Schwerpunktkontrollen der Polizei – Anwärter lernen neue App kennen
Im Einsatz gegen Raser

Herford (WB).Verkehrskontrollen im Herforder Stadtgebiet. Etwa 30 Beamte sind im Einsatz. Mit dabei: viele Auszubildende, die das erste Mal den praktischen Teil des Polizeidienstes erleben. Sie halten Ausschau nach Rasern und getunten Autos, achten auf Alkohol- und Drogenkonsum. Das WESTFALEN-BLATT hat die Polizisten begleitet.

Montag, 13.07.2020, 02:49 Uhr aktualisiert: 13.07.2020, 05:02 Uhr
Schwerpunktkontrolle der Polizei im Kampf gegen Raser in Herford: Am Wochenende wurden fast 3000 Fahrzeuge kontrolliert. Hierbei wurden etwa 200 Verstöße festgestellt. Foto: Christian Müller
Schwerpunktkontrolle der Polizei im Kampf gegen Raser in Herford: Am Wochenende wurden fast 3000 Fahrzeuge kontrolliert. Hierbei wurden etwa 200 Verstöße festgestellt. Foto: Christian Müller

Samstag, 19 Uhr. Die Polizisten treffen sich zur Lagebesprechung. Volker Huß, Leiter der Polizeiwache Herford erklärt, was bevorsteht. „Uns erreichten viele Bürgerbeschwerden über laute Autos und PS-Protzer, die Rennen im Stadtgebiet fahren. Dazu ein schlimmer Unfall und die Möglichkeit, den jungen Auszubildenden die Praxis näher zu bringen. Unterstützung erhalten wir von der Stadt und dem Kreis Herford, die Geschwindigkeitsmessungen aus Zivilfahrzeugen durchführen. Gerade bei jungen Autofahrern stellen wir immer öfter Alkohol und Drogen am Steuer fest.“

Premiere in Uniform

Eine der ersten Kontrollstellen an der Elverdisser Straße ist gegen 20 Uhr eingerichtet. Mit dabei ist auch Romy Rothenberger. Die 22-Jährige ist im ersten Ausbildungsjahr und etwas aufgeregt.

„Das ist mein erster Einsatz in meiner Ausbildungszeit, bei dem ich als Polizistin erkennbar draußen unterwegs bin. Ich fühle mich neben meinen erfahrenen Kollegen sehr gut aufgehoben. Sie lassen mich auch manchmal selbstständig die Kontrolle durchführen, achten aber immer darauf, dass ich alles richtig mache. Das Spannendste ist das Anhalten der Autofahrer und die Drogenschnelltests“, findet die 22-Jährige.

Sie ist am Samstagabend auch auf der Mindener Straße eingesetzt und winkt die Autofahrer selbstbewusst raus. Mit Hilfe ihrer dienstälteren Kollegen meistert die junge Frau ihre ersten Kontrollen souverän und seriös. »Ich war schon aufgeregt, es hat aber alles gut funktioniert. Man möchte natürlich nichts falsch machen.« In einer Woche sitzt Romy Rothenberger mit zwei erfahrenen Beamten im Streifenwagen, erklärt Huß.

Theorie und Praxis

Er erläutert: „Der Bachelorstudiengang teilt sich in Theorie, Training und Praxis. Theoretisches erlernen die Anwärter in der Fachhochschule, das Training findet in der Polizeischule in Schloß Holte-Stukenbrock statt. Das Gelernte wurde bei den Kontrollen im praktischen Teil umgesetzt. Im weiteren Praxisteil erfahren die angehenden Polizisten als dritte Frau oder dritter Mann auf dem Streifenwagen alles rund um den Polizeidienst.“

Die Beamten errichten am Freitag- und Samstagabend mehrere Kontrollstellen. Am Freitag werden etwa 1300 Fahrzeuge gemessen. Dabei stellen die Beamten 113 Verstöße fest, die Hälfte davon sind Ordnungswidrigkeiten. Ein Auto wird nach einer Überprüfung bei der Dekra wegen von Umbauten stillgelegt. Am Samstag werden bis in die Nacht 1550 Fahrzeuge gemessen.

Hier werden nur etwa 89 Verstöße festgestellt. Zwei gemessene Fahrzeuge liegen deutlich über den erlaubten Höchstgeschwindigkeiten. 172 km/h bei erlaubtem Tempo 100 und 99 km/h bei erlaubtem Tempo 50, gemessen in der Straße Auf der Freiheit.

An der Elverdisser Straße halten die Polizisten einen jungen Herforder an, der mit 71 km/h bei erlaubten 50 km/h gemessen wurde. Der junge Mann hat eine geteilte Meinung zu den Kontrollen. „Ich wohne hier in der Nähe und mir ist die Straße nicht als Unfallschwerpunkt bekannt. Ich finde die Kontrolle übertrieben, viel wichtiger wäre es Autos anzuhalten, die deutlich schneller unterwegs sind und in der Innenstadt Rennen fahren.“

Neue App erleichtert Arbeit

Die Kennzeichen und Ausweise der kontrollierten Fahrer und Fahrzeuge werden mit einem Diensthandy fotografiert. Wolfgang Helm, Polizeihauptkommissar beim Verkehrsdienst, erklärt den Polizei-Azubis die neue Technik.

Das neue Diensthandy ist für den täglichen Dienst hervorragend und Mann-Ausstattung in Nordrhein-Westfalen. Die Fahndungsabfragen müssen nicht mehr über die Leitstelle stattfinden, sondern können den Beamten alle relevanten Angaben direkt anzeigen. Das entlastet auch den Sprechfunk der Polizei und spart mitunter Zeit. Das System der Polizei-App erkennt das Kennzeichen automatisch, sodass es nicht eingetippt werden muss.“

Insgesamt konnte die Polizei mit der Bilanz des Wochenendes zufrieden sein. So wurde neben den Geschwindigkeitsmessungen eine Vielzahl an Drogenvortests ohne relevante Ergebnisse durchgeführt, teilte Pressesprecherin Simone Lah-Schnier am Sonntag mit. Etwa 15 Autofahrer mussten Verwarngelder zahlen, da sie ohne Gurt unterwegs waren oder sich am Steuer mit dem Handy beschäftigten.

Vor allem konnten sie den Auszubildenden die Praxis näherbringen, erklärte Volker Huß. »Erwartungsgemäß hatte es sich bei den Autofahrern schnell rumgesprochen, dass Kontrollen durchgeführt werden. Damit hatten wir allerdings unser Ziel erreicht, indem langsamer und vorsichtiger gefahren wird.«

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