Verzicht aus Sicherheitsgründen – Virus hat keine Auswirkungen auf Arbeit im Herforder Klärwerk
Corona: Kanäle werden nicht gespült

Herford (WB). Die Coronakrise hat auch die Arbeit des städtischen Immobilien- und Abwasserbetriebs (IAB) verändert. „Wir verzichten derzeit auf das Spülen der Schmutzwasserkanäle“, erklärt Betriebsleiter Gerhard Altemeier.

Mittwoch, 27.05.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 27.05.2020, 10:38 Uhr
Das städtische Klärwerk an der Goebenstraße: Die Corona-Pandemie hat die Arbeit hier nicht entscheidend verändert. Foto: WB
Das städtische Klärwerk an der Goebenstraße: Die Corona-Pandemie hat die Arbeit hier nicht entscheidend verändert. Foto: WB

Üblicherweise würden die unterirdischen Rohrleitungen – in Herford gibt es davon 105 Kilometer für das Abwasser – alle zwei Jahre mit hohem Druck durchgespült, um sie freizuhalten. „Der Wasserdruck ist dann 100 bar stark, das ist also schon ein ganze Menge. Deshalb kann Sprühwasser an die Oberfläche gelangen.“ Und da sich im Schmutzwasser oder den Ablagerungen Corona-Viren befinden könnten, wolle man Mitarbeiter, Passanten oder Anwohner nicht gefährden.

„Das Risiko ist sehr gering, dass da etwas passiert, aber wir wollen bis auf Weiteres auf Nummer sicher gehen“, sagt Altemeier. Auch bei einem vorübergehenden Verzicht der Reinigung sei nicht mit Kanalverstopfungen zu rechnen. „Und wenn doch, dann sind wir natürlich schnell vor Ort.“ Neben den 105 Kilometern Schmutzwasserkanälen ist der IAB für 110 Kilometer Regenwasser- sowie etwa 215 Kilometer Mischwasserkanäle zuständig.

Leitungswasser unbedenklich

Im Klärwerk beeinflusst die Corona-Pandemie die Arbeit nicht entscheidend. „Die Mitarbeiter halten sich natürlich an die üblichen Regeln, aber hier sind wir ja sowieso immer schon auf den Schutz bedacht, da im Abwasser alle möglichen Viren unterwegs sein können.“

Die Gefahr einer Corona-Ansteckung über das Trinkwasser sei unbegründet. „Trinkwasser ist ein Lebensmittel und wird ständig streng kontrolliert.“ Leitungswasser sei gut gegen alle Viren, einschließlich des Coronavirus’, geschützt und könne bedenkenlos getrunken werden, gibt auch das Bundesumweltamt Entwarnung.

Der Gehalt des Virus’ im Abwasser wird jetzt allerdings untersucht: Wissenschaftler des Leipziger Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) wollen gemeinsam mit Partnerorganisationen mit Hilfe von Abwasseranalysen ein Corona-Frühwarnsystem entwickeln. Hierzu werden Wasserproben aus Kläranlagen genommen. Die Forscher wollen bei ihren Analysen die Konzentration der Coronaviren im Abwasser ermitteln. Daraus sollen dann Rückschlüsse gezogen werden, wie hoch der Infektionsgrad in der Bevölkerung vor Ort ist. „Ja, ich habe von dem Projekt gehört“, sagt Altemeier. Proben aus Herford seien aber nicht dabei. „Den Ansatz halte ich jedoch für richtig.“

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