Deutsche Glasfaser Wholesale soll den Kreis Herford mit Breitband versorgen
Schluss mit der langen Leitung

Herford (HK). Auf dieses Ausschreibungsergebnis warten Firmen und Haushalte im Kreis Herford seit gut zehn Jahren. Die Glasfaser Deutschland Wholesale GmbH soll dem Vernehmen nach so schnell wie möglich die Breitbandlücken in den neun Kommunen stopfen.

Mittwoch, 08.07.2020, 08:00 Uhr
Die Deutsche Glasfaser Wholesale GmbH würde alles in den Kreis Herford mitbringen, was man so für schnelles Internet braucht: Kapital, Tiefbauunternehmen und Know-How. Ob sie beauftragt wird, entscheidet sich im Herbst. Foto: Martin Wissen
Die Deutsche Glasfaser Wholesale GmbH würde alles in den Kreis Herford mitbringen, was man so für schnelles Internet braucht: Kapital, Tiefbauunternehmen und Know-How. Ob sie beauftragt wird, entscheidet sich im Herbst. Foto: Martin Wissen

Offiziell bestätigt wird das erst, wenn die von Bund und Land zugesagten Fördersummen fließen und der Ausbauvertrag für den Anschluss von 6.519 Haushalten, 937 Gewerbeeinheiten und 68 Schulen unterschrieben ist – also im Oktober oder November. Bis dahin werden die Ausbaustandorte im Detail festgelegt und mit dem Naturschutzbeirat abgestimmt.

Brieftauben sind schneller

Die blanke Datenübertragungsnot hat längst Konkurrenten auf den Plan gerufen und rein kommunal finanzierte Ausbauträume keimen lassen. Noch vor vier Jahren wies Harald Grefe von der Industrie- und Handelskammer (IHK) auf die Ergebnisse der Standortumfrage im Kreis Herford hin, wonach der Breitbandausbau die mit Abstand wichtigste Forderung von 5340 Unternehmen ist. Passiert ist sowohl vor als auch nach dieser Umfrage nichts – eine Löhner Firma wickelte sogar ihren Umzug auf den Wittel wieder ab, weil laut Geschäftsführer selbst verschickte Brieftauben schneller Nachrichten transportierten als der dortige Internetanschluss. Die Vorwürfe trafen Landrat Jürgen Müller, hätten aber an den Bund adressiert werden müssen. Der hatte allein in den vergangenen vier Jahren dreimal die Bedingungen verändert, zu denen der Internetausbau gefördert werden sollte. Daraufhin konnte der Landrat immer wieder neue Anträge stellen.

Herfords Bürgermeister Tim Kähler würde darum am liebsten ganz auf die Bundes- und Landesförderung verzichten, um mit einem Partner in einer eigenen Gesellschaft selber Glasfaserleitungen an den „weißen Flecken“ zu verlegen – das sind Orte mit weniger als 30 Mbit/Sekunde Up- und Downloadgeschwindigkeit. Allerdings würden dort Investitionskosten zwischen 90 Millionen Euro (Teile von Gütersloh), 122 Millionen Euro (Bad Oeynhausen) oder 280 Millionen Euro (Teile von Bielefeld) auf die Stadt zukommen und die Suche nach Tiefbauunternehmen, die sich für die nächsten zehn Jahre nichts weiter vorgenommen haben.

Kapital und Kabelverleger

Beides bringt die Deutsche Glasfaser mit – sowohl das Kapital als auch die Kabelverleger. Hinter dem 2011 in Borken gegründeten Telekommunikationsunternehmen stehen die schwedische Investmentgesellschaft EQT und der kanadische Pensionsfonds Omers. Solche Finanzinvestoren mögen Glasfaserleitungen, weil sie Jahrzehnte halten, auf Geschwindigkeiten von mehr als einem Gigabit aufrüstbar sind und nach einer hohen Anfangsinvestition langfristig verlässliche Erträge abwerfen. Die Deutsche Glasfaser würde so wie andernorts ein oder zwei Filialen im Kreis Herford eröffnen, um Ansprechpartner vor Ort zu stellen. Vor allem aber nimmt sie dem Kreis das Abnahmerisiko ab. So wartet Vodafone in Bünde und Kirchlengern noch immer auf Antworten, ob die Anwohner in Gewerbe- und Wohngebieten überhaupt bereit sind, die später anfallenden Anschlusskosten und monatlich fälligen Beiträge auch zu zahlen.

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