48-Jähriger läuft vor Automatiktür und bricht sich die Nase – 10.000 Euro Schadenersatz?
Rettungssanitäter verklagt Supermarkt

Herford (WB). Eigentlich war es ein ganz gewöhnlicher Einkauf: Die Rettungswagenbesatzung war am 4. Juni vergangenen Jahres, einem Dienstag, vor dem Markant-Supermarkt an der Schwarzenmoorstraße vorgefahren, um sich etwas zu essen zu besorgen. Anschließend verließen die Rettungssanitäter den Markt durch die Automatiktür. Ein 48-Jähriger, er wollte als letzter der Gruppe rausgehen, stieß dabei aber heftig mit dem Gesicht gegen einen der gläsernen Türflügel, die sich ferngesteuert öffnen und schließen.

Samstag, 08.08.2020, 05:45 Uhr aktualisiert: 08.08.2020, 05:50 Uhr
Der heute 48 Jahre alte Rettungssanitäter war im vergangenen Jahr vor die Automatiktür dieses Supermarktes gelaufen. Foto: Bexte
Der heute 48 Jahre alte Rettungssanitäter war im vergangenen Jahr vor die Automatiktür dieses Supermarktes gelaufen. Foto: Bexte

Weil er sich bei dem Aufprall das Nasenbein gebrochen hatte, verklagte er den Supermarkt. Die gläserne Tür habe nicht richtig funktioniert. Neben der Fraktur drohe ihm möglicherweise der Verlust des Geruchssinns, macht er jetzt vor Gericht geltend. Dies ist mit einer deutlichen Forderung verbunden: Er verlangt vom Supermarktbetreiber 10.000 Euro Schadenersatz.

Die 6. Zivilkammer des Landgerichts Bielefeld wird den Fall am kommenden Mittwoch, 12. August, ab 10.15 Uhr verhandeln. Nach Angaben des Gerichts habe sich der Geschädigte am Tag des Unfalls im Supermarkt Brötchen gekauft. Es gebe ein Video, das zeige, wie der Mann das Ladenlokal verlasse. Dies dürfte das zentrale Beweismittel bei der Würdigung des Falles sein. Der Geschädigte mache eine „atypische Funktion“ der Automatiktür geltend. Sie habe sich nicht rechtzeitig geöffnet.

Angst vor Verlust des Geruchssinns

Die beklagte Seite habe eigens ein Gutachten zur Funktion der Automatiktür in Auftrag gegeben, um dies zu widerlegen sagt Rechtsanwalt Dirk Twitting, dessen Kanzlei den Rettungssantitäter vertritt. Allerdings verweist auch der Anwalt aus Hagen, der auf Schmerzensgeld- und Schadenersatzklagen spezialisiert ist, auf diese Expertise.

„Es hätte die technische Möglichkeit gegeben, dass das Radar der Automatiktür durch die Bewegung des Kunden die Öffnung immer gleich schnell auslöst – egal, von wo er sich auf die Tür zubewegt.“ Das sei aber offenbar nicht der Fall gewesen. „Warum nicht?“, fragt Twitting jetzt. Sein Mandant sei nämlich nicht im rechten Winkel, also direkt von vorne, auf die Tür zugegangen, sondern sei schräg von der Seite gekommen. Offenbar deshalb habe sich die Tür nicht rechtzeitig geöffnet.

Dass der Geschädigte auch den drohenden Verlust des Geruchssinns geltend mache, habe mit seinem Beruf zu tun. In Einssatzsituationen, etwa in einem Brandfall, sei er darauf zwingend angewiesen.

Der Betreiber des beklagten Supermarkts äußerte sich auf Anfrage nicht, er verwies an die Haftpflichtversicherung, die den Fall übernommen habe. Deren Rechtsbeistand, eine Kanzlei aus Köln, wollte am Freitag keine Stellungnahme abgeben.

Kommentare

Detlef Wiedemann  schrieb: 08.08.2020 16:17
Supermarktbetreiber nicht schuldig
So wie der Fall geschildert wird, ist der Supermarkt-Betreiber nicht haftbar: Ich darf mich nicht vollkommen
auf die Automatik der Tür verlassen. Wenn ich durch eine Tür gehe, muss ich warten, bis ich diese geöffnet habe oder geöffnet wird. So schmerzhaft für den Mann: Augen auf im Leben!
1 Kommentare
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