Bluttat in Hiddenhausen-Eilshausen: Verteidiger kritisiert Entscheidung des OVG Münster
Ominöser Zeuge darf nicht aussagen

Hiddenhausen (WB). Es bleibt dabei: Der ominöse Zeuge „Nuri“ darf im Prozess vor dem Landgericht Bielefeld um die Bluttat von Eilshausen nicht aussagen. Das Oberverwaltungsgericht (OVG) in Münster hat dies mit zwei Eilbeschlüssen entschieden.

Samstag, 25.07.2020, 05:29 Uhr
Die Bünder Straße in Eilshausen kurz nach der Tat. Hier wurde Raschad A. (30) am 30. Mai 2019 erstochen. Foto: Weege
Die Bünder Straße in Eilshausen kurz nach der Tat. Hier wurde Raschad A. (30) am 30. Mai 2019 erstochen. Foto: Weege

Der Mann, der bereits in zahlreichen anderen Fällen der Polizei Informationen zugetragen haben soll, hatte gegenüber den Beamten angegeben zu wissen, dass der jetzt Angeklagte Ismet A. am 30. Mai 2019 den 30-Jährigen Raschad A. auf offener Straße in Eilshausen niedergestochen habe. Das NRW-Innenministerium hatte jedoch per Sperrerklärung verboten, dass „Nuri“ seine Aussage vor Gericht wiederholt – ein äußerst seltener Vorgang. Zu groß sei die Gefahr für dessen Leib und Leben. Dagegen waren Anwalt Martin Lindemann, der Ismet A. vertritt, aber auch Vertreter der Nebenklage gerichtlich bis zum OVG vorgegangen – vergeblich.

Angst vor Vergeltung

Vor dem Hintergrund des erheblichen Tatvorwurfs sowie des Umfeldes der Angeklagten erscheine es gut nachvollziehbar, „dass die Vertrauensperson bei Bekanntwerden ihrer Identität mit gewalttätigen Versuchen der Einflussnahme oder mit Vergeltungsmaßnahmen konfrontiert wäre“, heißt es in der am Freitag veröffentlichten Begründung des OVG.

Der Gefahr der Offenbarung der Identität des Zeugen könne auch nicht ausreichend durch eine audiovisuelle Vernehmung unter Ausschluss des Angeklagten und der Öffentlichkeit sowie Verfremdung von Bild und Ton begegnet werden. Angesichts der erheblichen Gefahren für Leben und körperliche Unversehrtheit sei es auch nicht zu beanstanden, dass das NRW-Innenministerium „dem Schutz der Vertrauensperson ein höheres Gewicht als den Interessen der Angeklagten und dem staatlichen Interesse an der objektiven Wahrheitsfindung eingeräumt habe“, erläutert das OVG.

„Er hat die Unwahrheit gesagt“

Anwalt Lindemann kritisiert den Beschluss: „Ich verstehe nicht, warum das Interesse des Landes hier schwerer wiegt als die Aufklärung dieses Falles.“ Denn „Nuri“ habe eindeutig die Unwahrheit gesagt. „Er wurde dreimal von der Polizei vernommen. Erst sprach er von eigenem Wissen, dann will er nur etwas gehört haben und schließlich wusste er nicht einmal mehr von wem.“ Die Vernehmungsprotokolle waren an einem der ersten Verhandlungstag verlesen worden.

Ismet A. und sein Bruder Ferhan müssen sich seit Dezember wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung mit Todesfolge vor dem Landgericht verantworten. Motiv für die Tat soll ein Streit um 1200 Euro gewesen sein. Zunächst waren beide sogar wegen Mordes angeklagt. Der Prozess wird erst am 5. Oktober fortgesetzt – einer der drei Richter ist in Elternzeit.

Kommentare

Diese Diskussion ist geschlossen. Kommentieren ist nicht mehr möglich.
 
https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/7507510?categorypath=%2F2%2F2158585%2F2158590%2F2198384%2F2198393%2F2514620%2F
Eine Liga, zwei Welten
Schon 2016 beim ersten und bisher einzigen Arminia-Gastspiel in Leipzig wurde klar: RB (hier Diego Demme) ist kaum aufzuhalten. Dennoch entführten Seung-Woo Ryu und der DSC beim 1:1 damals einen Punkt aus der Red-Bull-Arena.
Nachrichten-Ticker