Investor möchte die Studentenhäuser kaufen – Entscheidung im Rat
Fragen zum Millionendeal

Herford (WB). Etwa 40 Millionen Euro hat die Stadt in die Sanierung und den Umbau der drei Kasernengebäude an der Vlothoer Straße investiert. Ein Investor soll jetzt bereit sein, 48,5 Millionen Euro für die Immobilien zu bezahlen. Ein gutes Geschäft für die Stadt, das zugleich Fragen aufwirft.

Donnerstag, 18.06.2020, 10:33 Uhr aktualisiert: 18.06.2020, 10:36 Uhr
Investor möchte die Studentenhäuser kaufen – Entscheidung im Rat: Fragen zum Millionendeal
Foto: Winde

Die Arbeiten auf dem Hammersmith-Gelände gehen gut voran. Bis zum Jahreswechsel sollen die drei Kasernen aus den 1930er Jahren so umgebaut sein, dass dort 361 Studenten untergebracht werden können. Das Container-Dorf entlang der Stadtholzstraße, in dem die Studenten der Fachhochschule für Finanzen heute leben, kann dann aufgelöst werden.

Entscheidung ohne Öffentlichkeit

In der Ratssitzung am Freitag, 26. Juni, sollen die Mitglieder des Stadtrats über den Millionendeal entscheiden. Doch obwohl die Investition fast zehn Millionen Euro höher lag als beim Museum Marta, können etliche Ratsmitglieder nicht auf Anhieb sagen, wie denn der Investor heißt, der bereit ist, so viel Geld für die Studentenhäuser auf den Tisch zu legen. Darüber hinaus soll das Thema unter Ausschluss der Öffentlichkeit diskutiert werden.

Investoren aus Luxemburg

Es soll sich um eine Investorengruppe aus Luxemburg handeln, die über Erfahrungen mit der Vermietung von Studentenwohnungen verfügt. Bürgermeister Tim Kähler kann sich angesichts des bevorstehenden Deals eigentlich entspannt zurücklehnen. Die CDU hatte im Zusammenhang mit der Entwicklung des Bildungscampus von einem Millionengrab gesprochen. Jetzt stellt sich Kähler hin und sagt: „Seht her, wir nehmen bei den drei Häusern deutlich mehr ein, als wir ausgegeben haben.“ Zudem hatte die CDU immer darauf gedrängt, dass Private die Häuser übernehmen sollen.

Linke lehnt Deal ab

Die Linke hat bereits im Vorfeld der Ratssitzung deutlich gemacht, dass sie dem Millionengeschäft nicht zustimmen wird. Ihre Rechnung geht anders: In den vergangenen Monaten wurden die Geschäftsführer der Stadtentwicklungsgesellschaft (SEH) und auch Bürgermeister Tim Kähler nicht müde, zu erklären, dass die Stadt schon jetzt Geld mit der Vermietung der Studenten-Wohnungen in den Containern verdient. Die Fachhochschule für Finanzen soll, so viel steht fest, bis 2027 in Herford bleiben. Vielleicht sogar darüber hinaus. Warum nicht langfristig von diesem Geschäft profitieren anstatt auf einen Einmal-Effekt zu setzen?, fragt Inez Déjà von den Linken.

Für die CDU und wohl auch Teile der SPD ist aber höchst unsicher, ob die Fachhochschule über das Jahr 2027 hinaus in Herford bleiben wird. Sollten die Häuser jetzt nicht verkauft werden, stehe noch eine erhebliche Restschuld in den Büchern, die die Stadt dann ohne Mieteinnahmen zu tragen habe. Also verfährt man nach dem Motto: „Lieber den Spatz in der Hand als die Taube auf dem Dach.“ Hinzu kommt, dass die drei Häuser für die Unterbringung von Studenten umgestaltet worden sind.

Kleine Räume

Zimmergrößen von 17 bis 18 Quadratmeter inklusive Nasszelle müssten bei einer Nutzung als Wohnungen umgebaut werden. Wenn also ab 2027 die Studenten ausziehen, könnten aus 360 Studentenwohnungen dann etwa 100 Wohnungen mit einer Größe von 50 bis 60 Quadratmetern werden. Aus drei Studentenbuden eine Wohnung zu machen, würde auch bedeuten, die Trennwände zu entfernen und mindestens zwei Duschräume umzubauen.

Die Stadt, so fürchtet es die Linke, verliert mit einem Verkauf jeglichen Einfluss auf die Häuser. Beispiele in der Herforder Nordstadt zeigen, wie groß der Unterschied zwischen Immobilien der städtischen Tochter WWS und den Häusern von privaten Investoren sein kann. Ein Blick auf Fassade und Grünanlagen reicht, um sich festzulegen, wo man lieber wohnen möchte. Die Stadt kann aber andererseits in Zeiten, in denen aufgrund der Corona-Pandemie die Gewerbesteuereinnahmen um etwa 10 Millionen Euro einbrechen, ein Millionengeschäft machen. Keine einfache Entscheidung für die 44 Ratsmitglieder.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7455721?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Entscheidung zwischen Laschet und Söder - Frist läuft ab
Markus Söder (r), Ministerpräsident von Bayern und CSU-Vorsitzender, und Armin Laschet, CDU-Bundesvorsitzender und Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, kommen zu einer Pressekonferenz.
Nachrichten-Ticker