Mitten in der Corona-Krise übernimmt Daniel Ikacćdas Herforder Brauhaus
„Man muss etwas wahnsinnig sein“

Herford (WB). So viel Mut muss man erst einmal haben: Daniel Ikac hat mitten in der Corona-Krise seinen sicheren Job als Vertriebler aufgegeben und will richtig durchstarten – und zwar ausgerechnet in der Gastronomie.

Samstag, 04.07.2020, 07:07 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 09:58 Uhr
Daniel Ikac ist der neue Chef im Brauhaus. Mitten in der Corona-Krise hat er das Restaurant übernommen. „Ich bin von dem Konzept überzeugt.“ Foto: Moritz Winde
Daniel Ikac ist der neue Chef im Brauhaus. Mitten in der Corona-Krise hat er das Restaurant übernommen. „Ich bin von dem Konzept überzeugt.“ Foto: Moritz Winde

Ein bisschen wahnsinnig müsse man dafür schon sein, gesteht der 40-Jährige. Denn kaum eine andere Branche hat die globale Pandemie so hart getroffen wie das Gaststättengewerbe. Das hat Daniel Ikacćaber nicht davon abgehalten, die Brauhäuser zum goldenen Handwerk in Paderborn und Herford zu übernehmen.

Seit vier Wochen versucht er nun, die beiden Restaurants auf Kurs zu bringen – eine Mammutaufgabe. Der Betrieb in Herford hat nicht nur unter coronabedingter Zurückhaltung der Kunden und einer veränderten Ausgeh-Mentalität zu leiden.

Das Team muss zudem gegen den schlechten Ruf ankämpfen, für den der neue Chef aber rein gar nichts kann. „Trotzdem ist das natürlich ständig Thema. Jeder Gast spricht mich darauf an.“ Das Veterinäramt hatte dem Vorpächter den Laden mit 250 Plätzen zeitweise dicht gemacht – wegen unhaltbarer hygienischer Zustände.

Idealismus allein reicht nicht

Um das Image loszuwerden, darf Daniel Ikac nun sogar das Corporate Design des Franchiseunternehmens am Standort in Herford verändern. „Wir bekommen einen neuen Schriftzug und eine Speisekarte in anderem Design. Und die Wände dekoriere ich mit historischen Fotos der Innenstadt.“

Daniel Ikacćkommt aus einer Gastro-Familie und ist Feuer und Flamme für das Abenteuer Brauhaus. Er habe sich sofort in den Gänsemarkt verliebt, spricht von einer Kulisse wie aus einer Seifenoper. Von den Nachbarn sei er herzlich empfangen worden. Er will sich für das Projekt aufopfern („Ich habe sehr kurze Nächte“), verspricht qualitativ hochwertige Speisen, freundlichen Service und – für den Chef selbstverständlich – vorbildliche Sauberkeit.

Der Detmolder weiß aber auch, dass Idealismus allein nicht reichen wird. Schließlich muss er nicht nur Waren und Pacht, sondern auch 30 Angestellte bezahlen. Er hofft, dass die Gäste dem Brauhaus eine zweite Chance geben und der Neuanfang gelingt. Klar ist aber auch: „Sollte es einen zweiten Shutdown geben, werden wir das wirtschaftlich nicht überleben.“

Das Brauhaus am Gänsemarkt vor dem Brunnen in der Radewig.

Das Brauhaus am Gänsemarkt vor dem Brunnen in der Radewig. Foto: Moritz Winde

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