Kreis unterzeichnet Vertrag – Eröffnung 2021 an der Berliner Straße
Hier bekommen Verbraucher bald Rat und Hilfe

Herford (WB). 45 Euro sollte das Corona-Sicherheitsset kosten – bestehend aus einer Mund-Nase-Maske und einer Rolle Klopapier. „Wir haben gegen den Anbieter eine Abmahnung erwirkt“, sagt Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW. Zur Zeit drehe sich alles um Corona. Damit Verbraucher aber auch in allen anderen Fragen Rat und Hilfe bekommen, wird nach jahrelangen Bemühungen und mehr als 20 Jahren Abstinenz in Herford Anfang nächsten Jahres wieder eine Beratungsstelle eröffnet – NRW-weit die 62.

Dienstag, 23.06.2020, 13:00 Uhr
Die Verbraucherzentrale wird die Beratungsräume (hinten) im Erdgeschoss der früheren Sparkasse an der Berliner Straße nutzen. Am Montag unterzeichneten Landrat Jürgen Müller und Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW (rechts), den Vertrag. Foto: Bexte
Die Verbraucherzentrale wird die Beratungsräume (hinten) im Erdgeschoss der früheren Sparkasse an der Berliner Straße nutzen. Am Montag unterzeichneten Landrat Jürgen Müller und Wolfgang Schuldzinski, Vorstand der Verbraucherzentrale NRW (rechts), den Vertrag. Foto: Bexte

Am Montag unterzeichneten Schuldzinski und Landrat Müller einen entsprechenden Vertrag. Der Kreis wird die Verbraucherzentrale jährlich mit 170.000 Euro unterstützen. Grundlage ist ein Beschluss des Kreistages von Dezember 2019. Mit dem Geld wird die Hälfte des Etats gedeckt, die andere soll das Land übernehmen. Die Verbraucherzentrale mietet etwa 200 Quadratmeter im ehemaligen Sparkassengebäude an der Berliner Straße, das der Kreis bekanntlich für 3,1 Millionen Euro gekauft hat . „Die Lage ist super“, schwärmt Schuldzinski. Drei Mitarbeiter(innen) auf 2,5 Stellen werden ab 2021 dort tätig sein: eine Leitungsstelle, eine Beraterstelle sowie eine Bürokraft.

Stellen werden ausgeschrieben

Sie übernehmen im Erdgeschoss bereits vorhandene, abgetrennte Beratungsräume sowie dahinter liegende Büros. Damit gehe ein jahrzehntelang gehegter Wunsch in Erfüllung, endlich auch in Herford für Ratsuchende wieder vor Ort sein zu können, erläutert Regionalleiterin Marle Kopf. „Bislang mussten sie ja immer nach Bielefeld.“ Alle anderen umliegenden Kreise verfügten hingegen über eigene Standorte.

Mit den 2,5 Stellen laufe Herford mit einer „minimalen Versorgung“ an. Die könnte jedoch später ausgebaut werden. So soll auch ein Energieberater – aus Bundesmitteln finanziert – zum Einsatz kommen, später auch Experten zum Thema Altersvorsorge und Geldanlage. „Das Beratungsteam nimmt die Anfragen persönlich, telefonisch oder per Mail entgegen“, sagt Kopf. Die 2,5 Stellen für den Start seien jetzt ausgeschrieben. Ganz wichtig sei deren Zusammenarbeit mit anderen Beratungsstellen vor Ort.

80 Prozent Erfolgsquote

Derzeit dominierten Anfragen in der Folge von Corona. „Viele Menschen, die jetzt in Kurzarbeit sind, fragen, wie sie langfristige Verträge weiterhin bezahlen können“, erklärt Schuldzinski. Auch das Thema Haftung für Reisekosten oder Tickets abgesagter Veranstaltungen nehme viele Raum ein. „Wir setzen aber nicht nur die Rechte der Verbraucher durch, wir wollen vor allem auch präventiv arbeiten“, kündigt Marle Kopf an. Deshalb wolle man noch in diesem Jahr Info-Veranstaltungen in der Innenstadt anbieten.

Der neue Eigentümer, der Kreis, wird im Erdgeschoss an der Berliner Straße ebenfalls Beratungsräume einrichten. „Etwa für Termine der Ausländerbehörde“, sagt Landrat Jürgen Müller. Er freut sich, dass es nach „intensiven, mehrjährigen Verhandlungen mit mehreren Anläufen“ endlich gelungen sei, wieder eine Verbraucherberatung zu etablieren.

Der Kontakt zur Verbraucherzentrale ist zunächst einmal kostenfrei. Eine Basisrechtsberatung – etwa die Überprüfung eines Handy-Vertrages – kostet neun Euro. Eine daran anschließende eingehendere Rechtsberatung schlägt mit weiteren 16 Euro zu Buche. „Für Transfergeldbezieher haben wir aber ein Budget, mit dem wir die Kosten übernehmen“, sagt Regionalleiterin Marle Kopf. Ziel bei Einzelberatungen von Privatpersonen sei immer die außergerichtliche Streitbeilegung. Das gelinge gut: In etwa 80 Prozent der Fälle ende der Konflikt im Sinne der Verbraucher. Deutlich teurer ist übrigens die Beratung in Sachen Altersvorsorge: Die kostet 170 Euro.

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