Ende nach mehr als 50 Jahren: „Es gab Unstimmigkeiten“ – Klaus Oehler ist überrascht
Mieterverein Herford trennt sich von Anwaltskanzlei

Herford (WB). Der Herforder Mieterverein hat seinem Anwalt Klaus Oehler sozusagen das Mandat entzogen. Es habe Unstimmigkeiten gegeben, erklärt Geschäftsführerin Angela Meier. Seit Gründung Mitte der 50er Jahre war die familiengeführte Kanzlei für den Verein tätig.

Donnerstag, 09.07.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 09.07.2020, 06:10 Uhr
Angela Meier ist die langjährige Geschäftsführerin des Herforder Mietervereins, der seinen Sitz in der Innendstadt Auf der Freiheit 2 hat. Foto: Moritz Winde
Angela Meier ist die langjährige Geschäftsführerin des Herforder Mietervereins, der seinen Sitz in der Innendstadt Auf der Freiheit 2 hat. Foto: Moritz Winde

Klaus Oehler, der Stadtverbandsvorsitzender der CDU ist, sagt im Gespräch mit dieser Zeitung, er sei überrascht über die Kündigung gewesen. „Mir hat der Verein in einer E-Mail mitgeteilt, ich solle auf die Hälfte meines Salärs verzichten, sonst würde man sich von mir trennen.“ Da er während der Pandemie aber weiterhin reichlich zu tun gehabt habe, sei er damit nicht einverstanden gewesen. Daraufhin sei das Arbeitsverhältnis tatsächlich beendet worden.

Für den Mieterverein stellt sich die Sache anders dar. „In der Hochzeit der Corona-Krise hatte auch das Anwaltsbüro mehrere Wochen geschlossen. Da gab es nicht so viele persönliche Beratungen, der Aufwand war dementsprechend geringer. Deshalb wollten wir, dass der Verdienst für diese Zeit reduziert wird. Wir können für nichts ja auch nichts bezahlen. Schließlich sind wir unseren Mitgliedern Rechenschaft schuldig“, sagt Angela Meier.

„Vermehrt Beschwerden“

Der Mieterverein vertritt nach eigenen Angaben 2300 Mitglieder, 70 Prozent davon wohnen in der Stadt Herford. Oft gehe es um Ärger mit dem Vermieter über Nebenkostenabrechnungen, Schimmel oder Mieterhöhungen. Klaus Oehler sagt, er habe im Durchschnitt 20 persönliche Beratungen pro Woche durchgeführt. Die Jahresgebühr für Neumitglieder beträgt 65 Euro, Bestandsmitglieder zahlen weniger – je nach Dauer der Zugehörigkeit.

Offenbar waren die Differenzen um die Vergütung aber nur der sprichwörtliche Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat. Angela Meier – sie hat pikanterweise in der Kanzlei Oehler ihre Ausbildung zur Rechtsanwaltsfachangestellten absolviert – betont, dass es in den vergangenen Jahren vermehrt zu Beschwerden der Mitglieder über die Beratungsleistung von Klaus Oehler gekommen sei. „Viele haben sich mit ihren Problemen dort nicht gut aufgehoben gefühlt. Das ging soweit, dass es deshalb Austritte gab.“ Der Vorstand habe die negativen Rückmeldungen mehrfach mit Klaus Oehler besprochen, geändert habe sich nichts. Die Google-Bewertungen des Mietervereins liegen bei 2,4 von fünf Sternen.

Klaus Oehler sagt, es habe im Vorfeld keinen größeren Streit und keine Beschwerden gegeben. Genau aus diesem Grund sei er ja auch so erstaunt gewesen. Für ihn sei die Beratung für den Verein ein wichtiger wirtschaftlicher Faktor gewesen, der nun weggebrochen sei. Neuer Rechtsbeistand des Mietervereins ist Anwalt Jörg Beckmann – jener Kollege, den Klaus Oehler dem Verein bei einer Interessenkollision selbst empfohlen hatte.

Kommentar von Moritz Winde

Warum auch immer der Streit eskaliert ist: Weder auf die Kanzlei noch auf den Mieterverein wirft das Ende der geschäftlichen Beziehung nach mehr als 50 Jahren ein gutes Licht.

Kaum vorstellbar, dass der Verein wegen ein paar Nichtigkeiten seinen Anwalt mir nix, dir nix vor die Tür setzt. Schließlich weiß kein anderer besser um die Sorgen der Mitglieder Bescheid – und um deren laufende Verfahren.

Hoffentlich gibt es nicht noch eine Schlammschlacht oder eine gerichtliche Auseinandersetzung. Das wäre noch schlechter fürs beiderseitige Image.

Klaus Oehler ist Rechtsanwalt und Chef des CDU-Stadtverbands Herford.

Klaus Oehler ist Rechtsanwalt und Chef des CDU-Stadtverbands Herford.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7485885?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Eine Liga, zwei Welten
Schon 2016 beim ersten und bisher einzigen Arminia-Gastspiel in Leipzig wurde klar: RB (hier Diego Demme) ist kaum aufzuhalten. Dennoch entführten Seung-Woo Ryu und der DSC beim 1:1 damals einen Punkt aus der Red-Bull-Arena.
Nachrichten-Ticker