Weshalb Marcel Bauersfeld vor der Herforder Moschee beim Freitagsgebet Lärm macht
Mit Löffel und Topf gegen Muezzin-Ruf

Herford (WB). Freitagmittag, Punkt 13.30 Uhr: Als der Muezzin in der Ditib-Moschee zum Gebet ruft, steht Marcel Bauersfeld auf dem Gehweg der Bielefelder Straße – wieder einmal. Unentwegt hämmert er mit einem Löffel auf einen Kochtopf. Kurz darauf kommt die Polizei und schickt ihn weg.

Samstag, 11.07.2020, 06:06 Uhr aktualisiert: 12.07.2020, 21:29 Uhr
Die Polizei hat bereits auf ihn gewartet: Marcel Bauersfeld im Gespräch mit den beiden Beamten vor der Ditib-Moschee. Nach längerer, sachlicher Diskussion wird der 37-Jährige weggeschickt. Doch er sagt: „Ich komme nächsten Freitag wieder.“ Foto: Moritz Winde
Die Polizei hat bereits auf ihn gewartet: Marcel Bauersfeld im Gespräch mit den beiden Beamten vor der Ditib-Moschee. Nach längerer, sachlicher Diskussion wird der 37-Jährige weggeschickt. Doch er sagt: „Ich komme nächsten Freitag wieder.“ Foto: Moritz Winde

Ist das nun freie Meinungsäußerung oder stört der 37-Jährige mit seiner Aktion die Religionsfreiheit? „Da prallen zwei Grundrechte aufeinander“, sagt Polizeisprecherin Simone Lah-Schnier. Sobald allerdings der Verdacht einer Straftat vorliege, dürfe die Polizei – wie in diesem Fall – einen Platzverweis aussprechen. Gegen den Herforder, der bis zu diesem Zeitpunkt polizeilich nie in Erscheinung getreten ist, liegt nach Angaben der Behördensprecherin bereits eine Anzeige wegen Störung der Religionsfreiheit vor.

Am 3. Juli hatte Marcel Bauersfeld vor der Moschee ebenfalls ordentlich Lärm gemacht. Vor einer Woche aber nutzte er eine Kuhglocke. „Die wurde von der Polizei eingezogen. Deshalb bin ich heute mit dem Topf hier“, sagt er. Der Fall liegt derzeit bei der Bielefelder Staatsanwaltschaft. Dort werde geprüft, ob es sich um eine Straftat handelt, sagt Simone Lah-Schnier. So lange bleibe die sicher gestellte Kuhglocke bei den Behörden.

Per Megafon erklingt am Freitag der Muezzin-Ruf.

Per Megafon erklingt am Freitag der Muezzin-Ruf. Foto: Moritz Winde

Zum dritten Mal hintereinander protestiert der 37-Jährige an diesem Freitag gegen den islamischen Gebetsruf,  den Bürgermeister Tim Kähler der türkischen Gemeinde Mitte Juni erlaubt hatte . Seitdem sorgt die Entscheidung des Verwaltungschefs für kontroverse Diskussionen. Die  CDU um Bürgermeisterkandaidatin Anke Theisen hatte die Entscheidung kritisert. Eine  Ratsmehrheit allerdings sieht den Gebetsruf als Grundrecht an.

Marcel Bauersfeld stellt im Gespräch mit dieser Zeitung klar: „Ich bin weder links- noch rechtsextrem. Ich habe auch nichts gegen andere kulturelle Gepflogenheiten. Mich stört einzig und allein der Muezzin-Ruf, der in meinen Augen nichts anderes als ein Aufruf zum Kalifat ist. Ich möchte hier keine Scharia haben.“

Der Demonstrant sagt, er habe den Koran eingehend studiert. Mit der Erlaubnis des Muezzin-Rufs sei die Büchse der Pandora geöffnet worden. „Andere türkische Gemeinden könnten dasselbe Recht für sich in Anspruch nehmen.“ Er fordert, dass die Stadt Herford die Genehmigung zum Muezzin-Ruf rückgängig macht.

Der 37-Jährige kündigt an, am kommenden Freitag wiederzukommen. „Ich bin mal gespannt, ob ich wegen einer Kuhglocke oder eines Kochtopfes strafrechtlich verfolgt werde“, sagt er.

Die Ditib-Gemeinde könnte das verhindern, wenn sie beim Amtsgericht eine einstweilige Verfügung mit einem Annäherungsverbot erwirkt. Das heißt: Marcel Bauersfeld dürfte sich nur bis zu einem bestimmten, festgelegten Abstand der Moschee nähern.

Marcel Bauersfeld macht Lärm mit Topf und Löffel.

Marcel Bauersfeld macht Lärm mit Topf und Löffel. Foto: Moritz Winde

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