Schützenhof Herford: Pächterfamilie bangt um wirtschaftliche Existenz
Die große Leere

Herford (WB). Hohe Ausgaben – keine Einnahmen: Klar, dass diese Rechnung nicht aufgehen kann. Die Folgen der Corona-Pandemie haben die Pächter des Schützenhofs mit voller Wucht getroffen. „Wir brauchen dringend Hilfe. Sonst sind wir bald am Ende“, schlägt Juniorchefin Eda Hangül Alarm.

Montag, 22.06.2020, 07:07 Uhr aktualisiert: 22.06.2020, 07:10 Uhr
Das neue Deko-Herz hätte schon viele Hochzeitsgesellschaften erfreuen sollen: Doch seit Mitte März gab es coronabedingt keine Veranstaltungen mehr im Schützenhof – sehr zum Bedauern der Pächterfamilie um Sevim und Eda Hangül (mit Tochter Ela). Foto: Moritz Winde
Das neue Deko-Herz hätte schon viele Hochzeitsgesellschaften erfreuen sollen: Doch seit Mitte März gab es coronabedingt keine Veranstaltungen mehr im Schützenhof – sehr zum Bedauern der Pächterfamilie um Sevim und Eda Hangül (mit Tochter Ela).

Ob NWD-Konzerte, Hochzeiten, Vereinstreffen, Vorträge, Familienfeiern oder Parteisitzungen: Seit dem Shutdown Mitte März ist in den Sälen auf dem Stiftberg Flaute angesagt. Dort, wo sonst getanzt, gelacht, gegessen und getrunken wird, herrscht seit Monaten eine große, fast unheimliche Leere. „Wir waren eigentlich nur damit beschäftigt, die Stornierungen abzuarbeiten. In der Regel haben wir hier vier Veranstaltungen in der Woche“, sagt Mama Sevim Hangül.

Besonders bitter: Die Umsätze, die den Betreibern durch die Lappen gehen, sind weg. Die meisten Buchungen seien ersatzlos gestrichen, nur einige wenige verschoben worden. „Allein sieben Schulentlassfeiern wurden gecancelt. Es feiert ja keiner seinen Abschluss im nächsten Jahr nach. Das ist echt hart für uns“, sagt Eda Hangül (28), deren Familie den Schützenhof seit 2013 gepachtet und seitdem jede Menge Herzblut und Geld in die Immobilie investiert hat.

Noch zu Beginn des Jahres wurden 1000 neue Stühle und etliche Tischdecken angeschafft. Auch jede Menge Hochzeitsdeko – unter anderem ein Rosa-Rosen-Herz im XXL-Format – sowie reichlich Geschirr wurden gekauft. „Es konnte ja niemand ahnen, dass wir all dies erst einmal nicht brauchen werden“, bedauert Eda Hangül. Und es sei nicht abzusehen, wann wieder Party gemacht werden dürfe. „Unter 100 Leuten lohnt es sich für uns erst gar nicht, den Laden zu öffnen.“

Stadt Herford zeigt sich gesprächbereit

Ohne Feiern nichts zu tun: Die neun fest Angestellten sind in Kurzarbeit, die 30 Aushilfen komplett ohne Verdienst. Und auch für die Familie Hangül wird die finanzielle Luft immer dünner. „Wir haben zwar 25.000 Euro Soforthilfe bekommen. Doch die sind aufgebraucht. Wir müssen ja unsere laufenden Kosten weiter bezahlen“, erklärt Sevim Hangül.

Dazu zählt auch die Entrichtung der Pacht an die Stadt Herford. Man habe bereits um eine Reduzierung gebeten, bislang aber sei nichts passiert, sagt die 57-Jährige. Auf Nachfrage bestätigt Britta Kurlbaum, Geschäftsführerin der Stadtgarten- und Schützenhof GmbH (HSS): „Die Pacht unterteilt sich in Mindest- und Umsatzpacht. Die Umsatzpacht fällt mangels Umsatz sowieso weg. In Bezug auf die Mindestpacht ist die Geschäftsleitung der HSS gesprächsbereit und lösungsorientiert. Darüber ist man schon länger im Gespräch.“

Zunächst müsse jedoch geprüft werden, welche gewährten Soforthilfen und Unterstützungsprogramme für Unternehmen von Seiten des Landes und Bundes seit dem 15. März 2020 geflossen sind. „Davon werden wir weitere Entscheidungen abhängig machen.“

Etwas Gutes, sagt Sevim Hangül, habe die Zwangspause dann doch: „Ich kann viel Zeit mit meiner zehnmonatigen Enkelin Ela verbringen. Das lenkt ab und hilft durch die schwere Zeit.“

Der Schützenhof auf dem Stiftberg ist Herfords größtes Veranstaltungshaus und zugleich Heimat der NWD.

Der Schützenhof auf dem Stiftberg ist Herfords größtes Veranstaltungshaus und zugleich Heimat der NWD. Foto: Moritz Winde

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