Zustand des Waldes im Kreis Herford ist problematisch, deshalb wird er sich verändern
Es droht das dritte Dürrejahr

Herford (WB). Nein, schwarzmalen möchte Julian Schütz nicht. „Aber dem Wald im Kreis Herford ging es schon mal besser.“ Ein drittes Dürrejahre in Folge könnte zu weiteren massiven Schäden führen. Der 31-Jährige ist seit Jahresbeginn zuständiger Förster des Regionalforstamtes OWL im Forstbetriebsbezirk Herford. Er vertritt Anna Rosenland, die in Elternzeit gegangen ist.

Freitag, 29.05.2020, 09:00 Uhr aktualisiert: 29.05.2020, 17:20 Uhr
Spaziergang im Stuckenberg: Das Naherholungsgebiet ist bei vielen Herfordern beliebt. Doch der Wald hat enorm gelitten. Orkan Friederike Anfang 2018, zwei sehr heiße und trockene Sommer und eine Borkenkäferplage lassen die Bäumen leiden. Foto: Bernd Bexte
Spaziergang im Stuckenberg: Das Naherholungsgebiet ist bei vielen Herfordern beliebt. Doch der Wald hat enorm gelitten. Orkan Friederike Anfang 2018, zwei sehr heiße und trockene Sommer und eine Borkenkäferplage lassen die Bäumen leiden. Foto: Bernd Bexte

Schütz ist für 1500 Hektar Wald von 450 privaten und kommunalen Eigentümern zuständig, ist deren Ansprechpartner, organisiert den Einschlag. Und der hat sich in den vergangenen Jahren deutlich verändert. Wurden früher kreisweit jährlich 4000 bis 8000 Festmeter gesundes Fichtenholz „geerntet“, „so habe ich jetzt allein schon 2000 bis 3000 Festmeter Schadholz“.

Orkan Friederike Anfang 2018, zwei sehr heiße und trockene Sommer und eine daraus resultierende Borkenkäferplage haben die heimische Forstwirtschaft in die Krise gestürzt. Das Überangebot verursachte einen Preissturz. „Und jetzt kommt noch die Coronakrise dazu, die die Absatzmöglichkeiten weiter einschränkt. Mittlerweile ist es schwer, Waldeigentümer zu motivieren, noch was zu machen. Bei der Fichte zahlen sie derzeit drauf.“ 2017 habe der Preis pro Festmeter bei bis zu 95 Euro gelegen, jetzt bei 50 Euro, „zum großen Teil sogar noch darunter“.

Käfer sind unterwegs

Im Prinzip müsste jeder vom Borkenkäfer befallene Baum eingeschlagen und aus dem Wald transportiert werden. „Aber das ist gar nicht mehr machbar.“ Eine Alternative wäre der Einsatz von Insektengift. „Das ist die Ultima Ratio, das haben wir hier im Kreis Herford aber noch nicht gemacht.“ Letztlich werde man da aber wohl nicht drumherum kommen. Denn: „Der Käfer fliegt bereits wieder.“

Der Landesbetrieb Wald und Holz startet jetzt Versuche, durch das Verpacken der gefällten Stämme mit Folie der Käferplage Herr zu werden: Unter der luftdichten Folie könnte das Holz jahrelang frisch bleiben. Innerhalb weniger Tage sei sämtlicher Sauerstoff unter den Folien verbraucht – die Borkenkäfer stürben, so die Annahme, die nun im Versuch bewiesen werden soll.

Nach Angaben des Waldbauernverbandes NRW hat der Borkenkäfer landesweit bislang etwa 50.000 Hektar zunichte gemacht, – das entspricht 70.000 Fußballfeldern. „Es ist offen, wie der Wald der Zukunft aussieht“, sagt Waldbauernvorsitzender Dr. Philipp Freiherr Heereman.

Risiko streuen

Förster Julian Schütz setzt auf die Anpflanzung klimaangepasster Bäume, um Kahlflächen zu schließen: Edelkastanie, aber auch Buche und Eiche. „Wir brauchen mehrere Arten, um das Risiko zu streuen.“ Bis zu einer wirtschaftlichen Nutzung dieser Bäume dauere es aber Generationen. „Und auch bei den Eichen und Buchen haben wir deutlich mehr Abgänge.“ Insgesamt werde der Wald in den nächsten fünf bis zehn Jahren verjüngt. „Wo jetzt Fichten stehen, werden wir viele neue Kulturen sehen.“

Nadelhölzer würden aber weiterhin dringend gebraucht. „Die sind als Bauholz wirtschaftlich sehr wichtig. Und wo soll sonst das Material für Dachstühle oder Möbel herkommen?“ Douglasie oder Weißtanne seien viel versprechend. Allerdings nur bei ausreichender Wasserversorgung. „In Tiefen unter einem Meter ist es immer noch richtig trocken.“ Wenn die Mikrokapillare einmal ausgedorrt seien, brauche der Boden immer länger, um seine Speicher aufzufüllen.

Hohe Regenerationskraft

Trotz aller schlechten Nachrichten gebe es aber auch Lichtblicke, sagt Timur Beck. Der Förster vom Regionalforstamt Hochstift ist für den Staatswald in und um Herford zuständig, unter anderem für 160 Hektar im Stuckenberg. „Die Bäume haben eine Regenerationskraft, das merkt man jetzt.“ Fichten und Birken wüchsen nach. Manche Bäume passten sich an, gewöhnten sich an die Trockenheit.

„Ja, die Lage ist angespannt, aber kein Weltuntergang.“ Viele Anpflanzungen seien jedoch eingetrocknet. Um dennoch einen gesunden Mischwald zu erhalten, würden unter anderem Vogelkirschen angepflanzt. Spaziergänger im Stuckenberg erkennen sie an den Plastikröhren, die die zarten Triebe vor Verbiss schützen.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7427778?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Arzt soll Patientinnen in Klinik vergewaltigt haben
Eventuell stehen die mutmaßlichen Taten im Zusammenhang mit Untersuchungen in einem MRT wie diesem. Foto: Huang
Nachrichten-Ticker