Staatsanwaltschaft sieht Störung der Religionsausübung – AfD spricht von Skandal
Moschee-Protestler in Gewahrsam

Herford (WB). Seit vier Wochen protestiert Marcel Bauersfeld jeden Freitag vor der Ditib-Moschee gegen den Muezzin-Ruf. Erst mit einer Kuhglocke, dann mit Topf und Löffel. Nun ist der 37-Jährige von der Polizei in Gewahrsam genommen worden. Die AfD filmte das Geschehen, bezeichnete das Vorgehen der Beamten als unverhältnismäßig.

Freitag, 24.07.2020, 20:22 Uhr aktualisiert: 24.07.2020, 20:30 Uhr
Polizisten führen Marcel Bauersfeld ab. Zuvor hat er erneut versucht, den Muezzin-Ruf zu stören. Erst nach Beendigung des Freitagsgebets kommt der 37-Jährige wieder auf freien Fuß. Foto: Moritz Winde
Polizisten führen Marcel Bauersfeld ab. Zuvor hat er erneut versucht, den Muezzin-Ruf zu stören. Erst nach Beendigung des Freitagsgebets kommt der 37-Jährige wieder auf freien Fuß. Foto: Moritz Winde

Was treibt Marcel Bauersfeld an? Gegenüber dem WESTFALEN-BLATT hatte er gesagt, er sei unpolitisch, weder links- noch rechtsextrem und ihn störe einzig und allein der Muezzin-Ruf . Das Recherche-Kollektiv OWL – eine Bielefelder Gruppierung aus dem linken Spektrum (Antifa) – gibt hingegen an, dass der 37-Jährige bis 2013 Mitglied in der in Teilen angeblich rechten und antisemitischen Partei Bürgerrechtsbewegung Solidarität (BüSo) gewesen und 2010 für diese als Kandidat zur Landtagswahl in NRW angetreten sei. Die Partei sei durch antisemitische und verschwörungstheoretische Positionen aufgefallen.

Ab 2014 habe Bauersfeld dann die rechtsoffenen Montagsmahnwachen in Herford organisiert. Unter dem Titel „Montags für Frieden“ hätten über ein Jahr lang wöchentliche Mahnwachen stattgefunden, in deren Rahmen antisemitische Verschwörungstheorien und neonazistische Propaganda verbreitet worden seien. Das Kollektiv fordert: „Rechte Meinungsmache und rassistische Proteste müssen auch so benannt werden.“ Seine Darstellung als „unpolitischer, mutiger Bürger“ arbeite einem rechten Heldennarrativ zu, das derzeit im Internet populär werde. Nach Angaben der Polizei ist Bauersfeld bislang strafrechtlich nie in Erscheinung getreten.

Kuhglocke bleibt beschlagnahmt

Protest vor Herforder Moschee

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Bis jetzt: Gegen den 37-Jährigen liegt eine Anzeige vor. „Nach unserer Einschätzung ist sein Verhalten als Störung der Religionsausübung zu werten“, sagt Moritz Kutkuhn, Sprecher der Bielefelder Staatsanwaltschaft.

Das Amtsgericht Bielefeld teilt offenbar diese Meinung, zumindest hat die Behörde die Beschlagnahmung der Kuhglocke bestätigt, mit der Marcel Bauersfeld vor der Moschee Lärm gemacht hatte. Ob es zur Anklage kommt oder die Ermittlungen gegen eine Geldauflage eingestellt werden, will die Staatsanwaltschaft in den nächsten Wochen entscheiden.

Am Freitag dauert es nur wenige Sekunden, dann haben zwei Polizisten das groteske Schauspiel an der Bielefelder Straße beendet. Marcel Bauersfeld wird abgeführt und in den Polizei-Bulli verfrachtet, Löffel und Topf werden sichergestellt. Er sei der Aufforderung eines Platzverweises nicht nachgekommen, sagt Polizeisprecher Uwe Maser.

Auf der anderen Straßenseite stehen etwa 20 AfD-Anhänger – unter ihnen sollen auch Reichsbürger sein – und kritisieren das Festhalten des Protestlers. Markus Wagner, AfD-Fraktionschef im NRW-Landtag: „Das ist ein Skandal, hier wird das Recht auf freie Meinungsäußerung ignoriert.“ Die Partei hatte die Erlaubnis des Muezzin-Rufs aufs Schärfste verurteilt.

Marcel Bauersfeld wird nach dem Ende des Freitagsgebets wieder auf freien Fuß gesetzt. Er hat bereits angekündigt, nächsten Freitag wiederkommen zu wollen.

NRW-AfD-Fraktionschef Markus Wagner dreht vor der Moschee ein Propagandavideo.

NRW-AfD-Fraktionschef Markus Wagner dreht vor der Moschee ein Propagandavideo. Foto: Moritz Winde

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