dem Mittleren Osten der USA nach New York, wo er zum Broadway-Komponisten wurde. Es gehört zur Ironie der Kerker-Geschichte, dass sich seine populärste Operette, „The Belle of New York“, nicht in den USA durchsetzte, sondern in London. Etwa 700 Mal wurde sie dort gespielt. Eine konzertante Aufführung des Stoffes mit deutschen Untertiteln kündigt das Theater Hildesheim für den Mai 2021 an. Die Premiere soll am 13. Mai erfolgen.

Liebesbetrug und Heilsarmee

Die musikalische Leitung übernimmt Florian Ziemen, Generalmusikdirektor des in Hildesheim ansässigen Theaters für Niedersachsen (TfN). Ziemen ist unter Herfords Klassikfans kein Unbekannter, so dirigierte er im Februar das NWD-Stiftungskonzert. Am Rande des Konzertes kam es zu einer Begegnung mit Burkhard Schmilgun, der sich daran erinnerte, dass Ziemen den Komponisten Kerker bereits vor Jahren in Gießen zur Aufführung gebracht hatte. Und der Musikproduzent aus Herford begeisterte den Dirigenten für ein erneutes Kerker-Engagement.

„Die Schönste von New York“ handelt von Liebesbetrug und Heilsarmee. Es sei eine fesselnde Geschichte, heißt es auf der Homepage des Theaters. Und: „Auch die einprägsamen wie mitreißenden und originellen Melodien machten das 1897 in New York uraufgeführte Werk zu einem Publikumsmagneten.“

Noch nie in Herford gespielt

Der Herforder Burkhard Schmilgun betrachtet die Wiederentdeckung mit Genugtuung. Im Jahr 2009 hatte die NDR Radiophilharmonie „Die Oberen Zehntausend“ gespielt. Daraus war auf Schmilguns Label CPO eine Doppel-CD entstanden. Dass in Herford noch nie ein Stück des Sohnes der Stadt gespielt wurde, hält der Produzent für „komplett unverständlich“.

Als Gustave Kerker 1923 starb, widmete ihm die New York Times einen großen Artikel. Später geriet der Komponist aus der Mode – zudem gab es keine Erben, so dass sich offenbar niemand um die Sicherung des Operettenmaterials kümmerte. Das Werk, sofern noch vorhanden, ist weltweit verstreut. Immerhin bieten die Hildesheimer im kommenden Jahr die Möglichkeit, eine komplette Operette des Mannes aus der Herforder Neustadt zu erleben.

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