Werner Eikmeier hat fast 5000 Gedichte geschrieben – darunter mehr als 60 zur Pandemie
Der Corona-Reimer

Herford (WB). Es zählt zu den großen Herausforderungen des Journalistenlebens: Mit Werner Eikmeier über seine Gedichte reden und den geeigneten Zeitpunkt für ein Gesprächsende finden. Denn irgendeinen gereimten Gedanken gibt es immer, den es gilt, dem Gesprächspartner mitzuteilen.

Dienstag, 28.07.2020, 05:59 Uhr aktualisiert: 28.07.2020, 06:01 Uhr
Werner Eikmeier im eigenen Garten: „Vorsicht“, eines seiner ersten Corona-Gedichte, ist am 24. Februar entstanden. Foto: Hartmut Horstmann
Werner Eikmeier im eigenen Garten: „Vorsicht“, eines seiner ersten Corona-Gedichte, ist am 24. Februar entstanden. Foto: Hartmut Horstmann

Ideen kommen beim Fernsehen

„Hier ist noch was über Merkel“, sagt der 75-Jährige. Liest das Gedicht vor, blättert im Din-A4-Ordner, wo er bei Trump hängen bleibt. Dann geht es weiter mit einer lyrischen Urlaubsbetrachtung – und das Ende ist offen, denn 4000 bis 5000 Gedichte hat der Herforder bisher verfasst. Und weil Werner Eikmeier so schnell schreibt wie andere Leute denken, sind es in diesem Jahr bereits fast 300 geworden– darunter mehr als 60 Corona-Gedichte.

Was ihn beschäftigt, muss raus – und zwar gereimt. Viele Ideen kommen ihm abends beim Fernsehen, wenn er die Nachrichten sieht zum Beispiel. Öffentlich in Erscheinung getreten mit seinen Gedichten ist der Herforder unter anderem beim Leisen Abtrunk der Herforder Schützen.

Sein Großvater saß im KZ

Und jetzt Corona: Wer gewohnt ist, aus den eigenen Gedanken Gedichte zu machen, kommt an dem Thema nicht vorbei. Eines seiner ersten Corona-Gedichte schrieb er am 24. Februar. An dem Tag war Rosenmontag – und Werner Eikmeier mahnte zur „Vorsicht“. Der Tenor diese Zeilen durchzieht seine lyrische Corona-Produktion: Nichts auf die leichte Schulter nehmen, aber auch nichts dramatisieren. Natürlich ist auch die große Nachfrage nach Toilettenpapier ein Thema – und der Rentner, der die klare Ansprache schätzt, scheut hier auch das eine Wort nicht, das mit Sch... beginnt.

Um die Angst vor Corona verhältnismäßig zu machen, erinnert Eikmeier an seinen Großvater August Dingersen, der in der NS-Zeit aus politischen Gründen im Gefängnis und im KZ gewesen sei: „Wie oft musste er dem Tod/manchesmal ins Auge sehen./Weil dem so war, drum glaube ich,/das war mehr noch als Corona,/ich werd Corona überstehen.“

Wenn der Freund des Reims an die vergangenen Monate denkt, ist auch er manchmal sprachlos – angesichts des Tempos, mit dem sich alles verändert hat: „Ich erinnere mich an die Jahreshauptversammlung vom Bismarckturmverein. Das war am 5. März und wir haben aufs Händeschütteln verzichtet. Aber davon, dass Lokale schließen könnten, war überhaupt noch nicht die Rede.“

Der Mann mit dem Zettel

Zehn Tage später wurde Deutschland runtergefahren. Und das Ehepaar Eikmeier hielt sich fortan viel im eigenen Garten auf. Weil dieser auch ohne Corona Zeit in Anspruch nimmt, hat sich das Leben mit dem Virus nicht grundlegend gewandelt. Als eine Veränderung, die sie spüre, nennt Ursula Eikmeier: „Man muss beim Einkaufen eine Maske tragen.“

Als kreativer Mensch hat Werner Eikmeier – wie viele andere auch – in der Coronazeit musiziert. Vom Balkon seines Hauses aus spielte er auf dem Schifferklavier. Einige Fußgänger blieben stehen und hörten zu. Den Musizierenden bringt es reimend zu der Frage: „Wann ist Corona wohl besiegt?/Das Ende kann man noch nicht fühlen./Muss ich oder muss ich nicht/vielleicht noch Weihnachtslieder spielen?“

Jedes Gedicht wird in einem Ordner abgeheftet. Die Idee, ein Buch zu veröffentlichen, ist dem Hobbydichter nach eigenen Angaben noch nicht gekommen. Auch Lesungen hat er nicht im Sinn. Eikmeier ist eher ein Mann der Gelegenheiten, die sich ihm bieten: „Wenn ich zu einer Hochzeit eingeladen bin, dann hole ich irgendwann einen Zettel raus.“

 

Eines der ersten Corona-Gedichte: Vorsicht

 

Man soll auf Nummer sicher gehen,

beim Karneval in Schwarzenmoor,

es wird ein jeder wohl verstehen,

lieber eine Maske tragen,

als später einen Trauerflor.

 

Denn falls der Wind von Süden kommt,

mir ist das nicht einerlei,

das Virus ist schon in Italien,

am meisten in der Lombardei.

 

Und sollte es bis Herford kommen,

ich hab den Vorrat durchgecheckt

und uns mit reichlich Gegenmitteln

aus lauter Vorsicht eingedeckt.

 

Wie soll man sich sonst davor schützen,

durch meinen Kopf geht allerlei,

denn dieses Virus killt man nicht,

nicht mit Pulver und mit Blei.

 

Das Grundstück wird dann abgeriegelt,

dies geschieht im Notfall prompt,

damit kein Virus dann im Ernstfall

auf unser großes Grundstück kommt.

 

Ich hoffe, soweit kommt es nicht,

es wird zum Guten alles enden,

dann werde ich das Gegenmittel

dem Freundeskreis vom Bismarckturm,

dem werde ich das Mittel spenden.

 

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