Bis zu zwei Drittel weniger Gäste – Händler gibt Stand auf
Besucher-Einbruch in Herfords Markthalle

Herford (WB). Sie wollten mit ihrem Start-Up gerade durchstarten – dann kam Corona. Jaqueline Hütter und Marc Uhlig ( Majamin ) sind mit ihren Babysalaten nicht mehr in der Markthalle vertreten. Das Virus und seine Folgen hat drastische Auswirkungen auf die Besucherfrequenz.

Samstag, 04.07.2020, 08:08 Uhr aktualisiert: 04.07.2020, 08:10 Uhr
Auch am Freitagmittag ist sehr wenig in der Markthalle los. Foto: Moritz Winde
Auch am Freitagmittag ist sehr wenig in der Markthalle los. Foto: Moritz Winde

Nach Angaben der Stadtmarketing-Agentur Pro Herford sind die Zahlen massiv eingebrochen. Während vor dem Ausbruch der Krankheit (Oktober, November, Januar, Februar) monatlich im Durchschnitt 30.000 Gäste kamen, waren es zur Hochzeit der Infektionswelle im April mit 10.000 gerade einmal ein Drittel. „Das hat zum Einen natürlich mit den geschlossenen Gastro-Ständen zu tun. Zum Anderen durften wir zu dieser Zeit gerade einmal 25 Besucher hereinlassen“, sagt Hallen-Manager Stefan Tillmann.

Geben ihren Marktstand auf: Jaqueline Hütter und Marc Uhlig.

Geben ihren Marktstand auf: Jaqueline Hütter und Marc Uhlig. Foto: Moritz Winde

Zwei weitere Zahlen verdeutlichen das Dilemma: Normalerweise tummeln sich an einem Samstag 3200 Besucher in der Markthalle, in Corona-Zeiten sind es 1200. Der Betreiber hat mit der Reduzierung der Öffnungszeiten reagiert. Das soll nicht zuletzt die Händler entlasten. Um 13.30 Uhr ist jetzt dienstags, donnerstags, freitags und samstags Schluss.

Zwar ist die Besucher-Tendenz steigend (Mai: 15.000/Juni: 17.000), von Normalität kann aber noch lange keine Rede sein. Kein Wunder: Ein gemütliches Schlendern durch das historische Gebäude, das im vergangenen Jahr für mehr als fünf Millionen Euro saniert wurde, ist mit Maske für viele einfach nur lästig. „Dadurch verliert die Markthalle ihren ureigenen Charakter. Es geht bei unserem Konzept ja auch ums Sehen und Gesehen werden“, findet Antonietta Galasso, die ab September die Aufgaben von Stefan Tillmann übernehmen soll, der einen neuen Job beim Pflegedienstleister Bonitas antritt .

 

Jaqueline Hütter und Marc Uhlig von Majamin haben sich inzwischen Jobs im Einzelhandel gesucht – und zwar im E-Center Wehrmann. „Wirtschaftlich hat sich der Stand in der Markthalle leider nicht mehr gelohnt. Auch wenn uns das Herz geblutet hat, aber wir wollten unser Unternehmen nie auf Pump aufbauen“, sagt der 28-Jährige. Deshalb gingen sie lieber einen Schritt zurück.

Denn nicht nur die Umsätze in der Markthalle passten nicht mehr, auch Restaurants hätten kaum noch etwas bestellt. Den Traum von der Selbstständigkeit will das Paar aber nicht aufgeben, auch eine Rückkehr in die Markthalle schließt Marc Uhlig nicht aus.

Die Gastronomen in der Markthalle trifft es besonders hart: Die meisten Tische bleiben unbesetzt.

Die Gastronomen in der Markthalle trifft es besonders hart: Die meisten Tische bleiben unbesetzt. Foto: Moritz Winde

Kommentare

Oetinghauserin  schrieb: 05.07.2020 09:45
"Sehen und gesehen werden" reicht nicht!
Der Besuch der Markthalle wird wohl nicht nur wegen der Veränderungen, die die Corona-Pandemie ausgelöst hat, uninteressant! Bei Pro Herford sollte man hinterfragen, ob das Angebot in der Halle für Kunden interessant ist, um vier 4 Markttage zu bestreiten. Die Besuchergruppe "sehen und gesehen werden" reicht wohl kaum aus, um allen Händlern dauerhaft zufriedenstellende Umsätze zu ermöglichen. Die Verkürzung der Öffnungszeiten um eine halbe Stunde ist nach meiner Einschätzung eher unerheblich. Bei einem vielfältigeren Angebot an Waren für den täglichen Bedarf durch eine größere Anzahl an Händlern würde sich der Weg in die Markthalle auch mit Mund-Nasen-Schutz lohnen.
1 Kommentare
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