Unruhe am Freitag stand „kurz vor der Gewalt“ – Tönnies übermittelt erste Mitarbeiterliste an den Kreis
ZUE: 15 der 16 Infizierten sind allein reisende Männer

Herford (WB). Die mit dem Coronavirus Infizierten in der Zentralen Unterbringungseinrichtung (ZUE) in der ehemaligen Harewood-Kaserne sind fast ausnahmslos allein reisende Männer. 15 der mittlerweile 16 Betroffenen gehören dieser Gruppe an.

Montag, 22.06.2020, 16:37 Uhr aktualisiert: 22.06.2020, 18:20 Uhr
In der ZUE in der ehemaligen Harewood-Kaserne sind mittlerweile 16 Flüchtlinge mit dem Virus infiziert. Foto: Moritz Winde
In der ZUE in der ehemaligen Harewood-Kaserne sind mittlerweile 16 Flüchtlinge mit dem Virus infiziert. Foto: Moritz Winde

„Da sie gemeinsam in einem Haus untergebracht sind, können wir das Geschehen lokalisieren und eingrenzen“, sagt Jörg List, bei der Bezirksregierung Dezernent für Flüchtlingsunterkünfte in OWL. Bisher liegen für 203 der 300 ZUE-Bewohner die Ergebnisse vor. „Die letzten Tests werden am Dienstag gemacht, so dass wir spätestens zur Wochenmitte alle Ergebnisse haben.“ Auch die 60 Betreuer sowie 30 Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes würden getestet – bislang ohne bestätigte Infektion.

Wie berichtet, hatten am Freitagnachmittag einige Flüchtlinge den Aufstand gegen die verhängte Quarantäne geprobt. Erst die Polizei, die mit mehreren Streifenwagen vor Ort war, konnte die Bewohner beruhigen. „Es ist niemand zu Schaden gekommen, aber sie Situation stand kurz davor, in Gewalt auszuarten“, sagt List. Die Bezirksregierung hatte sich bereits mit Beginn der Quarantäne in der vergangenen Woche mit verschiedenen Maßnahmen auf die Situation einzustellen versucht.

Mehr Sicherheitskräfte

So sei unter anderem die Zahl der Sicherheitskräfte um fünf erhöht worden, der Kiosk am Wochenende geöffnet geblieben, die Bewohner hätten Einkaufslisten abgeben dürfen, die Internet-Versorgung sei verbessert worden. „Zu dem Protest gegen die Anordnung, das Gelände nicht verlassen zu dürfen, kam Unzufriedenheit über das Essen und die sanitären Bedingungen hinzu“, sagt List. Da das Personal des Sicherheitsdienstleisters vor Ort keinen „unmittelbaren Zwang“ bei Konflikten ausüben dürfe, sei die Polizei gerufen worden.

Die Bewohner leben maximal zu viert, in Ausnahmefällen (etwa bei den allein reisenden Männern) auch mal zu fünft in einem Zimmer. Bei Familien könnten es noch mehr Geflüchtete pro Einheit sein. Um die sprachlichen Hürden zu überwinden, stünden mehrsprachige Betreuer und Sicherheitskräfte bereit. Gelinge auch ihnen die Verständigung nicht, könne auf dem Tablet ein Mitarbeiter eines Übersetzungsdienstes in Österreich zugeschaltet werden. „Das haben wir gerade für drei Monate gebucht“, erklärt List. Er hofft, dass all diese Maßnahmen die Situation befrieden. „Eine Garantie gibt es nicht.“

Gocksch-Befunde negativ

Insgesamt sind im Kreis im Vergleich zum Samstag vier neue Corona-Fälle dazugekommen. Somit gibt es 27 aktuelle und insgesamt 358 bestätigte Infektionen. Mittlerweile gelten 324 Personen wieder als genesen. In stationärer Behandlung befinden sich derzeit drei Infizierte. Die Situation beim Schlachthof Gocksch ist unverändert, sechs Test stehen noch aus – alle bisherigen Befunde sind negativ. Getestet wurden 100 Mitarbeiter.

Wie berichtet, hat der Kreis alle hier lebenden Beschäftigten des Tönnies-Konzerns unter Quarantäne gestellt. Am Sonntag übermittelte das Unternehmen dem Kreis eine erste Liste mit zwölf Namen. Nach Informationen dieser Zeitung sollen sechs Beschäftigte samt Familien in Herford wohnen und aus Bulgarien oder Rumänien stammen. Derzeit prüft der Kreis, ob weitere Mitarbeiter im Wittekindsland wohnen. Vor Ort gibt es laut Landrat Jürgen Müller aber keine größeren Unterkünfte für Werkvertragsarbeiter. Wie üblich halte der Kreis zu den Menschen in Quarantäne Kontakt, erkundige sich nach ihrer Gesundheit und überwache die Anordnung telefonisch.

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