Graffiti-Künstler gestaltet Tupac-Sockel vor dem Marta Herford neu
Eine Säule gegen den Rassismus

Herford (WB). Von der Straßenseite her eine Faust, aus Richtung des Museums der Satz „I can’t brea­the“: Mit einem politischen Statement hat der Streetart-Künstler „Kobe Eins“ die Tupac-Säule am Marta gestaltet. Dabei will der Berliner, der mit bürgerlichem Namen Roger Berndt heißt, nicht nur Protest ausdrücken, sondern auch Dankbarkeit: Dankbarkeit gegenüber der schwarzen HipHop-Kultur, die ihn sein ganzes Leben begleitet habe, wie der 40-Jährige formuliert.

Freitag, 12.06.2020, 11:06 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 11:10 Uhr
Streetart-Künstler „Kobe Eins“ hat die Tupac-Statue vor dem Museum Marta umgestaltet. Mit seiner Arbeit will er gegen Rassismus protestieren und seine Dankbarkeit gegenüber der schwarzen HipHop-Kultur zum Ausdruck bringen. Foto: Lars Janssen
Streetart-Künstler „Kobe Eins“ hat die Tupac-Statue vor dem Museum Marta umgestaltet. Mit seiner Arbeit will er gegen Rassismus protestieren und seine Dankbarkeit gegenüber der schwarzen HipHop-Kultur zum Ausdruck bringen. Foto: Lars Janssen

Für HipHop steht der Name Tupac, der Satz „I can’t breathe“ verweist auf George Floyd, der in den USA zum Opfer rassistischer Polizeigewalt wurde. Sein Tod hat weltweite Proteste ausgelöst.

Weltweites Problem

Es wäre leicht, das Problem nur in den USA zu sehen, doch Kobe Eins hat einen anderen Ansatz. Als Weißer werde er in Berlin nicht rassistisch angegangen, sagt er. Aber es gebe natürlich auch in Deutschland Rassismus. Seine Arbeit sieht er als Aufforderung, über dieses Phänomen nachzudenken. Die Planeten, die auf der Säule zu sehen sind, sollen zum Ausdruck bringen, dass es sich beim Rassismus um ein weltweites Problem handelt. In diesem Zusammenhang ist dem Berliner ein Buch besonders wichtig: „Exit Racism“ von Tupoka Ogette.

Zuvor war auf der Säule der Skulptur ein Beitrag des Graffiti-Künstlers Sponk zu sehen. Es tue ihm leid, dass er das übermalt habe, sagt Kobe Eins: „Aber damit muss man als Graffiti-Künstler leben – ich ja auch.“

Beruf „Kunstmaler“

Etwa ein Jahr dauerte die Sponk-Zeit vor dem Marta. Wie lange seine eigene Arbeit bleibt, darüber wagt der Nachfolger keine Prognose. Aus seiner Heimatstadt weiß er: „Kunst mit politischer Aussage wird in Berlin schnell wieder übermalt.“ Es könne auch sein, dass jemand auf seiner Arbeit in Herford einen politischen Kommentar hinterlasse.

Seinen Beruf gibt der 40-Jährige mit „Kunstmaler“ an. Weil er sich für Kunst interessiert, stieß er irgendwann auch aufs Marta. Dabei erfuhr der junge Mann aus Neukölln von der Tupac-Skulptur, die auf einem mehr als vier Meter hohen Sockel steht. Und dass der Künstler Paolo Chiasera diese Säule so konzipiert hat, dass sie von Sprayern gestaltet werden kann und soll. Denn Graffitis gehören zur HipHop-Kultur dazu.

Am vergangenen Wochenende hat Kobe Eins besagte Säule besprüht und bemalt. Zuvor hat er mit Vertretern des Marta gesprochen, ihnen sein Anliegen vorgestellt. So will der Straßenkünstler die Besucher nachdenklich aus dem Museum treten lassen – wenn sie den Satz lesen, zu dem jeder das brutale Video im Kopf hat: „I can’t breathe.“

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7446497?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Steinmeier richtet Gedenkfeier für Corona-Opfer aus
Die Deutschlandflagge auf dem Reichstagsgebäude weht auf halbmast.
Nachrichten-Ticker