Özkan Ayaz (30) reagiert ruhig und besonnen – Video geht viral
Busfahrer rassistisch beleidigt

Herford/Spenge (WB). Montag, 22 Uhr: Eigentlich hat Busfahrer Özkan Ayaz gleich Feierabend. Er steht an der Endhaltestelle der Linie S1 an der Magdeburger Straße. Da wird er plötzlich von einem Fahrgast beschimpft und rassistisch beleidigt.

Freitag, 12.06.2020, 16:58 Uhr aktualisiert: 12.06.2020, 17:38 Uhr
Der aufgebrachte Passagier wollte, dass Özkan Ayaz ihn zum Alten Markt fährt. Dort hält die Linie S1 aber gar nicht. Foto:
Der aufgebrachte Passagier wollte, dass Özkan Ayaz ihn zum Alten Markt fährt. Dort hält die Linie S1 aber gar nicht.

Der Passagier fordert, dass der 30-Jährige ihn und eine Frau bis zum Alten Markt in der Herforder Innenstadt weiterfahren soll. Das sieht der aktuelle Fahrplan allerdings nicht vor. Özkan Ayaz bleibt ganz ruhig und antwortet dem aufgebrachten Mann immer wieder. Etwa 25 Minuten dauert das Gespräch. Den Vorfall hält der gebürtige Bünder mit türkischen Wurzeln in einem Video fest. Er teilt es in den sozialen Netzwerken – unter anderem auf seiner Facebook-Seite – und es geht direkt viral.

Üble Beschimpfungen

In der kurzen Videosequenz ist zu sehen, dass der aufgebrachte Fahrgast den BVO-Busfahrer, als „faulen Sack“ beschimpft, als dieser ihm erklärt, dass ein Halt am Alten Markt auf der Linie S1 nicht vorgesehen ist. Der Passagier sagt: „Das haben Sie wohl in Ihrem Land gelernt, da wo Sie herkommen. Sie denken wohl, dass sie etwas Besonderes sind.“ Ayaz bleibt ruhig und filmt weiter. In dem Video ist nur er selber zu sehen, der Fahrgast ist aus dem hinteren Bereich des Busses zu hören. Der Busfahrer erwidert, dass er gebürtiger Deutscher sei. Der Fahrgast sagt, dass er sich an den Vorgesetzten wenden will. Er bittet seine Begleiterin, den Fahrplan dafür abzufotografieren.

Das ist der Moment, in dem die beiden aussteigen, um auf den Busfahrplan draußen an der Haltestelle zu schauen. „Da habe ich schnell die Türen geschlossen. Sonst hätte ich wohl die Polizei rufen müssen“, meint der Spenger, der auch eine Kampfsportausbildung absolviert hat. Diese Techniken wende er aber niemals an, um Konflikte zu lösen.

Erstmals im Beruf angefeindet

Das Video habe er vor allem für seinen Arbeitgeber aufgenommen, um auf der sicheren Seite zu sein. „Mein Cousin meinte dann, ich solle es doch in den sozialen Netzwerken posten – gerade angesichts der aktuellen Rassismus-Thematik. Dass das Video so eine Welle auslöst, damit hätte ich niemals gerechnet“, sagt Özkan. Der 30-Jährige fährt seit 2014 Bus. In der Zeit hat er solche Anfeindungen noch nicht erlebt. „Ich habe eine Zeit lang in Bayern gelebt. Da wurde ich allerdings in der Schule als Kanake beleidigt.“ Seine Arbeit bei der BVO macht ihm viel Spaß. „Gerade junge Leute sagen, ich sei ihr Lieblingsbusfahrer, weil ich immer so locker drauf bin. Das freut mich.“

2700 Mal geteilt

Inzwischen haben 1300 Facebooknutzer das Video kommentiert, es wurde mehr als 2700 Mal geteilt. Da heißt es: „Super Reaktion. Diese Ruhe ist der Hammer.“ oder „Ohne Worte. Respekt, dass er so cool bleiben kann, ich hätte es niemals geschafft.“ Ein weiterer Kommentator schreibt: „Sehr gut und besonnen reagiert. Keiner hat das Recht, sich so zu benehmen wie dieser Fahrgast.“

Die Deutsche Bahn (DB), zu der die BVO gehört, positioniert sich deutlich gegen Rechtsextremismus, Diskriminierung und Gewalt. Eine DB-Pressesprecherin äußert sich auf Anfrage dieser Zeitung zu dem Vorfall und bewertet das Verhalten von Özkan Ayaz als „vorbildlich“. Leider komme es in den Verkehrsmitteln der DB immer mal wieder vor, dass sich Fahrgäste nicht so verhalten, wie es sein sollte, sagt sie. Die BVO biete ihren Fahrern seit 2014 ein Deeskalationsprogramm an. So etwas sei gesetzlich alle fünf Jahre vorgeschrieben. „Die BVO sattelt aber mit einem Zwei-Tagesseminar zusätzlich freiwillig auf“, so die Bahnsprecherin weiter. Da Özkan Ayaz allerdings erst seit einigen Monaten bei der DB OWL Lippe Bus arbeite, habe er dieses Seminar noch nicht durchlaufen. Das soll aber noch folgen.

Kommentar

Nicht nur in Amerika, auch in Deutschland, ja in Herford werden immer wieder Menschen rassistisch angegangen. Busfahrer hat sich vorbildlich verhalten, als ihn der Fahrgast beschimpft. Er lässt sich nicht provozieren. Als er das Video bei Facebook hochlädt, kann er nicht ahnen, was für eine Welle er da lostritt. Es tut ihm angesichts solcher Beleidigungen sicher gut, zu lesen, dass er viel Unterstützung erfährt – in zahlreichen Kommentaren aber auch von seinem Arbeitgeber.

 

 

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