Umfrage der IHK: Betriebe im Kreis Herford bleiben auch nach den Lockerungen pessimistisch
Ein Drittel der Firmen will Personal abbauen

Herford (WB/rec). Industrie-, Handels- und Dienstleistungsbetriebe im Kreis Herford kündigen Personalabbau an. Gut ein Drittel der Unternehmen in allen drei Branchen will damit einer IHK-Umfrage zufolge auf die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise reagieren.

Mittwoch, 01.07.2020, 17:07 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 17:20 Uhr
Die Hälfte der 71 Industrieunternehmen, die von der IHK befragt wurden, beklagen einen Umsatzrückgang von zehn bis 25 Prozent. Foto: dpa
Die Hälfte der 71 Industrieunternehmen, die von der IHK befragt wurden, beklagen einen Umsatzrückgang von zehn bis 25 Prozent. Foto: dpa

Die Industrie- und Handelskammer Ostwestfalen zu Bielefeld hat diese Auskunft in einer Sonderkonjunkturumfrage in den Monaten Mai und Juni von insgesamt 227 Unternehmen bekommen – 71 davon stammen aus der Industrie, 69 aus dem Handel, 87 aus der Dienstleistungsbranche. Insgesamt beschäftigen diese Firmen 15.731 Mitarbeiter. „Die Corona-Pandemie setzt der Wirtschaft im Wittekindkreis mächtig zu“, stellen die beiden IHK-Vizepräsidenten Dr. Klaus Bockermann und Oliver Flaskämper daher übereinstimmend fest.

Nur acht Prozent der Industrieunternehmen im Kreis sprechen der IHK zufolge von einer guten, 48 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Im Vergleich zum Vorjahr seien seit Jahresbeginn die Umsätze bei der Hälfte der Industrieunternehmen zwischen zehn und 25 Prozent zurückgegangen. Die Erwartungen an die Entwicklung der Geschäftslage bleibe deutlich negativ, denn nur zwölf Prozent rechneten mit einer besseren, aber 60 Prozent mit einer schlechteren Geschäftslage.

Mit Digitalisoerung gegen die Krise

Dr. Klaus Bockermann: „Die Ertragserwartungen folgen dieser Einschätzung.“ Von den 71 Industriebetrieben mit 11.460 Mitarbeitern planten 27 Prozent einen Personalabbau. Um der Krise zu begegnen, haben laut IHK-Umfrage 79 Prozent Rationalisierungsmaßnahmen eingeleitet, 59 Prozent setzen auf eine verstärkte Digitalisierung im Unternehmen und 42 Prozent stellen ihre Geschäfte auf andere Produkt- und Kundengruppen um.

Ähnlich stellt sich die Lage im Handel dar. Nur 16 Prozent der Unternehmen sprechen von einer guten, 38 Prozent von einer schlechten Geschäftslage. Sowohl im Einzelhandel (gut: 25 Prozent; schlecht: 38 Prozent) als auch im Großhandel (gut: zehn Prozent; schlecht: 31 Prozent) überwiegen die Pessimisten.

Die Erwartungen der Händler an die kommenden Monate gingen noch weiter zurück. Bis Ende des Jahres gehen laut Umfrage 34 Prozent von einem Umsatzrückgang zwischen zehn und 25 Prozent aus, 18 Prozent rechnen sogar mit einem Rückgang von 25 bis 50 Prozent. Die erwarteten Erträge seien mit einem Saldo von minus 41 Prozent im Einzelhandel und minus 63 Prozent im Großhandel auf einem absoluten Tiefpunkt. Darüber hinaus planten 29 Prozent der 69 Handelsbetriebe einen Abbau ihrer 1947 Beschäftigten.

Jobmotor Dienstleistung ist gebremst

Auch die Dienstleister sind laut IHK-Befragung pessimistisch: Lediglich 19 Prozent sprechen von einer guten, 45 Prozent aber von einer schlechten Geschäftslage. Die aktuellen Erträge seien deutlich zurückgegangen. Auch in den kommenden Monaten erwarteten nur zehn Prozent der Dienstleister eine bessere Geschäftslage, aber 41 Prozent eine schlechtere.

Mit einer Umsatzsteigerung bis Ende des Jahres rechneten nur zehn Prozent, 58 Prozent gingen jedoch von Umsatzrückgängen aus. Olaf Flaskämper: „Der Jobmotor Dienstleistung ist gebremst, denn auch wenn 61 Prozent ihr Beschäftigungsniveau halten wollen, planen 27 Prozent einen Personalabbau und nur zwölf Prozent einen Aufbau.“

Der Gesamtumsatz in der Industrie ist von Januar bis April 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um vier Prozent gefallen, von 2,23 Milliarden Euro auf 2,14 Milliarden Euro. Die Zahl der Beschäftigten sank von 27.340 auf 26.957 um 1,4 Prozent. Der Inlandsumsatz sank stärker als der Export.

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